Werbegemeinschaft Lahr sucht Verstärkung
: Arbeit lastet auf wenigen Schultern

Die Lahrer Werbegemeinschaft macht eine Menge für die Stadt und hat sich auch für die Weihnachtszeit wieder viel vorgenommen. Doch es gibt auch Probleme, wie die Hauptversammlung gezeigt hat. Es fehlt vor allem an neuen Leuten für den Vorstand, weshalb der Vorsitzende eine Warnung aussprach.
Von
Herbert Schabel
Lahr
Jetzt in der App anhören

Der alte und neue Vorstand der Werbegemeinschaft und seine Unterstützer (von links): Kassenprüferin Marina Schäfer, stellvertretender Vorsitzender Gerd Kohler, Beisitzer Dirk Frischauf, Vorsitzender Michael Schmiederer, Rechnerin Christa Metzger, Kassenprüferin Petra Wöhrlin und die stellvertretende Vorsitzende Annette Schulz

Schabel

Der Oktober ist ein ungewöhnlicher Monat für eine Hauptversammlung, normalerweise ziehen Vereine früher im Jahr Bilanz. Dass die Werbegemeinschaft den Termin in den Herbst legte, hatte einen Grund, wie Michael Schmiederer eingangs verriet: Man habe sich die Zeit nehmen wollen, um neue Leute für den Vorstand zu finden. Doch das habe leider nicht geklappt, so der Vorsitzende.

Bei vielen Mitgliedern fehlt das Engagement für die Vereinsarbeit, so war Schmiederer zu verstehen. Für unbefangene Zuhörer wirkte das überraschend, denn der Abend war auf den ersten Blick ordentlich besucht. Gut 50 Menschen waren in Kohlers Kulinarium gekommen, keine schlechte Resonanz für eine Hauptversammlung. Allerdings: Darunter waren Vertreter aus dem Rathaus (OB Markus Ibert und Martina Mundinger vom Stadtmarketing), ein halbes Dutzend Stadträte, außerdem Presseberichterstatter und Mitglieder des amtierenden Vorstands.

So viele „einfache“ Mitglieder, die für eine Vorstandsarbeit in Frage kommen, blieben unter den Gästen da gar nicht mehr übrig, wie Schmiederer während seiner Ansprache feststellte. Vor allem junge Gesichter waren rar, kein Zufall, wie er anmerkte. Denn im Handel und damit auch in der Werbegemeinschaft fehle der Nachwuchs: „Es ist schwer, junge Leute für den Einzelhandel zu begeistern, die Tätigkeit passt nicht zur Work-Life-Balance“.

Wenn es etwas zu tun gibt, bleibt die Arbeit meist an denselben Leuten hängen

Schmiederer engagiert sich bereits so lange als Vorsitzender, dass er selbst nicht mehr sagen konnte, wie viele Jahre es genau sind. Zwischen 16 und 18, schätzte er. Die Zeit sei reif, dass ein anderer das Ruder übernimmt, betonte er. Auch andere Vorstandsmitglieder seien in einem Alter, in dem der berufliche Ruhestand nicht mehr ganz fern sei. Auch deshalb brauche es frisches Blut.

Es fehlen aber nicht nur neue Leute im Vorstand, sondern generell helfende Hände, wie Schmiederer am Beispiel der Vorbereitungen für die kürzliche Veranstaltung „Laufsteg 24“ verdeutlichte: Als es darum gegangen sei, am Samstagmorgen um 7.30 Uhr die roten Teppiche für die späteren Modelauftritte auf der Marktstraße festzukleben, hätte sich dazu wieder nur derselbe ganz kleine Kreis um Geschäftsstellenleiterin Sarina Metzger eingefunden, der auch sonst immer anpacke.

Wie geht es weiter, ohne die gewünschte Ablösung oder zumindest Verstärkung für den Vorstand? Man sei noch einmal bereit, ein Jahr weiterzumachen, „doch im nächsten Jahr funktioniert das nicht mehr“, warnte Schmiederer. Der eine oder andere habe bereits jetzt aufhören wollen. „Es ist mit Sicherheit das letzte Mal, dass es diese Gruppe macht“, sagte er mit Blick auf den Tisch, an dem seine Vorstandskollegen saßen. Auch er könne nicht ewig weiterarbeiten. Schmiederer verriet, dass sich bei ihm wegen der ausbleibenden Unterstützung „einiges aufgestaut“ hat.

Wie es 2025 bei der Werbegemeinschaft weitergehen wird, sollten sich auch dann keine neuen Leute finden, blieb offen. Schmiederer deutete an, dass in dem Fall andere Formen der Vorstandsarbeit zum Tragen kommen könnten. Denn mit der jetzigen Struktur werde man dann nicht mehr weitermachen können.

