Weil Betreuer fehlen: Schwarzwald-Baar muss mit neuem Konzept reagieren

Wer seine Angelegenheiten nicht selbst regeln kann, bekommt einen Betreuer oder eine Betreuerin an die Seite gestellt. Weil es von diesen aber zu wenig gibt, muss die Betreuungsbehörde für den Schwarzwald-Baar-Kreis neue Wege gehen.
Daniela SchneiderDie Betreuung hilfsbedürftiger Erwachsener stellt den Schwarzwald-Baar-Kreis vor Probleme.
Die Betreuungsbehörde, die ihren Sitz in Villingen im Gebäude der Agentur für Arbeit hat und dem Sozialdezernat zugeordnet hat, muss künftig häufiger selbst sogenannte Amtsbetreuungen übernehmen, weil immer weniger Berufsbetreuer zur Verfügung stehen.
Rund 3000 rechtliche Betreuungen gibt es derzeit im Kreis. Betroffen sind vor allem Erwachsene, die wegen psychischer Erkrankungen, Unfällen oder körperlichen oder geistigen Einschränkungen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können – häufig ältere Menschen.
Jan Hauser, Leiter des Amtes für Amt für Soziale Sicherung, Pflege und Teilhabe, berichtete jetzt im Kreistag, dass das Betreuungssystem, wie es bisher bestand, „gehörig ins Wanken“ gerate.
Problem der Überalterung
Es gebe immer weniger Menschen, die als Betreuer tätig seien. „Wir stellen da eine Überalterung fest“, berichtete Hauser. Die Sozialvereine, die einen gewissen Prozentsatz an Betreuungen stemmen, haben faktisch auch keine nennenswerten weiteren Kapazitäten mehr. Man habe aber einen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag und gleichzeitig seien die Fallzahlen deutlich angestiegen.
Um auf die Entwicklung zu reagieren, hat das Landratsamt das Institut für Management (IMAKA) aus Leonberg mit einem Konzept zur zukünftigen Organisation der Betreuungsbehörde beauftragt.
1,3 neue Stellen
Dabei kam als Empfehlung heraus: Es soll organisatorische Veränderungen und Prozessoptimierungen geben, damit die Behörde selbst zusätzliche Amtsbetreuungen übernehmen kann.
Es wird empfohlen, kurzfristig interne Kapazitäten aufzubauen und langfristig eine externe Struktur zu schaffen.
Landrat Sven Hinterseh betonte: „Bürokratievereinfachung ist das alles nicht, das ist klar.” Dennoch müsse man die Situation jetzt annehmen, wie sie sich darstelle.
Zunächst ist laut der Empfehlung nun angedacht, ein neues Amtsbetreuungsteam in der Betreuungsbehörde zu formieren. Dieses soll – vorerst jedenfalls – selbst Betreuungen übernehmen können. Dafür soll es etwa 1,3 neue Vollzeitstellen geben, eine ganze für Betreuung, und einen Stellenanteil von 0,3 für die Verwaltung.
Langfristig eigener Verein?
Langfristig wird auch an einen eigenen Betreuungsverein gedacht. Dieser könnte auf kommunaler Ebene oder auch interkommunal gemeinsam mit Nachbarlandkreisen agieren. Ziel ist es auf längere Sicht, operative Betreuungen künftig dann wieder aus der Kreisverwaltung herauszulösen. Der Landkreis bliebe dann Steuerungs- und Finanzierungsinstanz, übernähme jedoch keine eigenen Betreuungsfälle.
Der Kreistag hat nun einstimmig beschlossen, diese Empfehlungen umzusetzen und die Betreuungsbehörde entsprechend weiterzuentwickeln. Jürgen Roth (CDU) betonte, dass man es hier mal wieder mit einer neuen Aufgabe zu tun habe, „die wir jetzt ganz aktiv übernehmen müssen”. Langfristig nach interkommunalen Lösungen zu suchen, halte seine Fraktion für richtig, hier wolle man die Verwaltung bestärken. Walter Klumpp meinte für die Freien Wähler, dass man den Vorschlag in Ordnung finde. Auch er wünscht sich interkommunale Zusammenarbeit und hofft hier auf gute Synergieeffekte.