Vermisst im Schwarzwald
: Was sechs Jahre nach Scarletts Verschwinden bekannt ist

Scarlett Salice verschwand vor sechs Jahren spurlos auf dem Fernwanderweg Schluchtensteig im Südschwarzwald. Unfall oder Verbrechen? Was steckt hinter dem Vermisstenfall? Was bekannt ist – und was nicht.
Von
Julia Maria Meene
Hochschwarzwald
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Vor sechs Jahren ist Scarlett Salice auf dem Fernwanderweg Schluchtensteig im Südschwarzwald verschwunden.

Vor sechs Jahren ist Scarlett Salice auf dem Fernwanderweg Schluchtensteig im Schwarzwald verschwunden.

Polizei Baden-Württemberg/Salice
  • Scarlett Salice verschwand am 10. September 2020 auf dem Schluchtensteig im Schwarzwald.
  • Trotz Großsuche mit Hunden, Drohnen und Hubschraubern blieb jede Spur aus.
  • Ein Todesermittlungsverfahren lief, konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gab es nicht.
  • Familie und Freiwillige suchen weiter – 100.000 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise.
  • Aktionen und TV-Berichte erhöhen die Aufmerksamkeit, doch es gibt bisher nichts Handfestes.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Trotz großangelegter Suchaktionen, zahlreicher Hinweise und Zeugenbefragungen fehlt nach wie vor jede Spur der Vermissten aus Nordrhein-Westfalen. 2020 erhielt die Familie das letzte Lebenszeichen von Scarlett Salice, nur wenige Tage vor ihrem Geburtstag.

Auch sechs Jahre nach ihrem Verschwinden gibt es keine handfesten Hinweise darauf, was Scarlett im Schwarzwald passiert ist. In einem Video auf Youtube spricht Scarletts Vater darüber, wie die Familie die vergangenen Jahre erlebt hat. Und darüber, dass sie noch immer hoffen.

Die Belohnung für „sachdienliche Hinweise, die zum Auffinden von Scarlett Salice führen“ wurde inzwischen auf 100.000 Euro erhöht. "Wenn irgendjemand etwas weiß, bitte melden Sie sich bei uns oder der Polizei", heißt es in einem Post auf der offiziellen Facebook-Seite der Familie.

Was seit September 2020 passiert ist.

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Das letzte Lebenszeichen an die Familie

Vor sechs Jahren, am 9. September 2020, schickte Scarlett die letzten Fotos aus St. Blasien an ihre Familie.

Der Tag des Verschwindens

Die damals 26-Jährige gilt seit dem 10. September 2020 als vermisst. An diesem Tag möchte sie von Todtmoos zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig aufbrechen. Aufnahmen einer Supermarkt-Überwachungskamera zeigen sie an dem Morgen noch beim Einkaufen. Ihr Handy wird letztmalig an diesem Tag beim Kurpark in Todtmoos geortet.

Scarlett S St Blasien Schwarzwald Vermisst Polizei Baden Württemberg

Bei ihrem Verschwinden trug Scarlett einen roten Wanderrucksack der Marke Osprey und ein schwarzes Laufshirt. (Archivfoto)

Polizei Baden-Württemberg

Die Suche beginnt

Am 13. September leitet die Polizei die Fahndung nach der Vermissten ein. Beamte durchkämmen das abfallende, teils schwer zugängliche Gelände. Mantrailer-Hunde, Hubschrauber und Drohnen sind im Einsatz.

Wie in solchen Fällen üblich gehen die Ermittlungen kurz nach dem Verschwinden von Scarlett an die Polizei in Bad Lippspringe im Kreis Paderborn, dem Heimatort der Verschwundenen, über.

Die Ermittlungen werden ohne Ergebnis eingestellt

Eine Woche nach dem Verschwinden der 26-Jährigen stellt die Polizei die Ermittlungen ein. Die Beamten gehen von einem Unglück aus. Die großangelegte Suche in dem teils unwegsamen Gelände nahe der Schweizer Grenze endet ohne greifbares Ergebnis.

