Cold Case im Schwarzwald: Seit sechs Jahren vermisst – so waren die Tage vor Scarletts Verschwinden

Scarlett Salice verschwand vor sechs Jahren spurlos im Schwarzwald.
Polizei Baden-Württemberg- Scarlett Salice verschwand am 10. September 2020 auf dem Schluchtensteig bei Todtmoos.
- Sie reiste am 4. September an, startete am 5. September und erreichte Etappen wie Schluchsee.
- Am 9. September war sie in Todtmoos, nahm ein Gruppenfoto auf und kehrte zur Unterkunft zurück.
- Am 10. September wurde sie um 10.14 Uhr im Edeka gesehen – letzte WhatsApp um 10.57 Uhr.
- Trotz intensiver Suche bleibt sie vermisst. Familie und Helfer informieren weiter online.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit dem 10. September 2020 fehlt von Scarlett Salice jede Spur. Die damals 26-Jährige war auf dem Fernwanderweg Schluchtensteig unterwegs, als sie auf der letzten Etappe von Todtmoos nach Wehr plötzlich verschwand.
Seither beschäftigt ihr Verschwinden Ermittler, Suchmannschaften und vor allem ihre Familie – eine abschließende Antwort darauf, was mit Scarlett passiert ist, gibt es bis heute nicht.
Auch sechs Jahre später hat die Suche nach Scarlett nicht aufgehört. Ihre Familie und ein Team aus freiwilligen Helferinnen und Helfern geben nicht auf und gehen weiterhin Hinweisen nach. Auf der Website „Bitte findet Scarlett“ sowie über Instagram und Facebook informieren sie über den aktuellen Stand der Suche und erinnern immer wieder an die junge Frau.
Zum sechsten Jahrestag gibt das Team Einblicke, wie Scarlett ihre Wanderung erlebte und wie die letzten Tage verliefen, bevor sich ihre Spur verlor: ihre Anreise in den Schwarzwald, ihre ersten Etappen auf dem Schluchtensteig – und welchen Menschen sie vor Ort begegnet ist.
Vorbereitungen auf die mehrtägige Wanderung
Die aus Bad Lippspringe im Kreis Paderborn (Nordrhein-Westfalen) stammende Scarlett Salice hatte sich auf den Fernwanderweg im Südschwarzwald gut vorbereitet. Für die rund 110 Kilometer lange Strecke des Schluchtensteigs, die von Stühlingen nach Wehr führt und in der Regel in sechs Etappen durch Schluchten, Wälder und über schmale Pfade verläuft, fertigte sie unter anderem eine eigene Karte an. Außerdem kaufte sie eigens für die Tour ein Zelt.
Anreise in den Schwarzwald
Von ihrer Heimat in NRW begann Scarlett am 4. September 2020 gegen 10.30 Uhr ihre Reise in den Schwarzwald. Unterwegs nimmt die junge Frau noch Personen mit, die sie über eine Plattform für Mitfahrgelegenheiten kennengelernt hatte.
Nach knapp zehn Stunden Fahrt erreichte sie den Campingplatz an der Wutach in Stühlingen, wo sie ihr neu gekauftes Zelt aufschlug und die Nacht verbrachte.
Scarletts erster Streckenabschnitt
Am 5. September 2020 ist Scarett zur ersten von sechs Etappen des Schluchtensteigs aufgebrochen. Morgens war sie noch in einem Supermarkt einkaufen, dann stellte sie ihr Auto in Stühlingen ab. Gegen 12 Uhr wanderte sie den ersten Abschnitt Richtung Blumberg-Achdorf. Gegen 19 Uhr erreichte sie ihr Ziel und verbrachte die Nacht in der Unterkunft „Schlafen im Stroh“ in Blumberg.
Tag zwei in der Wutachschlucht
Gegen 10 Uhr brach Scarlett am 6. September 2020 zur zweiten Etappe des Fernwanderwegs auf. Von Blumberg aus führt die Strecke durch die Wutachschlucht. Etwa um 15 Uhr erreichte sie die Schattenmühle in Löffingen. Anschließend ging es weiter zum alten Göllschweiler Freibad. Dort zeltete Scarlett gemeinsam mit einer Gruppe Wanderer, die sie unterwegs kennengelernt hatte.

