100 Quadratmeter Wohnzimmer
: Traum fürs Sammlerherz – so lebt es sich in einer Schonacher Uhrenfabrik

Sie teilen sich ihr Wohnzimmer mit Kuckucksuhren, alten Radios und sogar Motorrädern: Das Ehepaar Waltraud und Gerold Schwer kaufte vor 26 Jahren die ehemalige Uhrenfabrik der Gebrüder Kuner. Ein Blick in ihre außergewöhnliche Wohnung.
Von
Erika Rapthel-Kieser
Schonach
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Waltraud Schwer in ihrem großen Wohnhzimmer. Trotz der vielen Raritäten hält die Konditormeisterin Ordnung und findet immer gleich was sie sucht.

Waltraud Schwer in ihrem großen Wohnhzimmer. Dort sind etliche Schätze und Raritäten zu finden.

Erika Rapthel-Kieser
  • Ehepaar Waltraud und Gerold Schwer lebt in der ehemaligen Kuner-Uhrenfabrik in Schonach.
  • Sie sammeln und reparieren Raritäten – von Kuckucksuhren bis zu Saba-Radios.
  • Im 100-Quadratmeter-Wohnzimmer stehen Flipper, Tischkicker und zwei Motorräder.
  • Das Haus ist offen für Nachbarn und Freunde – 2012 gab es „Schwer was los“ im „Kuckuck“.
  • Waltraud backt regelmäßig Kuchen für Gäste, eine Linzer-Torte gab es „ganz frisch“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Das ist uns neulich zugelaufen“, kommentiert der 60-jährige Gewerbeschullehrer Gerold Schwer, wie er unlängst zu eine seiner vielen hundert Antiquitäten oder den vielen Kuckucksuhren kam. „Das kriegt jetzt hier eine Weile Asyl“, sagt er mit einem Lachen über das neueste Stück und beschreibt so nebenbei das Prinzip des Loslassens und wieder Hergebens. Tatsächlich leben er und seine Ehefrau Waltraud, die Konditormeisterin, mit vielen Raritäten und Sammlerstücken auf einem Raum. Und müssen nicht einmal zusammenrücken.

Ehemalige Uhrenfabrik bietet Platz für Sammelleidenschaft

Wer die beiden besucht, weiß gar nicht, wo er zuerst hingucken soll und kommt dabei aus dem Staunen nicht mehr raus. Da hängen an der Wand unzählige Kuckucksuhren oder eben nur ihre Tannenzapfengewichte. Die, so sagt Schwer, fallen schon mal runter und das kann man dann an kleinsten Dellen auf dem schönen Parkettboden sehen. Aber abgeschliffen wird der nicht. „Das Holz soll leben“, findet das Ehepaar.

Da steht ein Flipperautomat und ein Tischkicker an der rückwärtigen Seite des Kamins und davor finden sich die gemütlichen Sessel samt Fußhocker, auf der der Besucher sich in die lange Reihe kalter Winterabende hineinträumen kann. Natürlich mit der entsprechenden Musikbegleitung, denn Gerold Schwer zeigt voller Stolz seine Sammlung alter Radiogeräte aus Großmutters Zeiten.

Nicht wenige dieser alten Radiogeräte sind von der Firma Saba. Gerold Schwer freute sich, als unlängst jemand sogar die Original-Transportkiste dazu vorbei brachte.

Nicht wenige dieser alten Radiogeräte sind von der Firma Saba. Gerold Schwer freute sich, als ihm sein Großcousin aus Salem beim jüngsten Familientreffen die passende Holztransportkiste dazu übergab. „Bei dir ist sie richtig“, hat er gesagt.

Erika Rapthel-Kieser

Da ist fast alles dabei: Vom ersten Volksempfänger, der ab 1938 von findigen Bürgern den Spitznamen „Goebbels Schnauze“ erhielt, bis zu den etwas luxuriöseren Modellen mit elfenbeinfarbenen Tasten, die auch damals schon das kleine Vermögen von 400 Reichsmark kosten konnten.

Wohnzimmer mit historischen Telefonen und Flipperautomaten

Auf einem alten Schulpult reihen sich gleich mehrere, fast historische, schwarze Telefone mit Gabel. Und eines davon, so demonstriert es Waltraud Schwer, piepst munter aus dem Hörer, ist angeschlossen und funktioniert auch noch.

Von den fünf baugleichen schwarzen Telefonen ist sogar eins angeschlossen und tutet munter aus dem Hörer. Im Hintergrund die Hausbar "Zum hässlichen Pferd".

Von den fünf baugleichen schwarzen Telefonen ist sogar eins angeschlossen und tutet munter aus dem Hörer. Im Hintergrund der Tischkicker und die gut bestückte Hausbar "Zum hässlichen Pferd".

Erika Rapthel-Kieser

Dann gibt es den Flipperautomaten und Großmutters Sammeltassen und daneben jene Schachteln, in denen das Uhrmacherhandwerk Zahnrad für Zahnrad und bunt bemaltes Schnitzfigürchen für Schnitzfigürchen gehegt und gepflegt werden. Nicht jede dieser Uhrenfabriken aus denen das stammt, hat den sich schnell verändernden Produktionsabläufen oder den  neuen Anforderungen an Design und Vertrieb Stand gehalten. Andere schon - und diese Manufakturen stehen bis heute für dekorative Interpretationen der präzisen, alten Handwerkskunst über die beide Schwers jede Menge Geschichten erzählen können.

