Kommunalpolitik Haigerloch: Neue Solarparks: Die erste Hürde ist genommen

Rechts von Radweg und L 410 (Seesteige) sind die „Tummeläcker“. Dort könnte auf 15 Hektar eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entstehen.
KostErst die EnBW, dann die „Stromernte“ aus Bad Boll und jetzt die „Feldwerke“ aus München – Unternehmen, die auf dem Gebiet der alternativen Stromerzeugung mittels Photovoltaik unterwegs sind, haben sich in jüngster Zeit bei der Stadtverwaltung die Türklinke in die Hand gegeben.
Und während die EnBW schon vor ein paar Jahren mit dem Wunsch nach Realisierung eines Solarparks beim Kremensee Richtung Wachendorf (Gewann „Unteres Täle“), sind die Photovoltaikprojekte der beiden jungen Startup-Unternehmen „Stromernte“ und die „Feldwerke“ noch neu.
Debatte um Solarparks entwickelt eine Eigendynamik
Doch die Diskussion über geeignete Standorte für Solarparks hat sich in den vergangenen Tagen etwas verselbstständig und die Familie Späth als Betreiber der Südwestdeutschen Saatzucht GmbH (Sitz in Rastatt) unvermittelt in den Blickpunkt gerückt. Den Späths gehören nämlich etliche Felder rund um den Seehof an der L 410.
Weil mehrfach in Ortschaftsräten die Rede davon war, dass zwischen 80 bis 90 Hektar Fläche für großflächige Photovoltaik-Anlagen in Betracht kämen, entstand der Eindruck, der Seehof würde sich aus Landwirtschaft und Saatzucht ein Stück weit zurückziehen und ein neues Geschäftsmodell aufbauen.
Das ist aber überhaupt nicht der Fall, wie Christoph Stober, Betriebsleiter der Südwestdeutschen Saatzucht auf dem Seehof am Donnerstag im Haigerlocher Ortschaftsrat betonte „Wir werden die Landwirtschaft nicht aufgeben“, stellte er klar. Das Thema hatte in den vergangenen Tagen für viele Irritationen gesorgt, da in verschiedenen Ortschaftsräten schon erste Planskizzen für die Flächen vorgestellt wurden. Diese bilden aber keinesfalls jetzt schon das ab, was nachher tatsächlich kommt.
Furcht vor einem Flächenverbrauch in großem Stil
Von 80 bis 90 Hektar sei „nicht im Traum“ die Rede, so Stober, es gelte aber, gute Standorte zu finden, die „für die Landwirtschaft und die Bevölkerung vertretbar und für die Betreiber attraktiv sind“. Tatsächlich in ersten Gesprächen nach der ganzen Aufregung die Planungen überarbeitet und zum Beispiel eine etwa 20 Hektar große Fläche auf dem Haigerlocher Schlossfeld herausgenommen.
Was aber übrig bleibt sind eine etwa 15 Hektar große Fläche auf im Gewann „Tummeläcker“, ein etwa 18 Hektar großes Feld beim Seehof oberhalb der Landstraße nach Hart. Beide liegen auf Haigerlocher Gemarkung. Dazu kommt ein neun Hektar großes Feld in etwa auf der Höhe des Umspannwerks, aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dieses liegt jedoch auf Gemarkung Trillfingen.
Sowohl Agri- als auch Freiflächen-PV-Anlage möglich
Beide Solar-Startups haben Interesse daran, in Abstimmung mit der Familie Späth in diesem Areal Strom aus Sonnenergie zu erzeugen und sowohl Julian Schreder („Stromernte“) als auch Marco Mielenz („Feldwerke“) stellten ihre jungen Unternehmen und deren Ideen im Haigerlocher Ortschaftsrat vor.
Und währende „Stromernte“ auf den „Tummeläckern“ (also auf der Fläche die genau der Straße nach Stetten gegenüberliegt) eher eine klassische Freiflächen-PV-Anlage bauen möchte, fokussiert sich „Feldwerke“ beim 18 Hektar großen Acker entlang der Straße nach Hart auf eine so genannte Agri-PV-Anlage. Das ist ein Solarpark in der die einzelnen Modulreihen stark in die Höhe und mit deutlich größeren Abständen (zwölf bis 14 Meter) zueinander gebaut werden, so das eine Tierbeweidung, eine Grünlandbewirtschaftung oder in den breiten Gassen dazwischen sogar Getreideanbau möglich ist.
Bei diesem Modell gingen nur etwa 60 Prozent der Ackerfläche verloren und es hat laut Mielenz auch den Vorteil, dass die Hürden dafür im Genehmigungsverfahren viel niedriger sind. Auch der Abstand zum benachbarten Aussiedlerhof werde auf mindestens 150 Meter gesetzt.
Ortschaftsrat sagt ja zur Solarenergie
Trotz kontroverser Diskussionen im Haigerlocher Ortschaftsrat über das Für und Wieder von Solarparks – es war sogar die Rede von einem „Spiegelkabinett“ das vor den Toren der Stadt entsteht – fiel die Entscheidung am Ende mit vier Ja-, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung zu Gunsten von Solarparks aus. Der Kernstadtrat befürwortete eine Freiflächen-PV-Anlage im „Tummeläcker“ und eine Agri-PV-Anlage im „Kirchlesäcker“