„WG and Friends“ heißt die inklusive Band unter der Leitung von Gerhard Kurz (rechts), bestehenden aus Musikern mit und ohne Behinderung. Foto: Heinig

Ihr gesamtes Repertoire an Schlagern, Rock- und Pop-Songs würde inzwischen für gut eine Stunde handgemachter Musik reichen. „WG and Friends“ ist eine Band von Musikern mit und ohne Behinderung.

Sie spielen bei Geschäftseinweihungen und Ausstellungseröffnungen, zu Kaffeenachmittagen und Preisverleihungen, im Kurpark, bei den All-inclusiv-Veranstaltungen des Jugendhauses K3, anlässlich der Villinger Adventsfenster, im Bad Dürrheimer Haus des Gastes und beim ersten deutsch-ukrainischen Abend waren sie mit ihrem schmissigem Sound schon zu hören. Sogar im Europapark Rust traten sie auf.

 

Gemeinsam Musik machen die jungen Erwachsenen seit 2006. Damals hatte Jörg Spiegelhalter, der damalige Leiter der Carl-Orff-Schule für geistig beeinträchtigte Schüler und selbst Bruder eines jungen Mannes mit Handicap, die Idee und setzte sie gleich selbst um.

Kurz springt ein

Nach seinem plötzlichen und viel zu frühen Tod sprang Gerhard Kurz, damals Lehrer, auch für Musik, an der Bickebergschule, 2009 ein und übernahm die Truppe, die sich von Anfang an hauptsächlich aus Mitgliedern einer inklusiven Wohngemeinschaft am Warenberg zusammensetzte. Daher der Namensteil „WG“.

Jede Menge Musiker

Als „Friends“ gesellten sich neben „Shorty“ Gerhard Kurz als Bandleader auch die Lehrerin der Christy-Brown-Schule, Ulrike Liomin, dazu. Als man 2016 das zehnjährige Bestehen feierte, fehlten Bläser. Man fand sie in der „Rentnerbänd“ von Heidi Deckert. Schon 2010 und 2013 bei den beiden „Clownicals“, den von Henry Greif und Birgit Mittermeier arrangierten integrativen Musicals, hatte man musikalisch erfolgreich zusammengearbeitet, man kannte sich. Eigentlich sollten sie damals nur das Jubiläumskonzert verstärken, doch die Bläser der Rentnerbänd sind geblieben. Dazu gehören auch Jürgen Deckert, Priska und Frank Haas, Rolf Kübeler, Manfred, Susanne und Wolfgang Roth.

Proben auf dem Bickeberg

Jede zweite Woche wird in den Katakomben der Heilig-Kreuz-Kirche auf dem Bickeberg geübt. Hier durften sich Dank des Caritasverbandes gleich mehrere Bands in einem Raum des einstigen Klosters einen gemütlichen und gemeinsam genutzten Proberaum einrichten, so auch die Lehrerband „Stormy Friday“ und die „Beatle Mountain Band“.

Sie sind Talente

Gerhard Kurz, inzwischen pensioniert, ist begeistert vom Können seiner Bandmitglieder. Julien spielt die Trompete und ist der Showman, Bernd beherrscht das Cajon wie auch Dennis, der zudem jede für die Band wichtige Jahreszahl im Kopf hat. Freddy probt am liebsten direkt neben Heidi, und Christian singt, schlägt das Tambourin und hat gerade durch Monika Verstärkung erhalten. Michael steht von Anfang an am Keyboard. Er hat ein exzellentes Gehör, so dass er neue Melodien schon nach zehn Minuten beherrscht.

„Das macht richtig Spaß“, sagt Monika und strahlt. Alle jungen Menschen mit Beeinträchtigung wurden von ihren Eltern schon früh musikalisch gefördert, „da ist keiner ganz unbeleckt“, sagt Gerhard Kurz. Einige von ihnen sind auch beim Caritas-Trommlerzug wiederzufinden.

Mit ihrer Leidenschaft reißen sie alle mit und gewinnen die Herzen ihres Publikums im Handumdrehen. „Helene“ rufen sie auf die Frage nach dem aktuellen Lieblingssong wie aus einem Munde. Angetan haben es ihnen auch die Songs der Blues Brothers, allen voran „Mini the Moocher“. Und dann fangen sie an zu rocken.