Gemeinderat Haigerloch: Paukenschlag in Sachen Solarparks

Blick vom Eichwald in Richtung Trillfingen: Selbst diese weitabendl liegende 23 Hektar große Fläche für Agri-PV beim Kremensee kippte der Gemeinderat mit seinem Beschluss.
Thomas KostDas Gremium lehnte mit diesem knappen Votum eine weitere Prüfung ab, ob die Standorte in den Gewannen „Vor den Fichten/Vor dem Eichwald“ beim Kremensee und in den „Tummeläckern“ entlang der Seesteige für Agri-PV- beziehungsweise Freiflächen-Solaranlagen geeignet sein könnten. Damit musste eine weitere Abstimmung über die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens erst gar nicht mehr aufgerufen werden.
Bemerkenswert: Der Gemeinderat votierte mit dieser Entscheidung nicht nur gegen die Empfehlung der Stadtverwaltung, er überging damit auch die im September beziehungsweise schon im Juli getroffenen Empfehlungsbeschlüsse von zwei Ortschaftsräten.
Weder in den „Tummeläckern“ noch beim Kremensee PV-Anlagen
Der Haigerlocher Ortschaftsrat hatte nämlich in seiner Sitzung kurz vor den Sommerferien nichts gegen die mögliche Nutzung einer etwa 15 Hektar großen Fläche in den „Tummeläckern“ für eine Freiflächen-PV-Anlage einzuwenden. Ebenso wenig der Trillfinger Ortschaftsrat gegen eine Agri-PV-Anlage auf 23 Hektar nahe dem Kremensee.
Nicht sehr glücklich mit der Entscheidung dürfte die Familie Späth als Besitzer der für Solarparks in Frage kommenden Ackerflächen gewesen sein. Ursprünglich hatte sie zusammen mit den beiden Firmen „Feldwerke“ aus München und „Stromernte“ aus Bad Boll sogar vier Äcker für den Bau von Solarparks ins Auge gefasst.
Familie Späth wäre eigentlich kompromissbereit gewesen
Da sich aber gegen eine 18 Hektar große Fläche vor dem Kirchlesäcker-Hof in Richtung Hart und gegen eine neun Hektar große Fläche im Trillfinger Gewann „Hohenweg“ (gegenüber dem Umspannwerk der Netze BW) privater und politischer Widerstand gebildet hatte (wir haben berichtet), nahmen sie diese beiden Flächen schon vor knapp zwei Wochen vorsorglich aus dem Rennen.
Man wolle den guten Ruf, den man im Raum Haigerloch genieße, nicht riskieren, begründete die Familie Späth diesen Schritt. Jetzt stehen die Besitzer des Seehofs und ihre beiden Kooperationspartner, denen sie die Äcker verpachten wollte, mit leeren Händen da.
Wie aber konnte es zu dieser totalen Kehrtwende kommen? Im Gemeinderat gab es mehrere Stimmen (CDU-Gemeinderat Ralf Heim, Freie-Wähler-Gemeinderat Kurt Biegelmaier, Weildorfs Ortsvorsteher Armin Hipp, Harts Ortsvorsteher Thomas Bieger), die vor dem Verlust von wertvollen Ackerflächen für die Nahrungsproduktion warnten.
Bieger: Kremensee Vorranggebiet für Nahrungsmittelproduktion
Freie-Wähler-Gemeinderat Simon Fecht hatte insbesondere mit der PV-Anlage an der Seesteige („Tummeläcker“) Sorgen wegen einer möglichen Blendwirkung des Autoverkehrs aus Richtung Stetten. Jochen Wiest (CDU) verwies darauf, dass es wegen solcher Vorhaben zu Preis-Wettkämpfen komme, bei denen kleine Landwirte, die Flächen pachten wollten, fast nicht mehr mithalten können.
Die Fläche in den „Tummeläckern“ unterhalb des Schlosses sei so steil, dass man sie landwirtschaftlich ohnehin nicht gut bewirtschaftet werden könne, versuchte Jonas Späth im Namen seiner Familie noch Verständnis im Gemeinderat zu wecken.
Doch solche und andere Argumente stießen augenscheinlich auf fast kein Gehör, wie die nachherige Abstimmung gegen die PV-Projekte zeigte. Somit kommt es letztendlich zu keinerlei „Belagerung“ Trillfingens durch Solarparks, wie dessen Ortsvorsteher Horst Henle noch vor wenigen Tagen im Trillfinger Ortschaftsrat befürchtet hatte.