Umfrage BaWü-Check
: Das sind die größten Sorgen der Menschen in Baden-Württemberg

HintergrundIm Südwesten greift der Pessimismus um sich, zeigt der aktuelle BaWü-Check. Manche Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage des Landes offenbaren jedoch erstaunliche Widersprüche.
Von
Alexander Del Regno
Stuttgart
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Mitarbeiter des Stuttgarter Autoherstellers Mercedes-Benz arbeiten in der Factory 56 im Merecdes-Benz Werk in Sindelfingen in der Fertigung am Band von Oberklasse- und Luxusfahrzeugen. US-Präsident Trump will mit seiner Drohung wahr machen und in Kürze Zölle ankündigen, die auf die Autoindustrie abzielen. +++ dpa-Bildfunk +++

Merecdes-Benz-Werk in Sindelfingen:  Die deutliche Mehrheit der Baden-Württemberger gehen davon aus, dass die Autoindustrie ihre Bedeutung verlieren wird.

dpa
  • BaWü-Check: Im Südwesten überwiegen Pessimismus und Sorgen um die Wirtschaft.
  • 56 Prozent sehen die nächsten 12 Monate skeptisch, 30 Prozent blicken optimistisch.
  • 28 Prozent der Beschäftigten fürchten Jobverlust – Sorgen um Autoindustrie nehmen zu.
  • 69 Prozent verlangen mehr Hilfe für Firmen, Bürokratieabbau trauen 17 Prozent zu.
  • KI und Rüstungsumstellungen spalten, Sparmaßnahmen in Kommunen finden wenig Zustimmung.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die Stimmung der Bevölkerung im Land ist getrübt. Über wirtschaftliche Entwicklungen herrscht Besorgnis, das Vertrauen in die Politik schrumpft. Das zeigt der „BaWü-Check“ des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage. Die Ergebnisse im Überblick:

Die Sorge über die zukünftige Entwicklung wächst angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, der hohen Inflation und der vielen Krisenherde auf der Welt: Aktuell sehen 56 Prozent der gut 1000 vom 5. bis 12. Oktober befragten Baden-Württemberger den kommenden 12 Monaten mit Skepsis oder sogar großen Befürchtungen entgegen. Nur noch 30 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.

Angst vor Jobverlust

Die Wirtschaftskrise ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen – 28 Prozent der Arbeitnehmer im Land fürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Noch vor einem Jahr sorgten sich nur 19 Prozent um die Sicherheit ihres Jobs. Die Sorge vor dem Jobverlust wächst auch deshalb, weil die Krise die Automobilindustrie und den Maschinenbau erreicht hat. Insgesamt gehen 71 Prozent davon aus, dass die Autoindustrie gegenüber anderen Branchen an Bedeutung verliert. Damit bestätigt der BaWü-Check die Ergebnisse des kürzlich erschienenen BW-Trends von Südwest Presse, Stuttgarter Zeitung und SWR – der ebenfalls zunehmende Sorgen um den Job und vor dem Bedeutungsverlust der Autoindustrie zutage förderte.

Im Widerspruch dazu steht eine aktuelle Erhebung des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, wonach die Wirtschaft des Landes wieder etwas optimistischer in die Zukunft blickt. Vor allem die exportstarke Industrie sorge für Auftrieb, auch wenn die Erholung fragil bleibe, teilte der Verband dieser Tage mit. Besonders im Maschinenbau und in der Elektrotechnik wachse die Zuversicht.

Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten führen die schwierige Situation der heimischen Industrie auf hohe Energiepreise zurück, 61 Prozent auf die Bürokratie und 57 Prozent auf falsche politische Entscheidungen. Weitere 42 Prozent sehen in wachsender internationaler Konkurrenz den Grund für die Lage, gut jeder Vierte im Fachkräftemangel, in sanierungsbedürftiger Infrastruktur, Managementfehlern sowie hohen Lohnkosten.

Forderungen an die Landespolitik

Eine deutliche Mehrheit fordert ein stärkeres Engagement der Politik gegen die Krise: 69 Prozent verlangen von der Landesregierung mehr Unterstützung für Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen. Nur elf Prozent halten die Schritte der grün-schwarzen Koalition für ausreichend. Auch die Anhänger der Regierungsparteien sind kritisch: 55 Prozent der Anhänger der Grünen und 75 Prozent der CDU-Anhänger meinen, die Landesregierung müsste mehr für angeschlagene Firmen tun. Von den AfD-Anhängern sind 85 Prozent dieser Ansicht.

Die Landesregierung will Baden-Württemberg von zu viel Bürokratie befreien. Aber lediglich 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass es unter Grün-Schwarz zu merklichen Erfolgen beim Bürokratieabbau kommen wird; 64 Prozent bezweifeln dies. Die Skepsis zieht sich dabei quer durch alle politischen Lager. Am ehesten rechnen die Grünen-Anhänger mit Fortschritten (29 Prozent).

