Vermisst im Schwarzwald: Was fünf Jahre nach Scarletts Verschwinden bekannt ist

Die vermisste Scarlett (Archivbild)
PolizeiTrotz großangelegter Suchaktionen, zahlreichen Hinweisen und Zeugenbefragungen fehlt nach wie vor jede Spur der Vermissten aus Nordrhein-Westfalen. Vor fünf Jahren erhielt die Familie das letzte Lebenszeichen von Scarlett.
Aktuell gibt es keine neuen handfesten Hinweise, was Scarlett S. im Schwarzwald passiert ist. In einem Video auf Youtube spricht Scarletts Vater darüber, wie die Familie die vergangenen Jahre erlebt hat. Und darüber, dass sie noch immer hoffen.
Mit einem selbst erstellten Flyer bittet das Team von „Bitte findet Scarlett“ um sachdienliche Hinweise, die zum Auffinden von Scarlett führen sollen. 12.000 Euro Belohnung soll es von der Familie dafür geben. "Wenn irgendjemand etwas weiß, bitte melden Sie sich bei uns oder der Polizei", heißt es in einem Post auf der offiziellen Facebook-Seite der Familie. Zusätzlich zu dem Flyer haben die Angehörigen Visitenkarten erstellt, die an Wanderer verteilt wurden.
Was seit September 2020 passiert ist.
Das letzte Lebenszeichen an die Familie
Vor vier Jahren, am 9. September 2020, schickt Scarlett die letzten Fotos aus St. Blasien an ihre Familie.
Der Tag des Verschwindens
Die damals 26-Jährige gilt seit dem 10. September 2020 als vermisst. An diesem Tag will sie von Todtmoos zur letzten Etappe ihrer Wanderung auf dem Schluchtensteig aufbrechen. Aufnahmen einer Supermarkt-Überwachungskamera zeigen sie an dem Morgen noch beim Einkaufen. Ihr Handy wird letztmalig an diesem Tag beim Kurpark in Todtmoos geortet.
Die Suche beginnt
Am 13. September leitet die Polizei die Fahndung nach der Vermissten ein. Beamte durchkämmen das abfallende, teils schwer zugängliche Gelände. Mantrailer-Hunde, Hubschrauber und Drohnen sind im Einsatz.
Wie in solchen Fällen üblich, gehen die Ermittlungen kurz nach dem Verschwinden von Scarlett an die Polizei in Bad Lippspringe im Kreis Paderborn, dem Heimatort der Verschwundenen, über.
Die Ermittlungen werden ohne Ergebnis eingestellt
Eine Woche nach dem Verschwinden der 26-Jährigen stellt die Polizei die Ermittlungen ein. Die Beamten gehen von einem Unglück aus. Die großangelegte Suche in dem teils unwegsamen Gelände nahe der Schweizer Grenze endet ohne greifbares Ergebnis.
Die Familie will Gewissheit
Familie und Freunde der Vermissten gründen im November 2020 die Facebook-Seite "Bitte findet Scarlett". Dort werden regelmäßige Updates zum Vermissenstatus, zu polizeilichen Ermittlungen und diverse Suchaufrufe geteilt.
Freiwillige setzen die Suche fort
Auf ihrer Facebook-Seite berichtet die Familie der jungen Frau über die Suche aus der Luft. Ein Pilot bietet seine Hilfe an, überfliegt das Wehratal mit einem Flugzeug. Parallel durchkämmen immer wieder ganze Gruppen von Freiwilligen zu Fuß das Gelände. Ohne Ergebnis.
Liegt doch ein Verbrechen vor?
Anfang September 2021 wird Strafanzeige erstattet. Darin heißt es, Scarlett S. sei Opfer einer Straftat geworden. Aufgrund dessen fällt die Zuständigkeit zurück an die Staatsanwaltschaft Waldshut. Ein Todesermittlungsverfahren wird eingeleitet. Konkrete Hinweise auf ein Verbrechen finden die Ermittler nicht.
Suchhunde spüren Fährte auf
Über Wochen unterstützen Suchhunde-Teams die Familie. Sie finden eine Spur. Das Ergebnis teilt Scarletts Familie auf Facebook: Scarlett hat die Wanderung wie geplant angetreten. "Ihre Spur geht eindeutig Richtung Park/Reha Klinik/Einstieg Schluchtensteig", heißt es in einem Beitrag vom 21. September 2021. Am Parkplatz Wehratalbrücke verliert sich ihre Spur. Im selben Post räumt die Familie mit einem beunruhigenden Gerücht auf: Könnte es sich bei einer im Wald nahe Freudenstadt gefundenen Frauenleiche um die vermisste Scarlett handeln? Immer wieder war diese Möglichkeit in den Sozialen Medien aufgegriffen worden. Doch es ist genau das: ein Gerücht. Die Leiche wird später als die einer 36-Jährigen identifiziert. Die Frau stammte aus Polen, als tatverdächtig gilt ihr Partner.
Der Fall kommt ins Fernsehen
Die Moderatorin und ehemalige Oberkommissarin Alexandra Rietz hat mit ihrem Team über den Sommer einen Teil der Freiwilligen bei der Suche begleitet. Die Sendung “Wenn Menschen verschwinden” wurde am 22. November 2021 auf "Sat1 Gold" ausgestrahlt.
Aktenzeichen XY rückt Scarlett erneut in den Fokus der Öffentlichkeit
Die Vermisstensuche wird in einer Spezialausgabe der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY …vermisst" behandelt. Seit Ausstrahlung der ZDF-Fernsehsendung am 29. Juni 2022 verzeichnet die Behörde dadurch über 140 Hinweise.
