Nach einzigartigem Leben:
: Kunstrad-Legende Manfred Maute aus Albstadt stirbt mit 85 Jahren

Manfred Maute ist der Vater beispielloser Erfolge deutscher Kunstradfahrer und hat seinen Sport geprägt wie niemand sonst – nicht nur, weil er drei Mal Weltmeister war.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Kaum eine einzelne Person hat eine Sportart so sehr entwickelt und nachhaltig geprägt wie Manfred Maute das Kunstradfahren. Am Samstag ist der dreimalige Weltmeister, Erfolgstrainer und Mit-Erfinder des Maute-Sprungs im Alter von 85 Jahren gestorben.

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Dass Tailfingen ein weltweites Mekka des Kunstradsports ist: Es ist Manfred Maute zu verdanken, der am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben ist und mit dem die Stadt Albstadt eine ihrer größten Persönlichkeiten verliert – auch menschlich.

Als Jürgen Gneveckow dem bescheidenen, fairen Sportsmann 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Lebenswerk anheftete, stellten ihn die Redner in eine Reihe mit Trainerlegenden wie Fußballer Sepp Herberger und Fechter Emil Beck. Dabei hatte Maute schon in seinen rund 25 Jahren als aktiver Sportler Geschichte geschrieben: Zwei Mal war er württembergischer Meister in der Jugend, elf Mal bei den Aktiven. Deutsche Meistertitel holte er vier als Aktiver, dazu fünf Vizemeistertitel, zwei solche in der Jugend und einen dritten Platz als Aktiver.

Als Aktiver hatte Manfred Maute sogar eigene Autogrammkarten.

Foto: Archiv RSV Tailfingen

Damit nicht genug: Acht Mal hat Manfred Maute von 1965 bis 1972 an Weltmeisterschaften teilgenommen – und ist jedes Mal auf dem Treppchen gelandet: 1965 auf Platz drei, 1964, 1967, 1969 und 1970 auf Platz zwei und drei Mal als Sieger. 1968, 1971 und 1972 war Manfred Maute Weltmeister.

Nahtlos vom Weltmeister zum vielfachen Weltmeister-Trainer

Im selben Jahr wurde er Abteilungsleiter Hallenradsport und Trainer Kunstradsport beim Radsportverein Tailfingen (RSV), der für Maute und seine Frau Roswitha auch Teil seiner Familie war.

Mit der Liebe seines einzigartigen Lebens, seiner Frau Roswitha, feierte Manfred Maute im März Eiserne Hochzeit.

Foto: Horst Schweizer

Geboren am 15. Oktober 1939 in Tailfingen, hatte Maute, der mit zwei Schwestern aufwuchs, den Beruf des Strickmaschinentechnikers bei der Firma „Albi“ erlernt, aber schon mit zwölf Jahren mit dem Kunstradfahren begonnen – sein Vater hatte Radball gespielt, da lagt der Weg nahe.

Die Liebe seines Lebens war eine Sportkameradin

Beim Training in der Landessportschule lernte Maute Roswitha Simmendinger kennen, die er bei erster Gelegenheit heiratete: Nur wenige Tage vor dem 11. März 1960 war sie 21 Jahre alt geworden. Manfred Maute war noch 20, als die beiden sich in der Pauluskirche das Ja-Wort gaben.

Sie sind das Erfolgsduo schlechthin im Kunstradsport: Dieter Maute und sein Vater und Trainer Manfred Maute.

Foto: Archiv RSV Tailfingen

Von den Kindern Bernd und Beate sowie Karin und Dieter, die 1967 als Zwillinge zur Welt kamen, trat nur Dieter in die Fußstapfen seines Vaters, wurde fünf Mal Weltmeister und ist heute Bundestrainer der Kunstradsportler.

Ttriumvirat auf dem Kunstrad – Manfred Maute (Mitte) hat das Steuer in der Hand.

Foto: Archiv RSV Tailfingen

Manfred Maute war nach seiner aktiven Laufbahn ab 1972 zunächst Landestrainer auf Honorarbasis, von 1986 bis 2003 aber hauptamtlicher Trainer des Landessportverbands Baden-Württemberg. Er baute systematisch Jugendkader auf, schulte Vereins-, Kreis- und Bezirkstrainer, Fördergruppen- und Stützpunktleiter, führte einheitliche Trainingsmethoden ein, erarbeitete einen Strukturplan, methodische Trainingsreihen zur systematischen Entwicklung vom Anfänger bis zur Weltspitze und einen Rahmentrainingsplan für Baden-Württemberg, den der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) 1996 voll umfänglich übernahm.

Kraftpaket: Manfred Maute – hier noch als Aktiver – war auch im hohen Alter noch im Kraftraum.

Foto: Archiv RSV Tailfingen

In insgesamt 31 Jahren hat Manfred Maute den Weg zahlreicher Talente begleitet und ihnen mit seiner riesigen Erfahrung, der nötigen Strenge, aber auch mit Behutsamkeit zu ihren Erfolgen verholfen: Für 186 Medaillengewinne von Aktiven und Junioren aus Baden-Württemberg – alleine bei Weltmeisterschaften, darunter 50 goldene – ist Maute mitverantwortlich. Er hat das „Tailfinger System“ konsequenter Talentsichtung an Schulen ebenso eingeführt wie konsequentes intensives Training auf höchstem Niveau.

