Das Güterverkehrsterminal Anfang Januar 2023 in Horb. Weil es nicht richtig läuft, will Betreiber Gfrörer hier eine Betonteil-Fabrik bauen. Foto: Jürgen Lück

Das Schotterwerk Gfrörer plant eine Fabrik für Betonteile in Horb. Damit soll der Pfaffensteigtunnel gebaut werden. Warum das auch auf Kritik trifft.

Das Güterverkehrsterminal leidet unter der Wirtschaftsflaute und dem perfekten Anschluss. Betreiber Gfrörer will deshalb jetzt hier eine Tunnelteil-Fabrik bauen. Produziert werden sollen sogenannte „Tübbinge“ für den Tunnelbau.Schadet das Projekt indirekt den Bahnpendlern?

 

Darum geht es in der Debatte im Gemeinderat über die Änderung des Bebauungsplans für das „Intermodales Servicezentrum Horb“ (ISH). Dieter Rominger-Seyrich (SPD): „Es ist schön, wenn ein großer Auftrag an Betriebe in der Raumschaft geht. Dann sollte die Produktion auch sinnvoll sein. Aus meiner Sicht ist sie es nicht. Der Pfaffensteigtunnel ist absolut unsinnig. Dadurch versucht man, die Fehlentwicklung von Stuttgart 21 hinzubiegen.“

Rominger-Seyrich kämpft als Mitglied des Landesbündnis Pro Gäubahn gegen den Tunnel und den Erhalt des oberirdischen Kopfbahnhofs in Stuttgart. Um die Kappung und den Umstieg auf der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen auf Dauer zu verhindern.

Kritik am Sinn des Güterverkehrsterminal

Horbs OB Michael Keßler: „Ob man durch die Ablehnung des Horber Projekts in Stuttgart 21 eingreifen kann, wage ich zu bezweifeln.“ Gerhard Fassnacht kritisiert (CDU): „Erst hat man uns das Terminal schmackhaft gemacht. Jetzt soll was anderes kommen.“

CDU-Fraktionschef Götz Peter: „Die Fraktion kann mehrheitlich zustimmen. Es werden bis zu 60 Arbeitsplätze geschaffen. Uns ist wichtig, dass schriftlich fixiert wird, dass die Gewerbesteuer nach Horb geht.“ Gfrörers Hauptsitz ist Empfingen.

Weckerle: Sehe keinen Nachteil für Horb

Fridolin Weckerle (CDU): „Landauf, landab gibt es Sorgen um Arbeitsplätze und die Wirtschaft. Jetzt gibt es die Möglichkeit, zumindest temporär etwas zu machen. Arbeitsplätze und Gewerbesteuer kommen nach Horb. Momentan ist es nicht ersichtlich, welchen Nachteil es für uns haben sollte. Die Lärm- und Zunahme des Verkehrs ist im Vergleich zum Güterverkehrsterminal immer noch im Bereich, wo es tolerabel ist.“

Skeptisch ist Gemeinderat Thomas Bauer (BiM): „Das Güterverkehrsterminal Horb wurde mit viel Subventionen finanziert. Dabei war klar, dass die eingleisige Schienenzufahrt das Nadelöhr sein wird. Wenn Gfrörer ordentlich investiert ins Betonteil-Werk, wird es wenig Gewerbesteuer geben. Für die Umwidmung der Fläche kann die Stadt von Gfrörer Geld verlangen, dass direkt in die Stadtkasse fließt.“

OB Keßler sagt, was Gfrörer bringen muss

Horbs OB Michael Keßler (CDU) hält dagegen: „Das Güterverkehrsterminal hat nur bedingt etwas mit der neuen Nutzung zu tun. Die Bebauungsplanänderung wurde vom Eigentümer beantragt. 60 Arbeitsplätze sind wichtig – das führt zur Standortsicherung. Und das bringt Einnahmesteigerungen bei den Schlüsselzuweisungen für die Stadt.“

Winfried Asprion (OGL): „Wer trägt die Kosten, wenn es nicht klappt? Im Genehmigungsverfahren sollten wir nur diese Nutzung festlegen und kein Betonwerk.“

OB Keßler: „Wir werden Folgendes mit der Firma Gfrörer fixieren: Die Gewerbesteuer geht an Horb. Dazu eine Befristung mit Datum für die Errichtung des Betonteil-Werkes. Die Kosten trägt er.“ Mit großer Mehrheit wird zugestimmt.