Bundestagsabgeordneter für Lahr/Emmendingen
: AfD-Mann Michael Blos über die Ziele seiner Partei

Der Wahlkreisabgeordnete Michael Blos spricht im LZ-Sommerinterview über seine ersten 16 Monate im Bundestag sowie seine politischen Schwerpunkte – und weshalb er sich von Unternehmern im Wahlkreis ein Umdenken wünscht.
Von
Herbert Schabel
Lahr
Jetzt in der App anhören
Michael Blos sprach  beim Redaktionsbesuch über seine politischen Ziele.

Michael Blos sprach beim Redaktionsbesuch über seine politischen Ziele.

Schabel
  • AfD-Abgeordneter Michael Blos bilanziert 16 Monate im Bundestag und skizziert Schwerpunkte.
  • Er lehnt CSD-Besuche ab und fordert weniger „Sexualisierung des öffentlichen Raums“.
  • Zur Migration: Grenzen schützen, konsequent abschieben, keine Ungleichbehandlung nach Herkunft.
  • Umweltpolitik: gegen Windräder im Schwarzwald, für Kernenergie – Endlager werde sich finden.
  • Er sieht AfD benachteiligt, setzt auf mehr Wählerzuspruch und bleibt im Wahlkreis präsent.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Michael Blos ist über die Landesliste der AfD im März 2025 in den Bundestag eingezogen, wo er den Wahlkreis Lahr/Emmendingen vertritt.

Herr Blos, am Samstag, 5. September, wird es den ersten Christopher Street Day mit einer Parade durch die Lahrer Innenstadt geben. Gucken Sie sich das an?

Nein, ich besuche keinen CSD und bin auch der Meinung, dass wir keine solche Sexualisierung des öffentlichen Raums brauchen. Vermutlich bin ich da auch schon unterwegs nach Berlin zur ersten Sitzungswoche nach der Sommerpause.

Bei CSD-Paraden in anderen Städten sieht man bisweilen Anti-AfD-Plakate. Es wirkt so, als ob die queere Community und die AfD auf Kriegsfuß stehen. Weshalb?

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Freitag im kompakten Überblick.

Ich finde das zum Teil unverständlich. Der Anschlag in Berlin hat erneut gezeigt, dass Homosexuellen vor allem Gefahren aus dem islamistischen Spektrum drohen – und da sind ja gerade wir als AfD diejenigen, die stärkere Maßnahmen fordern. Vermutlich hat diese Ablehnung mit unserem positiven Familienbild zu tun.

Wohlgesonnen ist man Ihrer Partei offenbar in Sachsen-Anhalt, da steuert die AfD laut Umfragen auf einen Wahlsieg am 6. September zu. Dabei macht die Aussicht auf den möglichen ersten AfD-Ministerpräsidenten vielen Menschen Angst. Sie sehen darin eine Gefahr für die Demokratie.

Die Demokratie wird von der anderen Seite bedroht – von den Parteien, die an der Macht sind und Angst haben, sie zu verlieren. Das sieht man aktuell in Niedersachsen,  wo  AfD-Kandidaten widerrechtlich von der Kommunalwahl ausgeschlossen werden – und an Verbotsfantasien, die unsere gesamte Partei betreffen.

Was hat Sie als promovierten Geowissenschaftler eigentlich zur AfD geführt?

Es ist ein untypisches Studium für einen Abgeordneten, das stimmt. Andererseits ist es doch gut, wenn nicht nur Juristen oder Politologen, sondern auch Vertreter anderer Berufe im Bundestag sitzen. Meine politische Prägung begann in meinem Elternhaus – einem CDU-Elternhaus. Früher habe ich die Union gewählt, zu Helmut Kohls Zeiten war das meine Partei. Auch in Frau Merkel habe ich viele Erwartungen gesetzt, die aber alle enttäuscht wurden.

Nachdem Sie zeitweise auch Mitglied in der Jungen Union waren, sind Sie 2017 in die AfD eingetreten, zwei Jahre, nachdem Angela Merkel entschied, gestrandete Flüchtlinge aus Ungarn unbürokratisch nach Deutschland einreisen zu lassen.

Die ungesteuerte Migration, die damals begonnen hat, war mit ein Auslöser für mich, zur AfD zu gehen. Irgendwann verliert man einfach den Glauben, dass sich bei der CDU noch etwas ändert. Diese Einsicht kann man bei vielen Menschen beobachten, die sich zur AfD bekennen, zuletzt an einem CDU-Bürgermeister in Sachsen-Anhalt, der unserer Partei 10.000 Euro gespendet hat. Außerdem hat sich die AfD weiterentwickelt und ist nicht mehr die Ein-Themen-Partei, die sie zu Beginn war.

Aber die AfD wird von einigen Landesämtern für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft, in Baden-Württemberg gilt sie als Verdachtsfall.

Wir wissen ja, wo diese Labelung herkommt – von Verfassungsschutzämtern, die Anweisungen ihrer Innenministerien entgegennehmen. Man will die Konkurrenz kaputt machen, darum geht’s. Inzwischen merken das aber immer mehr Menschen. Insgesamt wird viel gelogen, um uns zu schaden, auch beim Thema Remigration. Denn wir fordern nicht die  Vertreibung deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund, wie uns nachgesagt wird. Meine Frau ist übrigens Thailänderin und auch Mitglied der AfD. Meine Kinder haben also auch Migrationshintergrund.

Was ist die Haltung der AfD beim Thema Migration?

