Die Krise beim Automobilzulieferer Aumovio trifft nun auch den Standort Villingen. Das Unternehmen und die Gewerkschaft haben Verhandlungen aufgenommen. Was dahinter steckt.
Die erst kürzlich von Continental abgespaltene Automotive-Sparte Aumovio steckt in der Krise. Erst im Januar hatte das börsennotierte Unternehmen angekündigt, wegen des schwierigen Automarktes bis Ende 2026 weltweit bis zu 4000 Stellen in Forschung und Entwicklung zu streichen. Kurz darauf kam die Ankündigung, dass möglicherweise auch Standorte in Gefahr sind.
In Villingen mit seinen nach Konzernangaben etwas mehr als 1300 Mitarbeitern schien man davon zunächst unbeeindruckt. Denn vom Stellenabbau sei man hier nicht betroffen, hieß es vonseiten Aumovio. Auch die zwischenzeitlich eingeführte Kurzarbeit wurde wieder aufgehoben. Vielmehr betont das Unternehmen vielfach die Bedeutung des Standorts.
Doch über dem ehemaligen Conti-Werk braut sich etwas zusammen. Aus Unternehmenskreisen wird unserer Redaktion berichtet, dass in Villingen massive Einsparungen drohen. „Dem Standort geht es nicht gut“, heißt es hierzu. Deshalb solle ein Standortsicherungsvertrag unterzeichnet werden, wie er in Zeiten von Continental bereits umgesetzt wurde.
Eine solche vertragliche Vereinbarung wird genutzt, um Arbeitsplätze und Produktionsstätten für einen festgelegten Zeitraum zu erhalten. Im Gegenzug für Kündigungsschutz verzichten Arbeitnehmer meist auf Lohnbestandteile oder erhöhen ihre Arbeitszeit. „Bei Continental war das damals zunächst auf fünf Jahre ausgelegt, später wurden es zehn – in der Zeit haben die Arbeitnehmer massiv auf Geld verzichtet“, wird aus dem Unternehmen berichtet. Zwischen 2009 und 2019 sicherte dieser Vertrag schließlich die Arbeitsplätze beim größten industriellen Arbeitgeber in VS.
Rekordergebnisse bei den Tachographen
Nun scheint ein ähnliches Szenario zu drohen. Und das, obwohl Informationen unserer Redaktion zufolge sich zumindest die Sparte der Tachographen auf Erfolgskurs befindet. Zwei Jahre hintereinander seien dort – im Gegensatz zu den weiteren Bereichen des Nutzfahrzeugsektors in Villingen – Rekordgewinne erzielt worden. Deshalb soll es hinter den Kulissen auch Überlegungen gegeben haben, die Sparte alle Kosten in Villingen tragen zu lassen und den Standort alleinverantwortlich zu führen.
Davon sei man jedoch abgekommen. Stattdessen werden nun Verhandlungen über Einsparmaßnahmen geführt, wie ein Aumovio-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. Die Geschäftsführung sei auf die Gewerkschaft zugegangen mit der Bitte, „Anpassungen am bestehenden Tarifvertrag vorzunehmen“, heißt es wörtlich. Man sei jedoch noch am Beginn des Prozesses „und eruiere gemeinsam mit unseren Tarifpartnern mögliche Lösungen für die aktuelle Situation“.
Aumovio will „Kostenstruktur optimieren“
Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit „einer herausfordernden wirtschaftlichen Situation“ im Bereich des Nutzfahrzeugsektors. „Wir sehen eine anhaltende weltweite Marktunsicherheit in der Automobilindustrie, getrieben durch Handelskonflikte, Zölle und geopolitische Spannungen. Die Marktunsicherheit ist verbunden mit schwachem Marktwachstum“, betont der Sprecher.
Die Gesamtlage mache es deshalb erforderlich, „unsere Kostenstruktur zu optimieren, um weiterhin auch als Standort mit hohen Kosten im globalen Wettbewerb bestehen zu können“. Klar scheint hinter den Kulissen: Diese „Kostenoptimierung“ wird zu Lasten der Arbeitnehmer erfolgen.
IG Metall liegen noch keine Details vor
Was sagt die Gewerkschaft zu den Vorgängen bei Aumovio? Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, bestätigt, dass es bereits erste Gespräche gegeben hat. „Der Arbeitgeber hat vorgetragen, dass er einsparen muss“, so Bleile im Gespräch mit unserer Redaktion. Aumovio möchte seinen Informationen zufolge nun einen Weg aufzeigen, um diese Einsparungen vorzunehmen. Details hierzu würden allerdings noch nicht vorliegen. Er bestätigt jedoch, dass die Sparte der Tachographen nicht von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten betroffen ist.
Klar ist für ihn aber: Sollte es tatsächlich um eine Abweichung vom Tarifvertrag gehen, sei dies nur über eine Beschäftigungssicherung vorstellbar. Für die Gewerkschaft sei es mit Blick auf die Verhandlungen entscheidend, wirtschaftliche Daten des Unternehmens zu prüfen, um entsprechende Vorschläge des Unternehmens abzuklopfen.
Bleile zeigt sich zurückhaltend
Noch bei der Abspaltung von Continental zeigte sich die Gewerkschaft hinsichtlich des Abschlusses des Tarifvertrags zuversichtlich – auch die Rahmenbedingungen hätten gepasst. Die zwischenzeitlich eingeführte Kurzarbeit hatte man als reine Vorsichtsmaßnahme bewertet. Hat sich am bisherigen positiven Eindruck durch diese Ankündigung etwas geändert? Bleile zeigt sich hinsichtlich der Äußerung eines möglichen Bauchgefühls noch zurückhaltend. „Für eine Einschätzung ist es noch zu früh“, erklärt er.