Der zweite Jahrestag
Der Tag des Verschwindens von Scarlett jährt sich am 10. September 2022 zum zweiten Mal. Scarletts Familie sucht verzweifelt weiter. Die meisten Hinweise hat die Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen inzwischen abgeklärt. Eine heiße Spur gebe es derzeit nicht, sagt die zuständige Staatsanwältin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Bringt eine Sonnenbrille Licht ins Dunkel?
Die Hoffnung platzt
An der im Sommer gefundenen Brille gebe es keine ausreichenden DNA-Spuren, teilt die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen am 19. Dezember 2022 nach einer kriminaltechnischen Untersuchung mit. "Möglicherweise wurde ehemals vorhandenes menschliches DNA-Material durch mikrobielle oder Witterungseinflüsse beseitigt".
Ermittlungen werden eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Waldshut stellt Ende Februar 2023 das Todesermittlungsverfahren ohne Ergebnis ein. Staatsanwältin Rahel Diers betont jedoch, dass damit der Fall Scarlett keinesfalls abgeschlossen sei. Die Zuständigkeit für das Verfahren ginge aber nun wieder zurück an die Polizei. Scarlett werde auch nicht für tot erklärt, das könne frühestens zehn Jahre nach ihrem Verschwinden und auch nur auf Antrag, beispielsweise der Familie, geschehen. Seitdem gilt der Fall als „Cold Case“, als ungelöster Vermisstenfall, in dem alle Spuren und Hinweise abgearbeitet wurden und keine stichhaltigen neuen Erkenntnisse erlangt worden sind.
Die Familie hofft weiter
Am 6. Juni 2023, genau 1000 Tage nach dem Verschwinden der damals 26-Jährigen, teilt die Familie von Scarlett in einem Facebook-Post ein Bild der Vermissten und drückt damit ihr Leid aus. Nach wie vor hoffen die Angehörigen auf weitere Hinweise. Unter dem Post heißt es: „....und es gibt die Gewissheit, dass wir nicht aufgeben werden nach dir zu suchen!“
Ein paar Schuhe als neuer Hinweis
Im vorletzten Jahr gab es immer mal wieder einen Hinweis: Im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt im Juni in Jestetten im Kreis Waldshut meinte eine Zeugin, sie habe ein Paar Schuhe bei einem Erdhaufen nahe der Grenze zur Schweiz am Hochrhein gesehen. Vielleicht, so die These der Polizei, finde man dort die sterblichen Überreste von Scarlett, doch am Ende stellte sich der Erdhaufen nur als eine illegale Entsorgungsstelle von Erdaushub aus einem Garten oder von einer Baustelle heraus. Die Schuhe, so Polizeisprecher Thomas Spisla in Freiburg, hätten auch nicht zum Fall Scarlett gepasst.
Die Sache mit dem Erdhaufen sei der einzige brauchbar erscheinende Hinweis seit Langem im Fall der vermissten jungen Frau aus Bad Lippspringe in Nordrhein Westfalen gewesen, so Spisla. Ansonsten habe man zuletzt immer wieder „Tipps“ von selbst ernannten Sehern bekommen. Nichts, was ernst zu nehmen gewesen wäre.
Gibt es neue Hinweise?
Vier Jahre nach Scarletts Verschwinden finden nach wie vor Suchaktionen statt. Immer wieder bekommt das Team der privaten Gruppe "Bitte findet Scarlett" Hinweise und Tipps, denen nachgegangen wird. "Aber leider war bisher nichts Handfestes dabei."
Zudem fanden zuletzt Dreharbeiten für das ZDF-Format "hallo Deutschland" und für Kabel Eins "Das letzte Lebenszeichen" statt, um dem Fall weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken.
Vater spricht auf Youtube über den Vermisstenfall
Am 12. März diesen Jahres veröffentlicht der Youtuber "Davinci" ein Videointerview mit Scarletts Vater. Dort erzählt er unter anderem, wie die Familie die ersten Tage nach Scarletts Verschwinden erlebt haben und wie die Suche nach ihr abgelaufen ist. Anfangs sei immer der Verdacht im Raum gestanden, Scarlett könnte einen Wanderunfall gehabt haben. "Und da zählt jede Stunde." Im Grunde sei von seiten der Einsatzkräfte alles getan worden, "was möglich war."
Trotzdem blieb die polizeiliche Suche nach Scarlett erfolgslos, bis sie rund zwei Jahre nach Verschwinden offiziell eingestellt wurden. Die letzte Spur haben Hunde laut dem Vater auf einem Parkplatz wahrgenommen. Für ihn sei dieser Parkplatz der entscheidene Punkt. "Was ist an diesem Parkplatz passiert?" frage er sich bis heute.
Doch die Familie hofft weiter: Vor zwei Jahren sei er die gesamte Wanderstrecke, die Scarlett laufen wollte, selbst abgelaufen. Mit private Suchtrupps seien sie auch weiterhin auf der Suche nach der vermissten Tochter.
Scarletts Verschwinden jährt sich zum fünften Mal
Am 10. September 2025 jährt sich das Verschwinden von Scarlett zum fünften Mal. Mittlerweile wäre Scarlett 31 Jahre alt. Zu diesem Anlass veröffentlichen die Angehörigen einen Facebook-Post. Er beginnt mit den Worten: "Fünf Jahre ohne Scarlett,1826 Tage ohne Antworten."
Der Beitrag macht deutlich, dass die Familie und Freunde der Vermissten die Hoffnung bis heute nicht aufgeben. Sie teilen regelmäßig Updates der Suche im Netz.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 10. September 2022 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert und nochmal veröffentlicht.