Alles fein sortiert, beschriftet und da aufbewahrt, wo es schon immer hingehörte. Waltraud Schwer freut sich über die kleinen Figürchen und erinnert an das Schnitzerhandwerk im Schwarzwald.

Alles fein sortiert, beschriftet und da aufbewahrt, wo es schon immer hingehörte. Waltraud Schwer freut sich über die kleinen Figürchen und erinnert an das Schnitzerhandwerk im Schwarzwald.

Erika Rapthel-Kieser

Ein paar Meter weiter im Schwerschen Wohnzimmer gibt es ausrangierte Parkuhren und einige Fitness-Geräte und auf der großen Kommode steht die riesige, alte Kaffeemahlmaschine. Sie war ein Weihnachtsgeschenk von Gerold Schwer an seine Frau und funktioniert dank seiner Reparaturkünsten noch tiptop. Echte Großteile sind wohl die beiden Motorräder mit Beiwagen, die im 100-Quadratmeter Wohnzimmer dann doch gleich auffallen. „Die stehen nur im Winter drin und im Sommer draußen. Unsere drei Kinder und ihre Partner haben ja alle den Motorradführerschein“, sagt Waltraud Schwer mit einem Lächeln.

Gerold Schwer vor einigen seiner gesammelten Kuckucksuhren in der ehemaligen Uhrenfabrik der Gebrüder Kuner in Schonach.

Gerold Schwer vor einigen seiner gesammelten Kuckucksuhren in der ehemaligen Uhrenfabrik der Gebrüder Kuner in Schonach.

Rapthel-Kieser

Daneben die meterlange Kommode mit unzähligen Schubfächern, in denen Waltraud Schwer penibel Ordnung hält und immer weiß, wo sie welche Leintücher oder Gardinen findet. Alte Werbeschilder der Automarke Opel oder eines einst berühmten Pfefferminzbonbons, gesellen sich zum Holzstuhl mit der geflochtenen Sitzfläche, daneben steht die dreiarmige Stehlampe mit den typischen Farben aus der Nierentisch- und Wirtschaftswunderzeit.

Und dann ist da noch die kleine, aber gut bestückte Hausbar. Sie heißt  „Zum hässlichen Pferd“. Aber vermutlich ist genau hier so manche Dorfschönheit schon bei mehr als einem letzten Drink versackt. Sattsehen kann man sich in diesem Wohnzimmer eigentlich nicht, satt essen aber sehr wohl. Denn die Konditormeisterin hat immer ein leckeres Stück Kuchen parat. „Ganz frisch“, sagt die 52-Jährige und reicht die Linzer-Torte. Vierzehntägig am Freitag ist sowieso ihr Back- und Verkaufstag an dem alle kommen können. Apropos alle können kommen: Die Schwers veranstalteten in ihrem großen Haus und Garten schon mal eine Vinylparty mit Tanzmusik und luden am besagten Wochenende im Jahr 2012 zu Festen, Frühschoppen, Spielenachmittagen und gemeinsamem Liedersingen. Das ganze Dorf war in die Schwarzwaldstraße 2 geladen als es hieß „Schwer was los im Kuckuck“.

Sich in der Schonacher Uhrenfabrik gleich pudelwohl gefühlt

Seit dem das Ehepaar vor 26 Jahren die ehemalige Uhrenfabrik der Gebrüder Kuner kaufte, ist dies Gebäude ihre Lebensaufgabe. Nicht nur weil, das Haus so groß ist und an ihm und den antiken Lieblingsstücken immer Repraraturen anfallen. Dem Ehepaar war gleich klar, dass sie „ein offenes Haus“ führen wollen.

Wenn das Ehepaar Schwer zur Party einlädt, dann ist in Schonach eben schwer was los und alle wissen, wo es hingeht.

Als das Ehepaar Schwer im Jahr 2012 ein Wochenende lang einlud, war in Schonach wirklich „Schwer was los“ und alle wußten, wo es hingeht: In die Schwarzwaldstraße 2.

Erika Rapthel-Kieser

Seitdem teilen sie ihren Platz, die vielen großen Räume, die geschichtsträchtigen Stücke und den schönen Garten mit ihren Nachbarn und Freunden. „Pudelwohl“, so sagen die beiden Vöhrenbacher hätten sie sich in Schonach gleich gefühlt. Ebenso ihre drei Kinder, von denen eines mit seiner Familie wieder in eine der Wohnungen im großen Elternhaus gezogen ist. „Das passt“, strahlt Waltraud Schwer, „wir verstehen uns sehr gut“.

Zwar wurde das Ehepaar samt seiner Großraumwohnung im SWR-Fernsehen schon unter dem Titel „Wohnen extrem“ portraitiert, aber eigentlich vermittelt der Lebensstil der beiden, ganz im Gegensatz zu ihrem Nachnamen, eine freundliche Leichtigkeit. Und was die vielen Raritäten und Sammlerstücke betrifft: Die kommen und gehen, werden eine Weile behalten und dann wieder hergegeben. So muss es wohl sein, in einem so großen, offenen Haus.

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