Eine Podiumsdiskussion mit den Landtagswahlkandidaten für den Wahlkreis Balingen veranstaltete das Gymnasium. Am Mikrofon spricht Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Foto: Sesulka-Pfeffer

Auch junge Stimmen zählen: Das Gymnasium Haigerloch veranstaltete eine Diskussion mit Kandidaten für die baden-württembergische Landtagswahl. Die ist nicht mehr fern.

Für viele junge Menschen ist die Landtagswahl in diesem Jahr etwas Besonderes: Durch die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre dürfen viele von ihnen erstmals ihre Stimme abgeben. Zudem gibt es eine weitere Neuerung: Wie bei der Bundestagswahl auch, treten die Kandidatinnen und Kandidaten nun direkt in den Wahlkreisen an.​

 

Organisiert von der Schülervertretung (SMV) des Gymnasiums Haigerloch übernahmen die Schülersprecherinnen und -sprecher Gregor Schäfer, Patricia Kraft und Erik Jenter souverän die Moderation des Abends und stellten den Politikerinnen und Politikern in der voll besetzten Aula Fragen zu Themen, die junge Menschen besonders bewegen.​

Auf dem Podium saßen Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), der Landtagsabgeordnete Hans-Peter Hörner (AfD), die 18-jährige Schülerin Loo Krein (Die Linke), Maurice Rössler (Bündnis 90/Die Grünen), Albrecht Raible (FDP) sowie Manuel Schmoll (SPD), der kurzfristig für die erkrankte Direktkandidatin Katja Weiger-Schick einsprang.​

Wie viel Klimaschutz ist nötig?

Deutliche politische Unterschiede wurden insbesondere bei den Themen Wirtschaft und Klimaschutz sichtbar. Hoffmeister-Kraut betonte die Bedeutung von Freihandelsabkommen und plädierte für Technologieoffenheit bei Fahrzeugantrieben. Hörner von der AfD stellte den Klimaschutz grundsätzlich infrage und verteidigte den Verbrennungsmotor.

Rössler von den Grünen und Schmoll von der SPD verwiesen auf den internationalen Trend zur Elektromobilität und forderten Investitionen in erneuerbare Energien. Die FDP setzte vor allem auf technologische Vielfalt, während die Linke soziale Verantwortung und Klimaschutz stärker in den Mittelpunkt stellte.

Sicherheit ebenfalls ein Thema

Auch beim Thema Sicherheit gingen die Meinungen auseinander. Hoffmeister-Kraut verwies auf sinkende Kriminalitätsraten und sprach sich zugleich für mehr Maßnahmen im Bereich Cybersicherheit aus. Hörner warnte hingegen vor steigender Gewalt. Grüne und SPD merkten an, dass soziale Medien die Wahrnehmung von Gefahren verzerren könnten, unterstrichen aber auch die Bedeutung von Prävention und Zivilcourage. Loo Krein lenkte den Blick auf soziale Ungleichheit und Armut als Ursachen von Kriminalität.

Bildungspolitik und Mobilität

Unterschiedliche Positionen zeigten sich zudem bei der Bildungspolitik in Zeiten von Digitalisierung und KI: Hier verteidigten die anwesenden Vertreter von CDU und AfD das mehrgliedrige Schulsystem und verpflichtende Grundschulempfehlungen, während Grüne und SPD mehr Chancengleichheit, bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte sowie individuelle Förderung einforderten.

Die Linke kritisierte die starke Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Herkunft. Die FDP sah hingegen Bedarf bei der Einführung neuer Fächer wie IT und Lebenskunde sowie beim Abbau von Bürokratie.

Jugendliche wollen den Dialog

Beim Thema Mobilität im ländlichen Raum herrschte Einigkeit über die bestehenden Probleme, die Lösungsansätze unterschieden sich jedoch auch hier: CDU, SPD und Grüne setzten auf Investitionen in Bahn und Bus, FDP und CDU sahen Potenzial in autonomen Fahrzeugen. Dabei plädierten Grüne und Linke für kostenfreien Nahverkehr, während die AfD vor allem die Finanzierung neuer Konzepte infrage stellte.​

Das von der Schülerschaft des Gymnasiums initiierte Wahlpodium zeigte das große Interesse der Jugendlichen am direkten Dialog mit der Politik, machte die Unterschiede zwischen den Parteien sichtbar – und war damit selbst ein Stück gelebte, lebendige Demokratie.​