Skispringen im Sommer: Chaos in Frankreich: Luca Roth ein Anzug-Opfer

Luca Roth glänzte beim Sommer-Grand-Prix-Auftakt im französischen Courchevel – bis er von den Regelhütern gestoppt wurde.
David Inderlied/dpaKein Start nach Maß für die Skispringerinnen und Skispringer aus dem Schwarzwald und von der Schwäbischen Alb war das erste Springen der Sommer-Grand-Prix-Serie in Courchevel.
Beim Sieg des Norwegers Marius Lindvik vor Philipp Raimund glänzte Luca Roth (Meßstetten) zwar im Training mit den Plätzen 4 und 8, in der Qualifikation mit Platz 6 und im ersten Durchgang mit Platz 8.
Dann aber schlugen die Regelhüter zu und nahmen den ambitionierten Meßstetter bei seinem vierten Sprung (!) im selben Anzug aus dem Rennen: Angeblich war zu viel Spiel im Schrittbereich.
Neun Disqualifikationen!
Insgesamt wurden beim ersten Springen in Frankreich in Quali und Wettkampf sage und schreibe neun Springer wegen des unkorrekten „size of suit“ disqualifiziert – Folge der neuen, schärferen Regeln nach dem Anzugskandal der Norweger.
Dreimal okay – dann nicht mehr?
Es scheint jedoch, dass sich mit den angewendeten Methoden die Sportart eher selbst ins Knie schießt. Da alle Teams die neuen Regeln kennen, ist es unwahrscheinlich, dass auf Teufel komm raus gepokert wird. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass – wie beim ehemaligen Jugend-Vizeweltmeister Luca Roth – dreimal alles in Ordnung ist, dann aber plötzlich nicht mehr.
Bei den Frauen sah die Disqualifikations-Bilanz erfreulicher aus. In Runde 1 war der Ski der Polin Anna Twardosz zwei Zentimeter zu lang, im Finale der der Rumänin Daniela Haralambie. Beim Sieg der Slowenin Nika Prevc vor Selina Freitag kam die Neu-Schwarzwälderin Anna Hollandt (ehemals Rupprecht) gut durch, erreichte mit Platz 15 ein Ergebnis, das den Leistungen in den beiden Trainingsdurchgängen entspricht.
Sieg mit pikanter Note
Eine pikante Note bekam dieser erste Aufschlag der Skisprung-Elite durch den Sieg des Norwegers Marius Lindvik – schließlich wird die vom internationalen Skiverband FIS eingesetzte Ethikkommission am Montag ihr Urteil im norwegischen Manipulationsskandal verkünden.
Urteil folgt am Montag
Gut möglich, dass Sieger Lindvik nicht nur nachträglich gesperrt wird und dadurch diesen Sieg an Philipp Raimund verlieren würde, sondern auch, dass er sein Einzel-Gold der WM in Trondheim abgeben muss – an Andreas Wellinger. „Ich hoffe, dass es nicht weitergeht. Ich finde, wir sind schon genug bestraft worden“, meinte Lindvik im Vorfeld.
Marius Lindvik freut sich diebisch
Umso mehr freute er sich diebisch über seinen Erfolg in Frankreich. „Ich glaube nicht, dass sich alle so riesig über meinen Sieg gefreut haben. Deshalb war es so verdammt großartig“, sagte der Norweger der Zeitung Dagbladet.
Im Anzugskandal förderten heimlich aufgenommene Videos zutage, wie das norwegische Team während der Heim-WM im März ihre Anzüge durch illegal eingenähte Streifen steifer und dadurch flugfähiger gemacht hatte.
Prüfung „bis auf den Millimeter“
Deshalb reagierte die FIS mit den neuen Anzugregeln. „Die Dinge sind jetzt viel strenger. Sie sind wirklich hart, bis auf den Millimeter“, berichtete Lindvik nach dem Wettkampf von den verschärften Kontrollen. Eingenähte Streifen würden so aber wohl auch nicht entdeckt werden.