Die Familie will Gewissheit

Familie und Freunde der Vermissten gründen im November 2020 die Facebook-Seite "Bitte findet Scarlett". Dort werden regelmäßige Updates zum Vermisstenstatus, zu polizeilichen Ermittlungen und diverse Suchaufrufe geteilt.

Freiwillige setzen die Suche fort

Auf ihrer Facebook-Seite berichtet die Familie der jungen Frau über die Suche aus der Luft. Ein Pilot bietet seine Hilfe an, überfliegt das Wehratal mit einem Flugzeug. Parallel durchkämmen immer wieder ganze Gruppen von Freiwilligen zu Fuß das Gelände. Ohne Ergebnis.

Liegt doch ein Verbrechen vor?

Anfang September 2021 wird Strafanzeige erstattet. Darin heißt es, Scarlett sei Opfer einer Straftat geworden. Aufgrund dessen fällt die Zuständigkeit zurück an die Staatsanwaltschaft Waldshut. Ein Todesermittlungsverfahren wird eingeleitet. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen finden die Ermittler nicht.

Suchhunde spüren Fährte auf

Über Wochen unterstützen Suchhunde-Teams die Familie. Sie finden eine Spur. Das Ergebnis teilt Scarletts Familie auf Facebook: Scarlett hat die Wanderung wie geplant angetreten. "Ihre Spur geht eindeutig Richtung Park/Reha-Klinik/Einstieg Schluchtensteig", heißt es in einem Beitrag vom 21. September 2021. Am Parkplatz Wehratalbrücke verliert sich ihre Spur.

Im selben Post räumt die Familie mit einem beunruhigenden Gerücht auf: Könnte es sich bei einer im Wald nahe Freudenstadt gefundenen Frauenleiche um die vermisste Scarlett handeln? Immer wieder war diese Möglichkeit in den sozialen Medien aufgegriffen worden. Doch es ist genau das: ein Gerücht. Die Leiche wird später als die einer 36-Jährigen identifiziert. Die Frau stammte aus Polen, als tatverdächtig gilt ihr Partner.

Der Fall kommt ins Fernsehen

Die Moderatorin und ehemalige Oberkommissarin Alexandra Rietz hat mit ihrem Team über den Sommer einen Teil der Freiwilligen bei der Suche begleitet. Die Sendung „Wenn Menschen verschwinden” wurde am 22. November 2021 auf "Sat1 Gold" ausgestrahlt.

Aktenzeichen XY rückt Scarlett erneut in den Fokus der Öffentlichkeit

Die Vermisstensuche wird in einer Spezialausgabe der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY …vermisst" behandelt. Nach der Ausstrahlung der ZDF-Fernsehsendung am 29. Juni 2022 verzeichnet die Behörde dadurch mehr als 140 Hinweise.

Der zweite Jahrestag

Der Tag des Verschwindens von Scarlett jährte sich am 10. September 2022 zum zweiten Mal. Scarletts Familie sucht verzweifelt weiter. Die meisten Hinweise hat die Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen inzwischen abgeklärt. Eine heiße Spur gebe es derzeit nicht, sagt die zuständige Staatsanwältin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Bringt eine Sonnenbrille Licht ins Dunkel?

Die Hoffnung platzt

An der im Sommer gefundenen Brille gebe es keine ausreichenden DNA-Spuren, teilt die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen am 19. Dezember 2022 nach einer kriminaltechnischen Untersuchung mit. "Möglicherweise wurde ehemals vorhandenes menschliches DNA-Material durch mikrobielle oder Witterungseinflüsse beseitigt".

Ermittlungen werden eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Waldshut stellt Ende Februar 2023 das Todesermittlungsverfahren ohne Ergebnis ein. Staatsanwältin Rahel Diers betont jedoch, dass damit der Fall Scarlett keinesfalls abgeschlossen sei. Die Zuständigkeit für das Verfahren ginge aber nun wieder zurück an die Polizei. Scarlett werde auch nicht für tot erklärt, das könne frühestens zehn Jahre nach ihrem Verschwinden und auch nur auf Antrag, etwa der Familie, geschehen.

