Unternehmen in VS
: Neues von Aumovio - so sieht die Einigung aus

Der Automobilzulieferer hat für den Standort Villingen-Schwenningen eine Vereinbarung mit der IG Metall getroffen. Das Unternehmen und die Gewerkschaftsvertreter äußern sich nun dazu.
Von
Daniela Schneider
Villingen-Schwenningen
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Bei Aumovio in Villingen-Schwenningen zeichnet sich eine Lösung ab. (Archivfoto)

Bei Aumovio in Villingen-Schwenningen - früher Continental - zeichnet sich eine Lösung ab. (Archivfoto)

Marc Eich
  • Aumovio und IG Metall vereinbaren Ergänzungstarifvertrag für Villingen-Schwenningen.
  • Während der Laufzeit vom 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2032 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.
  • Rund 1200 Beschäftigte arbeiten zehn Prozent länger, ohne Lohnausgleich; Urlaubs- und Weihnachtsgeld bleibt.
  • Der Arbeitgeber übernimmt die seit dem 1. April geltende Tariferhöhung und investiert in neue Projekte.
  • Geplant sind ein Expertenteam für Transformation und Innovation sowie weiter 20 Ausbildungsplätze.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine gute Nachricht für die Beschäftigten von Aumovio – früher Continental – am Standort Villingen-Schwenningen gibt es vorneweg: Betriebsbedingte Kündigungen werden während der Laufzeit eines nun verabredeten Ergänzungstarifvertrags ausgeschlossen.

Ein Unternehmenssprecher von Aumovio bestätigt: Während der Laufzeit dieses Vertrags – vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2032 – werde auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet.

Das ist ein Ergebnis mehrwöchiger Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberseite. Im Gegenzug müssen die  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber eine Kröte schlucken: Sie müssen unbezahlte Mehrarbeit leisten.

Auf diesen Kompromiss mit weiteren Faktoren hat man sich geeinigt. Das erklärten sowohl die Pressestelle von Aumovio als auch Thomas Bleile, erster Bevollmächtigter der IG Metall VS. Das Unternehmen hat sich demnach mit den Tarifpartnern am Standort Villingen-Schwenningen auf eine entsprechende gemeinsame Vereinbarung verständigt.

Zehn Prozent mehr Arbeit

Für die rund 1200 Beschäftigten am Standort bedeutet das: Sie werden während der Laufzeit des sogenannten Zukunftstarifvertrags zehn Prozent mehr arbeiten, ohne dafür einen Lohnausgleich zu bekommen. Weiter bezahlt bekommen sie laut Thomas Bleile hingegen Urlaubs- und Weihnachtsgeld, und auch eine Tariferhöhung, die seit dem 1. April gilt, trägt der Arbeitgeber mit.

Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, berichtet von der nun getroffenen Vereinbarung. (Archivfoto)

Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Villingen-Schwenningen, berichtet von der nun getroffenen Vereinbarung. (Archivfoto)

Michael Pohl

Die Vereinbarung sei „das Ergebnis konstruktiver Gespräche mit den Tarifpartnern, die diesem Weg mit großer Mehrheit zugestimmt haben.“ Ziel sei es, „die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit des Standorts Villingen-Schwenningen in einem international herausfordernden Marktumfeld langfristig zu sichern.“

Invest am Standort

Im Gegenzug investiere das Unternehmen weiterhin in den Standort Villingen-Schwenningen und in neue Projekte, um die langfristige Ausrichtung und Auslastung des Standorts zu sichern und Voraussetzungen für eine langfristige Beschäftigungssicherung zu schaffen. Investitionszusagen mit neuen Projekten sollen dazu beitragen, die Auslastung und Beschäftigung am Standort langfristig zu sichern.

Vorgesehen sei, ein sogenanntes Expertenteam für Transformation und Innovation einzurichten, das an Zukunftstechnologien und Konzepten für den Standort arbeiten soll. „In dem Team möchten wir die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern fortführen und dieses mit Vertretern und Vertreterinnen von Unternehmen und Betriebsrat besetzen“, so der Aumovio-Sprecher.

Weiter 20 Azubis

Nach über drei Wochen Verhandlungen ist auch Gewerkschaftsvertreter Thomas Bleile froh, zu einer Übereinkunft gekommen zu sein. Ergänzend sagt er: „Extrem wichtig war uns, dass es weiterhin eine gewisse Anzahl an Ausbildungsplätzen gibt.“ 20 Azubis hat das Unternehmen bislang und das soll auch so bleiben. „Wir halten die Ausbildung am Standort weiterhin aufrecht und sehen sie als einen wichtigen Bestandteil der langfristigen Standortsicherung“, versichert auch der Aumovio-Sprecher.

Villingen-Schwenningen bleibe „ein wichtiger Standort“ für Aumovio. In Villingen-Schwenningen sei die weltweite Leitung des Geschäfts für Nutz- und Spezialfahrzeuge angesiedelt. Am Standort würden Innovationen für Nutzfahrzeuge entwickelt und produziert, die weltweit zur Anwendung kämen: hochmoderne digitale Tachographen, die einen Beitrag für die optimale Auslastung von Lkw-Flotten leisteten, komplett instrumentierte Cockpits für Busse, Busfahrerarbeitsplätze, effizienzsteigernde webbasierte Lösungen für das Management von Fahrzeugflotten und Geräte für die Erhebung von Maut-Gebühren.

Das Marktumfeld

Der Nutzfahrzeugsektor, für den der Standort Villingen-Schwenningen produziert, befindet sich laut eines Unternehmenssprechers in einer „herausfordernden wirtschaftlichen Situation.“ Dabei spielten viele Faktoren eine Rolle. Zum einen nennt er hier eine anhaltende weltweite Marktunsicherheit in der Automobilindustrie, getrieben durch Handelskonflikte, Zölle und geopolitische Spannungen. Dies sei mit schwachem Marktwachstum, einer verzögerten Erholung im Frachtverkehr in Europa und Nordamerika und weiter steigendem Kostendruck in Deutschland verbunden. Zudem steige die Konkurrenzsituation durch asiatische Unternehmen, die im Nutzfahrzeugbereich eine immer wichtigere Rolle einnähmen. „Diese Gesamtlage macht es erforderlich, unsere Kostenstruktur zu optimieren, um weiterhin auch als deutscher Standort im globalen Wettbewerb bestehen zu können“, so der Sprecher weiter.

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