Während das Allensbach-Institut also eine insgesamt negative Beurteilung der Wirtschaftspolitik im Land ausmacht, attestierte der BW-Trend noch eine Zustimmungsrate von 51 Prozent für die Arbeit von Grün-Schwarz insgesamt.

Rüstung und KI spalten

Dass viele Automotiv-Firmen ihre Produktion auf Rüstungsgüter umstellen wollen, löst ein geteiltes Echo aus: 42 Prozent halten diese Strategie für moralisch absolut vertretbar, knapp jeder Dritte äußert derweil Bedenken und hält sie aus moralischen Gründen für unvertretbar. Gespalten ist die Bevölkerung auch in der Frage nach Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI). 35 Prozent meinen, dass die Chancen für die Südwest-Betriebe mit KI überwiegen, 41 Prozent befürchten mehr Risiken.

Die jüngsten Erfolge der AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben die Frage aufgeworfen, welche Folgen für den Wirtschaftsstandort drohen könnten. Die Bevölkerung im Südwesten ist in dieser Frage gespalten: 45 Prozent sehen negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft und befürchten, dass ausländische Investoren abgeschreckt werden. 37 Prozent glauben das nicht. Dabei trennt diese Frage die politischen Lager erwartungsgemäß deutlich: Während von den Anhängern von Grünen, SPD, CDU und Linke jeweils rund zwei Drittel von negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort ausgehen, sind es bei den Anhängern der FDP 40 Prozent und von den AfD-Anhängern weniger als jeder Zehnte.

Dass die AfD in Magdeburg künftig den Ministerpräsidenten stellen könnte, findet jeder Zweite in Baden-Württemberg beunruhigend. 22 Prozent fänden es hingegen gut, 15 Prozent ist es egal.

Wenig Opferbereitschaft

Eine deutliche Mehrheit der Befragten hält große Reformen, vor allem im Bereich Rente und Gesundheit, für notwendig – ohne persönlich davon betroffen sein zu wollen. Nur 23 Prozent zeigen sich bereit, Einschränkungen durch Reformen in Kauf zu nehmen, auch wenn dies Deutschland insgesamt zugutekäme. Die klare Mehrheit von 56 Prozent ist indes ausdrücklich nicht bereit, etwa höhere Steuern zu zahlen oder mehr zu arbeiten.

Immer mehr Menschen spüren, dass den Kommunen im Land das Geld ausgeht. Nur noch 35 Prozent der Baden-Württemberger nennen die finanzielle Lage der Stadt oder Gemeinde, in der sie wohnen, (sehr) gut, 2022 waren es noch 50 Prozent. Fast jeder Zweite zieht eine negative Bilanz; vor vier Jahren waren es nur 28 Prozent.

Zudem halten nur 21 Prozent der Bevölkerung von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern die finanzielle Lage ihrer Stadt für (sehr) gut, 64 Prozent für nicht so gut oder gar nicht gut. Von den Einwohnern kleinerer Gemeinden zieht immerhin knapp jeder Zweite eine positive Bilanz der finanziellen Lage seiner Kommune.

Sparen wenig akzeptiert

Trotz der angespannten Haushaltslage in ihrer Stadt oder Gemeinde gibt es in der Bevölkerung kaum Unterstützung für Sparmaßnahmen. Ausgabenkürzungen für die Integration von Zuwanderern werden am meisten akzeptiert: 42 Prozent wären damit in ihrem Ort einverstanden. Nur 29 Prozent würden es unterstützen, wenn ihre Stadt oder Gemeinde die Ausgaben für städtische Veranstaltungen wie Stadtfeste kürzt; 25 Prozent hielten Kürzungen bei Kulturangeboten für akzeptabel, 21 Prozent kürzere Öffnungszeiten von Büchereien.

Am wenigsten akzeptieren würden die Bürger die Kürzung von Zuschüssen für Vereine und Initiativen, kürzere Öffnungszeiten von Schwimmbädern und anderen Freizeiteinrichtungen sowie Stellenstreichungen bei Gleichstellungs- oder Behindertenbeauftragten. Bemerkenswert ist: Befragte, die die finanzielle Lage der eigenen Kommune kritisch bewerten, sind insgesamt trotzdem nicht bereit, Sparmaßnahmen in ihrer eigenen Stadt oder Gemeinde zu akzeptieren.

Die Umfrage der Tageszeitungen

Der aktuelle „BaWü-Check“ im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage wurde vom 5. bis 12. Oktober 2026 vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt. Die Erhebung stützt sich auf 1003 Online-Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der baden-württembergischen Bevölkerung ab 16 Jahre. Die gedruckten Tageszeitungen im Südwesten erreichen jeden Tag mehr als fünf Millionen Menschen, hinzu kommen Leserinnen und Leser auf ihren reichweitenstarken Online-Portalen.