Abschied in Dautmergen: Auf Hans Joachim Lippus folgt Jürgen Seng als Rathauschef

Mit stehenden Ovationen wurde Hans Joachim Lippus als Bürgermeister der Gemeinde Dautmergen verabschiedet – im Hintergrund ist (sitzend) seine Familie zu sehen.
Volker SchweizerHans Joachim Lippus hätte gerne die volle Amtszeit absolviert, das merkte man ihm bei seiner Verabschiedung an: Immer wieder stockte ihm der Atem, so manches Tränchen musste er unterdrücken.
Der Krebs zwang ihn letztendlich aber in die Knie, Ende August räumte er schweren Herzens vorzeitig seinen Schreibtisch im Rathaus. Die Krankheit, und das war die gute Nachricht am Freitagabend, hat er mittlerweile besiegt. Jetzt, dabei strahlten die Augen nur so, freue er sich auf den „schönsten Job“, Opa sein zu sein dürfen. Vier Enkelkinder warten auf ihn und Oma Adelheid.
Marion Maier: „Er war einfach nur gut für das Schlichemtal“
Doch nicht nur Lippus fällt der Abschied schwer: „Durch ihn hat unser Ort an Attraktivität hinzugewonnen, ist zu einem echten Schmuckstück geworden“, würdigte sein Stellvertreter Tobias Wager die Verdienste des 66-Jährigen für Dautmergen.
Und die Nachbarin aus Dotternhausen, Marion Maier, die auch die neue Vorsitzende des Verwaltungsverbandes ist, setzte noch eins drauf: „Er war einfach nur gut für das Schlichemtal, sein Wirken bleibt spürbar im ganzen Land.“
Wer aufmerksam durch Dautmergen fährt, sieht die Handschrift des Bürgermeisters i.R.: Die Schlichem dümpelt nicht mehr durchs Dorf, sie ist erlebbar geworden; im Baugebiet „Ob Gärten“ sind die Häuser nur so aus dem Boden geschossen, aus der Deponie wurde ein Grünlagerplatz, aus dem alten Bankgebäude ein Jugendhaus.
In ganz Dautmergen ist das Wirken des Bürgermeisters a.D. zu sehen
Außerdem darf sich der zweitkleinste Flecken im Kreis damit rühmen, die erste Gemeinde in Deutschland zu sein, die vollständig ans Glasfasernetz angeschlossen ist. Da versteht es sich von selbst, dass so viel Einsatz belohnt werden muss. Lippus darf in die Luft – Tobias Wager überreichte ihm einen Gutschein für einen Flug mit dem Zeppelin.
Von den Erzieherinnen des Kindergartens erhielt er einen bunten (Karten-)Strauß mit selbst formulierten Wünschen – auch als Dank dafür, dass der Nachwuchs immer das „Dautmerger Bussle“ nutzen durfte. Dem „Neuen“ streckte sie die Hand aus, gerne dürfe auch er ein „gesundes Frühstück mit Käse“ mitbringen.
Lippus und der Landrat kennen sich schon lange – beide haben gekickt, der Schultes später zur Pfeife gegriffen. Günther-Martin Pauli beschrieb ihn als kreativ, pflichtbewusst und geradlinig, „er hat Dautmergen erfolgreich weiterentwickelt“.
Als „Mann mit Haltung, viel Kompetenz und klarem Kopf“ bleibt Oliver Schmid aus Geislingen, der auch Vorsitzender der Bürgermeistervereinigung im Kreis ist, sein Amtskollege in Erinnerung.
Unter Lippus hat sich eine „echte Partnerschaft“ unter den D-Gemeinden entwickelt
An den Nachfolger Jürgen Seng, der denkbar knapp die Wahl gewonnen hat, appellierte er, Brückenbauer zu sein, mit Offenheit und Dialog das Beste für Dautmergen zu erreichen.
Der gewürdigte Alt-Bürgermeister hat auch große Spuren im Verwaltungsverband hinterlassen: Marion Maier erinnerte an seine 26-jährige Tätigkeit als Geschäftsführer und seine 20 Jahre als Chef der Sozialstation.

Der stellvertretende Bürgermeister Tobias Wager (rechts) nahm die Vereidigung und Verpflichtung des neuen Bürgermeisters von Dautmergen, Jürgen Seng, vor.
Foto: Volker SchweizerIn allen Bereichen habe er mehr als 100 Prozent Einsatz gegeben, auch im Verhältnis zu Dotternhausen und Dormettingen, den anderen Zwei-D-Gemeinden. Mittlerweile sei daraus eine „echte Partnerschaft“ geworden.
Den Dank der Narren, Sportler und Wanderer überbrachte Helmut Jetter. Lippus sei überall präsent gewesen, habe sich auch um kleine Dinge gekümmert. „Hiermit entlaste ich Sie“, scherzte Feuerwehrkommandant Christian Wager in Anspielung auf die Aufgabe eines Bürgermeisters in den Hauptversammlungen.
Stehende Ovationen für seinen Einsatz und fairen Umgang mit Mitarbeitern
Vertreterinnen des Jugendhauses und Ulrike Jetter traten ebenfalls nach vorne, und in voller Stärke auch der Kirchenchor, der unter der Leitung von Martin Kraft die Feierstunde mehrmals umrahmte.
Er gehe aufgeräumt und zufrieden, versicherte Hans Joachim Lippus. Mit Haut und Haaren habe er sich für Dautmergen eingesetzt, das Versprochene, so hoffe er, immer eingehalten. Die Gemeinde, und das freue ihn, stehe finanziell gut da.
Mit stehenden Ovationen wurde sein Einsatz gewürdigt – auch sein „fairer Umgang“ mit den Mitarbeitern, Vereinen und Geschäftsleuten, der ihm immer außerordentlich wichtig war.
Zum Amtsantritt bringt Jürgen Seng eine Kaffeemaschine für alle mit

Für den neuen Rathaus-Chef Jürgen Seng (links) hatte der stellvertretende Bürgermeister Tobias Wager zwei Geschenke mitgebracht: einen Nussknacker und ein Seil.
Foto: Volker SchweizerHeute tritt Jürgen Seng offiziell seinen Dienst als neuer Bürgermeister im Ehrenamt an. Es sei für ihn eine große Ehre, die Gemeinde weiterentwickeln zu dürfen, sagte der 44-Jährige nach seiner Vereidigung und Verpflichtung.
Er trete in große Fußstapfen. In der ersten Zeit wolle er viel Wissen aufsaugen, ein ehrlicher und freundlicher Umgang sei ihm wichtig. Sein Einstiegsgeschenk ist eine Kaffeemaschine. „Und die steht für alle bereit“, denn für jeden einzelnen Bürger habe er ein offenes Ohr.