Seitdem gilt der Fall als „Cold Case“, als ungelöster Vermisstenfall, in dem alle Spuren und Hinweise abgearbeitet wurden und keine stichhaltigen neuen Erkenntnisse erlangt worden sind.

Die Familie hofft weiter

Am 6. Juni 2023, genau 1000 Tage nach dem Verschwinden der damals 26-Jährigen, teilt die Familie von Scarlett in einem Facebook-Post ein Bild der Vermissten und drückt damit ihr Leid aus. Nach wie vor hoffen die Angehörigen auf weitere Hinweise. Unter dem Post heißt es: „...und es gibt die Gewissheit, dass wir nicht aufgeben werden, nach dir zu suchen!“

Ein paar Schuhe als neuer Hinweis 

Im Jahr 2023 gab es immer mal wieder einen Hinweis: Im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt im Juni in Jestetten im Kreis Waldshut meinte eine Zeugin, sie habe ein Paar Schuhe bei einem Erdhaufen nahe der Grenze zur Schweiz am Hochrhein gesehen. Vielleicht, so die These der Polizei, finde man dort die sterblichen Überreste von Scarlett, doch am Ende stellte sich der Erdhaufen nur als eine illegale Entsorgungsstelle von Erdaushub aus einem Garten oder von einer Baustelle heraus. Die Schuhe, so Polizeisprecher Thomas Spisla in Freiburg, hätten auch nicht zum Fall Scarlett gepasst.

Die Sache mit dem Erdhaufen sei der einzige brauchbar erscheinende Hinweis seit Langem im Fall der vermissten jungen Frau aus Bad Lippspringe in Nordrhein Westfalen gewesen, so Spisla. Ansonsten habe man zuletzt immer wieder „Tipps“ von selbst ernannten Sehern bekommen. Nichts, was ernst zu nehmen gewesen wäre.

Gibt es neue Hinweise?

2024 finden nach wie vor Suchaktionen statt. Immer wieder bekommt das Team der privaten Gruppe "Bitte findet Scarlett" Hinweise und Tipps, denen nachgegangen wird. "Aber leider war bisher nichts Handfestes dabei."

Zudem fanden zuletzt Dreharbeiten für das ZDF-Format "hallo Deutschland" und für Kabel Eins "Das letzte Lebenszeichen" statt, um dem Fall weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken.

Vater spricht auf Youtube über den Vermisstenfall

Am 12. März 2025 veröffentlicht der Youtuber "Davinci" ein Videointerview mit Scarletts Vater. Dort erzählt er unter anderem, wie die Familie die ersten Tage nach Scarletts Verschwinden erlebt hat und wie die Suche nach ihr abgelaufen ist. Anfangs hat immer der Verdacht im Raum gestanden, Scarlett könnte einen Wanderunfall gehabt haben. "Und da zählt jede Stunde." Im Grunde sei seitens der Einsatzkräfte alles getan worden, "was möglich war."

Trotzdem blieb die polizeiliche Suche nach Scarlett erfolglos, bis sie rund zwei Jahre nach Verschwinden offiziell eingestellt wurde. Die letzte Spur haben Hunde laut dem Vater auf einem Parkplatz wahrgenommen. Für ihn sei dieser Parkplatz der entscheidende Punkt. "Was ist an diesem Parkplatz passiert?", fragt er sich bis heute.

Doch die Familie hofft weiter: Vor zwei Jahren sei er die gesamte Wanderstrecke, die Scarlett laufen wollte, selbst abgelaufen. Mit privaten Suchtrupps seien sie auch weiterhin auf der Suche nach der vermissten Tochter.

Scarletts Verschwinden jährt sich zum fünften Mal

Am 10. September 2025 jährt sich das Verschwinden von Scarlett zum fünften Mal. Zu diesem Anlass veröffentlichen die Angehörigen einen Facebook-Post. Er beginnt mit den Worten: "Fünf Jahre ohne Scarlett, 1826 Tage ohne Antworten."

