Marion Maier ist die neue Vorsitzende des GVV Oberes Schlichemtal. Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger sieht darin einen Wortbruch und beruft sich auf frühere Absprachen.
Alle drei Jahre hat ein anderer Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden im Gemeindeverwaltungsverband Oberes Schlichemtal (GVV) den Vorsitz inne. 2022 wurde Anton Müller zum Verbandsvorsitzenden gewählt, dessen Amtszeit als Dormettinger Bürgermeister im August endete. Bis zum turnusmäßigen Wechsel zum 1. November wurde Dotternhausens Bürgermeisterin Marion Maier in dieses Amt gewählt. In der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung stand die Wahl des Vorsitzenden bis zum 31. Oktober 2028 auf der Tagesordnung.
Neben Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger stellte sich auch Marion Maier zur Wahl. Maier vereinigte elf Stimmen, Sprenger zehn Stimmen auf sich. Maier erhielt Stimmen aus Dotternhausen (drei), Dautmergen (zwei), Dormettingen (zwei), Weilen unter den Rinnen (2) und Hausen am Tann (2). Für Sprenger votierten Schömberg mit sechs Vertretern sowie die Gemeinden Zimmern unter der Burg und Ratshausen mit jeweils zwei Stimmen.
„Gentlemen’s Agreement“
Schon im Vorfeld habe sich das abgezeichnet, was Sprenger sauer aufstoß. Er berief sich auf ein „Gentlemen’s Agreement“: Denn in den vergangenen Jahren gab es ein stillschweigendes Übereinkommen, dass der Vorsitz alle drei Jahre zwischen Schömberg und einer der Mitgliedsgemeinden wechselt. Bevor Anton Müller 2022 den Vorsitz übernommen hatte, war Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger GVV-Vorsitzender, von 2016 bis 2019 der damalige Weilener Bürgermeister Gerhard Reiner, davor wiederum Sprenger, der 2013 das Amt von der damaligen Dotternhausener Bürgermeisterin Monique Adrian übernommen hatte. Diesem Übereinkommen folgend müsste Sprenger wieder an der Reihe sein. In der Sitzung wurde bekannt, dass sich die Bürgermeister aller Verbandsgemeinden – mit Ausnahme von Schömberg – zu zwei oder drei Besprechungen getroffen hatten, bei denen es um die Wahl ging. Sprenger wertete die Vorgehensweise als einen „klaren Wortbruch“ – schließlich habe sich Schömberg auch in der Vergangenheit an das „Gentlemens Agreement“ gehalten. „Diese Geheimtreffen zeigen, dass es ein Bestreben gibt, einen Verband sieben gegen eins zu errichten“, zeigte sich der Schömberger Schultes erbost. Beistand erhielt er vom Schömberger Vertreter Heiko Gerstenberger: „Ein gemeinsamer Verband muss gemeinsam arbeiten, aber das Gemeinsame wird torpediert. Scheinbar möchte der Rest des GVV Oberen Schlichemtal Schömberg nicht dabei haben.“
Schömberger Vertreter sind erbost
Manche der Bürgermeister, die damals beteiligt gewesen sein sollen, sind mittlerweile nicht mehr im Amt und damit auch nicht mehr Teil der Verbandsversammlung. „Wir können die Vergangenheit somit nicht mehr komplett aufarbeiten, so dass der Neuanfang heute beginnt. Lasst uns zukünftig gemeinsam an einem Strang ziehen“, fand der Dormettinger Bürgermeister Horst Lehmann klare Worte. Doch Sprenger konterte: „Der Neubeginn beginnt mit einem üblen Foul an Schömberg.“
Geiger und Edele sind Stellvertreter
Trotz des Unmuts zeigte sich Sprenger als fairer Verlierer und gratulierte seiner Kontrahentin nach der Wahl als erster. Er machte aber auch klar, dass er sich für das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden nicht zur Verfügung stellt: „Wer nicht möchte, dass Schömberg den Verbandsvorsitz führt, sollte Schömberg auch nicht zutrauen im Bedarfsfall einzuspringen“, erklärte er.
Zum ersten Stellvertreter von Maier wurde Tommy Geiger, Bürgermeister von Ratshausen und zur zweiten Stellvertreterin Silke Edele aus Weilen unter den Rinnen gewählt.
„Wir müssen zukünftig anders zusammenarbeiten“
Wesentlich reibungsloser ging die Wahl der Vertretung in der Gesellschafterversammlung der Sozialstation vonstatten. Erster Stellvertreter von Maier wird Sprenger und zweiter Stellvertreter Geiger sein. „Wir müssen zukünftig anders zusammenarbeiten“, Gab Geiger allen Beteiligten mit auf den Weg: „Berechtigte Kritik kann jederzeit angebracht werden, aber in der jüngsten Vergangenheit sind in nichtöffentlichen Sitzungen zum Teil harte Worte gegen den GVV Oberes Schlichemtal im Allgemeinen und dessen Mitarbeiter gefallen.“