Verwaisten-Reha in Nachsorgeklinik Tannheim
: Warum ist Trauer keine Krankheit?

Die Haltung vieler Krankenkassen, dass Trauer keine Krankheit ist, macht es Familien, die ein Kind verloren haben, schwer, eine Zusage für die Kostenübernahme einer „Verwaisten-Reha“ in der Nachsorgeklinik Tannheim zu bekommen.
Von
(red/pm)
Oberndorf
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Jürgen Dusel unterhält sich mit einer Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendabteilung der Nachsorgeklinik Tannheim sowie einigen Kindern.

Nachsorgeklinik Tannheim/Artur Fuss

Nun will sich Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, dafür einsetzen, dass es für die Betroffenen in absehbarer Zukunft einen Rechtsanspruch auf eine Nachsorgebehandlung gibt.

Jürgen Dusel ist für die 19. und die 20. Legislaturperiode als Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen bestellt worden. Seine Amtszeit steht unter dem Motto „Demokratie braucht Inklusion“.

Begleitet wurde er von der Landes-Behindertenbeauftragten von Baden-Württemberg, Simone Fischer. Die Situation von chronisch kranken und schwerbehinderten Kindern ist beiden eine Herzensangelegenheit, heißt es in einer Pressemitteilung der Nachsorgeklinik Tannheim.

„Eine Vorzeigeeinrichtung“

Simone Fischer wörtlich: „Die Nachsorgeklinik Tannheim ist eine Vorzeigeeinrichtung und fängt Familien durch ihr besonderes Konzept in ihren schwersten Stunden auf. Dieses Angebot ist ein Leuchtturm in Baden-Württemberg, aber es darf nicht einzigartig bleiben. Familienorientierte Reha-Angebote stehen nicht nur für akute Erkrankungen zur Verfügung, sondern wirken auch präventiv. Es müssen entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen und Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden, damit solche Angebote ausgebaut werden können und allen betroffenen Familien zur Verfügung stehen.“

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Bei einem ausführlichen Hausrundgang ließen sich die Beauftragten das familienorientierte Behandlungskonzept für schwer chronisch kranke Kinder und das Therapiekonzept für „Verwaiste Familien“ erläutern.

Eine Belastungssituation

Beeindruckt von den Gesprächen mit Ärzten, Psychologen und weiteren Mitarbeitenden der Nachsorgeklinik sagte Jürgen Dusel: „Wenn ein Kind stirbt, nach langer Erkrankung oder auch plötzlich, finden Eltern sich in einer kaum zu ertragenden Trauer- und Belastungssituation wieder, die häufig weder vom nahen Umfeld noch von der Gesellschaft aufgefangen werden kann.“

Und weiter: „In so einer Situation ist es wichtig, dass es Unterstützungsstrukturen gibt. Das außergewöhnliche Angebot der Nachsorgeklinik Tannheim, das Familien mit erkrankten Kindern wie auch verwaisten Familien in Form einer Familienorientierten Rehabilitation Kraft gibt, hat mich sehr beeindruckt. Diese Einrichtung, die im Wesentlichen durch Spenden aufgebaut werden konnte, sollte kein Ausnahmefall bleiben, sondern zur Regel werden – und die Reha zu einem verbrieften Anspruch für verwaiste Eltern. Ich will mich dafür einsetzen, auch im Rahmen des Runden Tisches für Familien mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern, den Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ins Leben gerufen hat, dass auch verwaiste Eltern einen Rechtsanspruch auf die Familienorientierte Rehabilitation erhalten.“

Roland Wehrle, Geschäftsführer der Nachsorgeklinik Tannheim, lobte in diesem Zusammenhang die AOK Baden-Württemberg und die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, die seit einigen Jahren dieses Reha-Konzept anerkennen und finanzieren.