Scarlett Salice war mit einem auffälligen roten Wanderrucksack unterwegs.
Ralf SaliceTag drei führt an den Schluchsee
7. September 2020: Nach einer kalten Nacht im Freien ließ Scarlett ihre Bekanntschaften vom Vortag zurück und startete gegen 8 Uhr alleine in die dritte Etappe. Nach einem kleinen Umweg erreichte sie nach etwa zwölf Stunden den Schluchsee.
Dort verweilte sie einige Zeit im Kurort, bevor sie den Abend mit anderen Wanderern im Naturcamp am Schluchsee ausklingen ließ. Gegen 1 Uhr zog sie sich in ihr Zelt zurück.

An Tag drei des Schluchtensteigs erreichte Scarlett den Schluchsee.
Philipp von Ditfurth/dpaTag vier führt zum ersten Mal nach Todtmoos
Am Morgen des 8. Septembers 2020 verabschiedet sich Scarlett von den Menschen, die sie am Abend zuvor im Naturcamp am Schluchsee kennengelernt hatte, und bricht zur vierten Etappe des Fernwanderwegs auf. Gegen 10 Uhr verweilt sie noch eine Weile am See und beobachtet die Segelboote. Anschließend geht es für sie weiter nach St. Blasien.
Nach etwa 20 Kilometern ist sie in dem Kurort angekommen – entscheidet sich aufgrund der hohen Preise aber gegen eine Übernachtung. Stattdessen steigt sie um etwa 18 Uhr in einen Bus nach Todtmoos und verbringt die Nacht in der Kirchberghütte in Todtmoos-Strick. Am nächsten Morgen will sie mit dem Bus zurück nach St. Blasien fahren.
Tag fünf mit alten Bekannten
Gegen 9.38 Uhr fährt Scarlett am 9. September 2020 mit dem Bus zurück nach St. Blasien, um von dort in die fünfte Streckenetappe zu starten. Ihr Gepäck lässt sie in der Kirchberghütte in Todtmoos, in der sie übernachtet und bereits eine weitere Nacht gebucht hatte.
Von St. Blasien aus beginnt Scarlett ihre Wanderung über den Dachsberg. Am späten Nachmittag erreicht sie wie geplant Todtmoos. Dort kommt die junge Frau um etwa 18.25 Uhr wohl zufällig an einem asiatischen Restaurant vorbei und trifft dort ihre Wanderbekanntschaften wieder, die sie an Tag zwei in der Wutachschlucht kennengelernt hatte.
Gemeinsam verbringt die Gruppe den Abend beim Essen. Scarlett nimmt noch ein gemeinsames Gruppenfoto mit den drei Männern auf – das letzte bekannte Bild, das sie von ihrer Wanderung gemacht hat. Um 19.27 Uhr macht sie sich wieder zurück zur Unterkunft. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dies ihr letzter Abend vor ihrem Verschwinden sein wird.
Der Tag des Verschwindens
Scarletts letzter bekannter Aufenthaltsort ist der Edeka-Supermarkt Todtmoos, wo sie um 10.14 Uhr am 10. September 2020 das letzte Mal gesehen wurde. Sie plante die letzte, etwa 23 Kilometer lange Etappe der Wanderroute von Todtmoos nach Wehr.
Um 10.57 Uhr schrieb sie eine letzte WhatsApp-Nachricht. Die letzte Spur haben Spürhunde auf einem Wanderparkplatz wahrgenommen – danach verliert sich die Spur. Für Scarletts Vater sei dieser Parkplatz der entscheidende Punkt, sagt er in einem Interview: „Was ist an diesem Parkplatz passiert?“
Laut Vermisstenfahndung der Polizei trug Scarlett einen auffälligen roten Wanderrucksack der Marke Osprey, ein schwarzes Laufshirt der Marke Kalenji und eine Sonnenbrille mit orangen Gläsern. Ihre Haare waren zu dem Zeitpunkt lang und dunkelblond mit hellblonden Spitzen.
Trotz intensiver Suche mit Hubschraubern, Hunden und Drohnen konnte Scarlett bisher nicht gefunden werden. Ihr Fall gilt inzwischen als „Cold Case“, als ungelöster Vermisstenfall, in dem alle Spuren und Hinweise abgearbeitet wurden und keine stichhaltigen neuen Erkenntnisse erlangt worden sind. Scarletts Familie, Freunde und ehrenamtliche Helfer sind auch weiterhin auf der Suche nach der vermissten jungen Frau.


