Aumovio muss am Standort Villingen die Einführung von Kurzarbeit beschlossen. Foto: Leonie Asendorpf/dpa

Bis zuletzt war gehofft worden, dass es nur bei einer Ankündigung bleibt, nun muss Aumovio handeln: Das Unternehmen setzt in Villingen Kurzarbeit um.

Die Chipkrise hat erste Auswirkungen in der Region. Aumovio führt ab Freitag am Standort Villingen Kurzarbeit ein. Das hat die von Continental ausgelagerten Automobil-Sparte am Donnerstag mitgeteilt.

 

Aumovio-Sprecher Sören Pinkow erklärt, dass die vorübergehende Anpassung der Beschäftigung aufgrund eines reduzierten Produktionsvolumens im Bereich Nutzfahrzeuge notwendig wird. „Um die Beschäftigung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig zu sichern, haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat die Einführung von Kurzarbeit beschlossen“, so der Sprecher.

Die Maßnahme ermögliche es dem Unternehmen, flexibel auf die aktuelle Situation zu reagieren „und Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten“. Betroffen ist seinen Angaben zufolge die Produktion von Produkten für den Nutzfahrzeugbereich wie Tachographen und Kombiinstrumente sowie produktionsnahe Bereiche wie die Logistik.

Wie viele Mitarbeiter insgesamt nun in die Kurzarbeit wechseln müssen, hat das Unternehmen nicht mitgeteilt. Unklar ist darüber hinaus, wie lange die Maßnahme anhalten soll. Pinkow betont jedoch: „Unser Ziel ist es, die Dauer der Kurzarbeit so kurz wie möglich zu halten.“

Kurzarbeit vor zwei Wochen angekündigt

Vor rund zwei Wochen hatte Aumovio die Möglichkeit von Kurzarbeit angekündigt, um sich auf mögliche Lieferengpässe vorzubereiten. Hintergrund sind Schwierigkeiten beim Bezug von Halbleitern, insbesondere infolge von Produktionsproblemen beim weltweit größten Hersteller Nexperia. Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen beliefert auch Automobilhersteller in Deutschland und Baden-Württemberg, hat jedoch nach einem Konflikt mit der niederländischen Regierung die Ausfuhr bestimmter Produkte gestoppt.

Trotz des heftigen Streiks hat Aumovio von der chinesischen Regierung kürzlich die Lizenz erhalten, Chips aus China zu beziehen. Die Bauteile würden nach Angaben des Unternehmens in eine Niederlassung nach Budapest gebracht und von dort weiterverteilt. Ob mit der nun getroffenen Vereinbarung auch das Produktionsvolumen zeitnah wieder angepasst werden kann, scheint aber fraglich. Denn unabhängig davon muss das Unternehmen deutliche Rückgänge im Geschäft verkraften, wie Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt kürzlich mitteilte.

IG Metall zeigt Verständnis

Die IG Metall Villingen-Schwenningen zeigte seinerzeit Verständnis für das Vorgehen. Der Erste Bevollmächtigte Thomas Bleile sprach von einer „reinen Vorsichtsmaßnahme“ und hob hervor, dass das Unternehmen vorausschauend gehandelt habe, um schnell reagieren zu können, falls die Versorgung mit Chips erneut stocke. Zudem war der bisherige Eindruck von Aumovio aus Sicht der Gewerkschaft positiv – die erste Betriebsversammlung nach der Umstrukturierung sei offen und konstruktiv verlaufen.