Weltweit haben seine Methoden Einzug gehalten

Sein Verdienst reicht allerdings noch viel weiter: Zehn Jahre lang Lehrwart des BDR, hat Manfred Maute Lehrfilme gedreht, die er Radsportvereinen zur Verfügung stellte und die der Weltverband UCI im Jahr 2000 auf internationaler Ebene übernommen hat. Er war der Erste Kunstrad-Trainer gewesen, der seine Schützlinge auch sportpsychologisch auf Wettkämpfe vorbereitete.

Manfred Mautes Enkel Max Maute hat vor drei Jahren – als Vize-Weltmeister – seine Karriere als Kunstradsportler beendet.

Foto: Archiv RSV Tailfingen

Unvergessen wird der Name Maute im Kunstradsport schon alleine deshalb bleiben, weil Vater und Sohn zwei Jahre lang gemeinsam den Maute-Sprung vom Sattel auf den Lenker entwickelt haben, der 1993 Premiere hatte, sofort in den UCI-Wertungskalender einging und heute zum Pflichtprogramm der Kunstradsportler gehört.

Nicht nur der Maute-Sprung macht ihn unsterblich

Dass Max Maute, einen seiner acht Enkel, 2015 ausgerechnet ein Patzer beim Maute-Sprung den Europameistertitel der Junioren gekostet hat: Ironie des Schicksals.

Der damalige Albstädter Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow hat Manfred Maute das Bundesverdienstkreuz am Bande angeheftet.

Foto: Karina Eyrich

Dass in Tailfingen ein Regionales Spitzensportzentrum Kunstradsport, ein Landesleistungszentrum mit Bundesnutzung und eine internationale Ausbildungsstätte der UCI zu Hause ist, ist Dieter und Manfred Maute zu verdanken, der nach seinem Ruhestand als Landestrainer 2003 weiterhin ehrenamtlicher Lehrwart auf Bundes- und Landesebene war. Der Württembergische Landessportbund habe ihm sogar angeboten, eine eigene Kunstrad-Halle zu bauen, erinnert sich Dieter Maute. „Aber er hat abgelehnt – es war ihm lieber, dass die Halle der Landessportschule gut ausgestattet ist für das Kunstrad-Training, anstatt Unterhaltungskosten für eine weitere Halle zu verursachen.“

Hans-Martin Haller, Alt-Oberbürgermeister von Albstadt und selbst begeisterter Radsportler, ist sichtlich stolz darauf, was Manfred und Roswitha Maute für die gemeinsame Heimatstadt Tailfingen, Gründungspartnerin der Stadt Albstadt, geleistet haben.

Foto: Karina Eyrich

Für sein Lebenswerk ist Manfred Maute 2009 vom Landessportverband Baden-Württemberg ausgezeichnet worden, erhielt 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Schon 1967 hatte er die Ehrenmedaille der Stadt Tailfingen erhalten, 1971 das Silberne Lorbeerblatt aus der Hand des Bundespräsidenten, 1996 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg, 2002 die Bürgermedaille der Stadt Albstadt und 2005 die Fair-Play-Medaille der Deutschen Olympischen Gesellschaft – dazu zahlreiche Ehrennadeln auf Landesebene. Dass er Ehrenmitglied im RSV Tailfingen war, den er zum erfolgreichsten Kunstradsportverein weltweit gemacht hat: selbstredend.

Der damalige Vorsitzende des RSV Tailfingen, Manfred Wehrmann (links), und Sohn Dieter Maute gehörten zu den ersten Gratulanten, als Manfred Maute 2012 mit dem Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, das wesentlich auch der Unterstützung seiner Frau Roswitha zu verdanken war.

Foto: Karina Eyrich

Trotz so vieler Erfolge, solch eines Lebenswerks, war Manfred Maute stets ein bescheidener, nahbarer Mensch und Familienvater geblieben: „Nicht Erfolge sind für mich wichtig, sondern die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen“, hatte er bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gesagt.

Beispiellos fair und freigiebig mit Wissen

Bekannt – und beliebt – war er außerdem für seine Fairness: Sein Wissen habe er freimütig geteilt, auch mit Konkurrenten, sagt Dieter Maute: „Er wollte, dass jene siegen, die am meisten daraus machen.“ Selbst begeisterter Ski- und Radfahrer und mit Mitte 70 noch aktiv im Kraftraum, war es Manfred Maute wichtig, seine acht Enkel zur Bewegung zu animieren. „Er wollte vermitteln, dass es sich lohnt, sich anzustrengen“, sagt Dieter Maute und berichtet, wie viel seinem Vater auch die Heimat – Tailfingen und seine Landessportschule – bedeutet habe.

„Er hat die Sportstadt geprägt wie kein Zweiter“

„Die Sportstadt Albstadt hat er geprägt wie kein Zweiter“, betont daher auch Oberbürgermeister Roland Tralmer. „Seine Arbeit und seine Erfolge für alle weiteren Generationen von Kunstradfahrern – das wird bleiben. Er hat diesen Sport wie kein anderer geprägt und war eine großartige Persönlichkeit, die sich um den Sport und seine Heimatstadt unglaublich verdient gemacht hat.“

Der olympische Traum hat sich nicht erfüllt

Die Erfüllung seinen großen Traums zu erleben, dass Kunstradfahren olympisch wird, ist Manfred Maute allerdings nicht mehr vergönnt. Auf dem Friedhof Markenhalde in Tailfingen wird Manfred Maute am Freitag, 29. August, nach einem einzigartigen Leben beigesetzt. Die Trauerfeier beginnt um 14.30 Uhr.

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