Wir müssen unsere Grenzen schützen, in erster Linie natürlich die europäischen Außengrenzen. Ausreisepflichtige Ausländer – und wer hier Straftaten begeht oder dauerhaft nicht für seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommt, sollte grundsätzlich ausreisepflichtig werden – müssen konsequent abgeschoben werden. Der Kontrollverlust der letzten zwölf Jahre muss ein Ende haben. Rechtlich darf nach unserer Auffassung übrigens nicht zwischen Deutschen mit oder ohne Migrationshintergrund unterschieden werden. Gesetze, die das tun, wie das baden-württembergische Partizipations- und Integrationsgesetz, halte ich für verfassungswidrig.

Sie sind seit 16 Monaten Abgeordneter des Bundestages. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Ich bin den Wählern dankbar, dass ich den Wahlkreis in Berlin vertreten darf.  Am Anfang war vieles neu, man findet sich dann aber doch schnell zurecht. Mitglied bin ich im Umweltausschuss und Landwirtschaftsausschuss. Gerade in der Umweltpolitik hat die AfD ein großes Potenzial. Hier möchte ich darauf hinarbeiten, dass die Leute verstehen, dass wir eine konservative, patriotische Partei mit einem Interesse an einer gesunden Natur sind. Die AfD steht für den wahren Umweltschutz, davon bin ich überzeugt. Der Schwarzwald wird zum Beispiel durch Windräder verschandelt. Sauberer Energieträger der Zukunft ist die Kernenergie.

Und wie werden dann die Abfälle gelagert?

Es wird ein geeigneter Endlagerstandort gefunden werden.

Kritiker Ihrer Partei sagen, dass wir gerade den heißesten Sommer aller Zeiten erlebt haben und die AfD den Klimawandel immer noch leugnet.

Wir leugnen den Klimawandel nicht, ich als Geologe schon gar nicht. Den gibt es, seit es eine Atmosphäre gibt. Die Frage ist nur, was daran menschlicher Einfluss ist. Auch lange vor der Industrialisierung gab es erhebliche Klimaschwankungen und Witterungsextreme, die beispielsweise zu schweren Ernteausfällen und Auswanderungsbewegungen geführt haben. Geologisch gesehen leben wir momentan übrigens in der Wärmephase einer Eiszeit. Denn dass die Pole Eis tragen, ist in der Erdgeschichte eher selten. Der sogenannte Klimaschutz, wie er hier im Land betrieben wird, geht zu Lasten der Wirtschaft und unseres Wohlstandes und ist reine Geldverbrennung.

Man kann nichts bewegen, wenn man in der Opposition ist. Frustriert Sie das?

Natürlich wäre es schön, wenn Alice Weidel Kanzlerin wäre und nicht Friedrich Merz. Und ja, es tut auch weh, dass unser Land diesen Weg geht – mit Industriezerstörung, einer gescheiterten Energiewende oder den Problemen bei der Migration. Trotzdem würde ich mich nicht als frustriert bezeichnen. Denn ich habe die Hoffnung, dass sich etwas ändert, das zeigen ja auch die Umfragen. Es müssen uns noch mehr Menschen wählen, dann führt kein Weg an uns vorbei.

Wird die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode halten?

Es ist eine reine Zweckehe. Im Bundestag kann man zum Beispiel oft beobachten, dass die SPD bei einer CDU-Rede nicht applaudiert und umgekehrt. Trotzdem wird die Regierung wohl durchhalten – zulasten unseres Landes. Denn ihre Mitglieder wissen natürlich auch, was bei Neuwahlen passieren würde. Ich glaube nicht, dass der Herr Merz gerne mit den Grünen oder mit linker Tolerierung regieren möchte.

Die anderen beiden Wahlkreisabgeordneten Yannick Bury und Johannes Fechner sind hier vor Ort aktiv, besuchen Bürgermeister und Firmeninhaber und lassen über ihre Büros dann Berichte darüber der Presse zukommen. Von Ihnen kommt in der Richtung dagegen nichts.

Bei vielen Unternehmen ist da immer noch die Angst, dass es schadet, sich mit der AfD zu treffen. Man möchte ja nicht stigmatisiert oder vielleicht sogar von Fördertöpfen abgeschnitten werden. Es ist leider auch schon vorgekommen, dass Kommunen mich nicht zu offiziellen Terminen eingeladen haben. Ich glaube, auch die Bürger finden es nicht so toll, wenn man die umfragestärkste Partei im Bund so behandelt. Aber ich bin im Wahlkreis natürlich trotzdem präsent, halte zum Beispiel Bürgergespräche ab, die eine gute Resonanz haben. In erster Linie geht es ja auch darum, was für eine Politik man für den Wahlkreis macht. Und da ist unser Ansatz für die Bürger besser.

Thema Kreisstraße. Wie soll es da weitergehen?

Die AfD hat ja immer gesagt, dass sie die Lahrer Anschlussstelle will. Dass Herr Ibert da jetzt ohne Not ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, liegt wohl daran, dass in Lahr OB-Wahlen anstehen und er seine linksgrünen Wähler nicht verprellen will. Das Gespräch führten Herbert Schabel und Felix Bender.

Zur Person

Michael Blos, Jahrgang 1976, ein gebürtiger Karlsruher, ist von Beruf Geowissenschaftler. Er studierte in Tübingen und Arizona. Gearbeitet hat er unter anderem am Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Euskirchen (letzter Dienstgrad: Oberstleutnant). In der Privatwirtschaft war er als Umwelt- und Ingenieurgeologe tätig. Blos ist verheiratet und Vater von sieben Kindern; er lebt in Rheinfelden.