Die Bestätigung des aktuellen Vorstands war am Dienstag nur Formsache: Er wurde natürlich einstimmig wiedergewählt. Stellvertreter sind wie bisher Annette Schulz und Gerd Kohler, während Christa Metzger Rechnerin bleibt.

Veranstaltungen kommen gut an

Die Versammlung brachte auch sonst Positives, nämlich als es um die Aktionen der Werbegemeinschaft ging. Schmiederer listete auf, was 2023 alles gelaufen war – Veranstaltungen wie der Blütensonntag, die Mobilparty oder das Kinderfest waren wieder sehr gut besucht. Auch in diesem Jahr hat die Werbegemeinschaft eine ganze Menge auf die Beine gestellt, wobei der Budgetplan durchaus Sorgen bereitet.

Die Werbegemeinschaft plant mit Einnahmen von gut 141 000 Euro, während die Ausgaben mit gut 146 000 Euro kalkuliert sind. Das Minus erklärt sich zum Teil dadurch, dass die Mitgliedsbeiträge weniger werden – 2023 hatte die Werbegemeinschaft hier 64 400 Euro eingenommen, in diesem Jahr sollen es nach einigen Austritten nur 55 000 Euro sein.

Erfreulich ist dagegen, dass man im Vorjahr ein Plus von rund 17 000 Euro erwirtschaftete, was laut Schmiederer zum Teil aber einfach daran lag, dass einige Rechnungen zu Veranstaltungen von 2023 erst in diesem Jahr eingetroffen sind.

Generell sind die Finanzen durchaus ein sorgenvolles Thema bei der Werbegemeinschaft. Ohne Sponsoren wären viele Veranstaltungen in ihrer gewohnten Form nicht möglich, betonte Schmiederer. Dabei wirtschafte man bereits überaus sparsam und plane die eigenen Aktionen mit kleinerem Budget, als das in anderen Städten der Fall sei.

Aus der Runde wurden Stimmen laut, dass die Stadt sich noch mehr engagieren und zum Beispiel ihren Anteil für die Geschäftsstelle der Werbegemeinschaft, der seit Jahren stagniere, erhöhen könne. Stadtrat Rudolf Dörfler (CDU) holte dann aber alle auf den Boden der Tatsachen zurück, „unser Haushalt hängt in der Luft, wir müssen jeden Euro umdrehen“, betonte er. Doch man kenne den Wert der Werbegemeinschaft und tue, was man könne. Gleichlautend äußerte sich Stadtrat Roland Hirsch (SPD).

Es fehlen noch 8000 Euro für das Rahmenprogramm beim Adventstreff

Auch Markus Ibert dankte in seinem Statement der Werbegemeinschaft für ihre Arbeit. Er verstehe, dass Michael Schmiederer „ein stückweit frustriert“ sei, so der OB. Auch er wisse, dass die Zeiten schwierig seien. Er sei aber „generell optimistisch unterwegs“, so Ibert mit dem Hinweis, dass sich in der Innenstadt auch so manches in die richtige Richtung bewege. So sei er froh, dass der „Wolkenkratzer“ wieder geöffnet sei und sich auch für „Schäfer’s Eck und das ehemalige Schuhhaus Kindle neue Lösungen gefunden haben.

Die Stadt tue viel für ein lebendiges Lahr, nicht nur mit mehr als 200 Veranstaltungen, die das Stadtmarketing übers Jahr organisiere („ohne die Chrysanthema“), sondern nun auch in der bevorstehenden Weihnachtszeit, betonte Ibert. Man werde wieder eine Weihnachtsbeleuchtung haben, ebenso wie den Weihnachtsmarkt, den Adventstreff und die lebendige Krippe. Die Stadt übernehme erneut einen Teil der Kosten für das „Basispaket Weihnachten“, außerdem habe man Sponsoren gefunden. Eine Finanzlücke gebe es noch für das Rahmenprogramm beim Adventstreff am Schlossplatz, so Ibert. Hier fehlten 8000 Euro.

Insgesamt war es ein harmonischer Abend, der freilich von der vergeblichen Personalsuche für den Vorstand überschattet war. Ein Ärgernis für viele Mitglieder ist, dass sich große Handelsketten, die mit Filialen in Lahr vertreten sind, nicht an der Werbegemeinschaft beteiligen.

Besonders viel Applaus gab es dagegen für Martin und Sarina Metzger: Er ist Mitorganisator des Weihnachtsmarkts und hat darüber hinaus im Sommer mit Taner Demiralay auf Eigeninitiative die After-Work-Party und After-Holiday-Party auf dem Schlossplatz organisiert. Seine Frau führt die Geschäftsstelle der Werbegemeinschaft und leistet dabei mehr, als sie laut Arbeitsvertrag müsste, wie mehrfach betont wurde.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Samstag im kompakten Überblick.