Gemeinsame Vermisstensuche mit True Fruits

Eine Marketingaktion des Smoothieherstellers True Fruits greift im November 2025 unter anderem den Vermisstenfall von Scarlett Salice auf. Mit Fotos auf Smoothie-Flaschen möchte das Unternehmen zur Aufklärung des Falls beitragen. Scarletts Gesicht war durch diese Aktion für mehrere Wochen in über 30.000 Märkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen.

Hilal Ercan und Scarlett Salice werden seit mehreren Jahren vermisst. Die Familien der beiden hoffen, dass durch die reichweitenstarke Suchaktion hilfreiche Hinweise eingehen, die zur Aufklärung beitragen.

Hilal Ercan und Scarlett Salice werden seit mehreren Jahren vermisst. Die Familien der beiden hoffen, dass durch die reichweitenstarke Suchaktion hilfreiche Hinweise eingehen, die zur Aufklärung beitragen.

True Fruits

Gemeinsam mit True Fruits entstand auch ein riesiges Vermisstenposter, auf dem ein Bild von Scarlett abgedruckt ist. „Was ist mit meinem Kind passiert?“, lautet die verzweifelte Frage von Scarletts Familie. Im November 2025 hing das Plakat vier Wochen lang in der stark befahrenen Leopoldstraße in München und sollte weitere Aufmerksamkeit auf den ungelösten Fall lenken.

Insgesamt 100.000 Euro Belohnung sind inzwischen für „sachdienliche Hinweise, die zum Auffinden von Scarlett Salice führen“, ausgesetzt. Die Belohnung setzt sich aus zwei eigenständigen Auslobungen zusammen: Vater Ralf Salice setzte bereits 2020 eine Belohnung in Höhe von 12.000 Euro aus, die weiterhin gilt. True Fruits lobt zusätzliche 88.000 Euro aus.

Im Dezember 2025 postete die Familie von Scarlett auf Instagram und Facebook erste Ergebnisse der Smoothie-Suchaktion: Es habe in den vergangenen Wochen zahlreiche Hinweise gegeben. Aber: „Leider war bisher nichts Handfestes dabei.“

Vater bittet mit riesigem Plakat um Hinweise

Als die Plakataktion in Kooperation mit True Fruits endete, ließ Vater Ralf Salice das Plakat nicht zurück, sondern nahm es mit. Zehn mal zehn Meter misst die riesige Plane, die Vater Ralf in seinem Transporter lagert, bis sich eine geeignete Werbefläche dafür findet. Über Instagram und Facebook fragt er im Juni 2026: „Wo könnten wir unser Plakat an einem gut sichtbaren, markanten oder stark frequentierten Ort aufhängen?“

Plakat Vermisstenfall Scarlett

Zehn mal zehn Meter misst die riesige Plane, die Vater Ralf in seinem Transporter lagert, bis sich eine geeignete Werbefläche dafür findet.

Salice

Familie und Freunde geben die Hoffnung nicht auf

Da das gesammelte Geld auf dem Spendenkonto für die Aktion nicht ausreicht, bittet „BittefindetScarlett“ um dringende Unterstützung, eine geeignete Werbefläche zu finden. Das Team  wird aus Freiwilligen gebildet, die sich schon lange gemeinsam mit Scarletts Familie für die Suche einsetzen. Sie alle arbeiten ehrenamtlich. Scarletts Team sei auf Spenden angewiesen, um Ermittlungen zu finanzieren, Reisekosten zu stemmen oder Suchaktionen zu organisieren.

Am 22. September 2026 würde Scarlett 33 Jahre alt werden. Mit 26 Jahren ist sie verschwunden. Immer wieder macht die Familie und machen Freunde der Vermissten deutlich, dass sie die Hoffnung bis heute nicht aufgegeben haben. Sie teilen regelmäßig Updates der Suche im Netz.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 10. September 2022 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert und erneut veröffentlicht.