Studie an der FH Furtwangen: Auf der Suche nach dem Stinker-Keim

Wieso müffeln manche Waschmaschinen, andere jedoch nicht? Dieser Frage gingen die Furtwanger Doktorandin Sabasadat Seyednikkhoo und ihr Professor, Markus Eger, nach.
FH Furtwangen- Studie der Hochschule Furtwangen: Warum manche Waschmaschinen müffeln, bleibt unklar.
- Bakterien wachsen durch Feuchtigkeit, Wärme und Nährstoffe – niedrige Waschtemperaturen begünstigen es.
- Vergleich von 8 riechenden und 8 unauffälligen Maschinen mit Abstrichen an drei Stellen.
- Nanopore-Sequenzierung zeigte ähnliche bakterielle Vielfalt, kein einzelner „Stinker-Keim“.
- Riechende Maschinen hatten mehr bakterielle DNA – empfohlene Maßnahmen: 60 Grad, Vollwaschmittel, Trocknen, Reinigen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Hochschule Furtwangen veröffentlicht eine neue Studie über Bakterien in schlecht riechenden Waschmaschinen: Feuchtigkeit, Wärme und ein großes Angebot an Nährstoffen schaffen ideale Lebensbedingungen für das Wachstum von Mikroben wie Bakterien oder Pilzen.
Aktuelle Trends wie das Waschen bei niedrigen Temperaturen, Wassersparprogramme und der Einsatz bleichfreier Flüssigwaschmittel können das Keimwachstum begünstigen. Diese Keime stellen weniger ein unmittelbares Infektionsrisiko dar, können aber zur Bildung schlechter Gerüche beitragen.
„Warum Wäsche und Waschmaschinen manchmal schlecht riechen, ist allerdings immer noch ein Mysterium“, erläutert Studienleiter Markus Egert, der an der Hochschule Furtwangen (HFU) am Campus Schwenningen Mikrobiologie und Hygiene lehrt. „Der typische Stinker-Keim konnte bislang nicht identifiziert werden. Und unsere aktuelle Studie deutet auch darauf hin, dass es den einen Stinker-Keim vermutlich gar nicht gibt“, erklärt Egert.
Mitarbeitende und Studierende beteiligen sich
Für die aktuelle Studie wurden die Mitarbeitenden und Studierenden der Hochschule Furtwangen um Teilnahme gebeten. So kamen acht Maschinen mit Schlechtgeruch und acht Kontroll-Maschinen ohne besonderen Geruch zusammen. Aus den Maschinen wurden an drei verschiedenen Stellen (Einspülkammer, Bullaugen-Dichtung, Sumpf) Abstrichproben entnommen, daraus DNA extrahiert und anschließend die bakterielle Gemeinschaft qualitativ und quantitativ analysiert. Dabei kam zum ersten Mal für Waschmaschinen die „Nanopore-Sequenzierung“ zum Einsatz, eine Methode, die eine sichere Identifizierung der Bakterien auf Artniveau erlaubt.
Bakterielle Vielfalt ähnlich
„Insgesamt waren sich Artenspektrum und bakterielle Vielfalt in schlecht und nicht riechenden Maschinen überraschend ähnlich“, fasst Egert zusammen. Das Bakterium Moraxella osloensis, das häufig für Wäschegeruch verantwortlich gemacht wird, kam zum Beispiel sehr häufig in der Türdichtung vor, zeigte aber keine signifikanten Häufigkeits-Unterschiede in Bezug auf Schlechtgeruch.
Für eine Handvoll eher seltene Arten, vor allem aus der Einspülkammer, wurden allerdings signifikante Unterschiede in Bezug auf Schlechtgeruch gefunden. „Wahrnehmbare Geruchsstoffe müssen nicht immer von häufigen Mikroben stammen. Auch seltene Mikroben könnten stark stinken. Ob diese hier identifizierten Arten allerdings wirklich eine Rolle beim Maschinengeruch spielen, müssten Folgeuntersuchungen erst zeigen“, meint Egert.
Eventuell liegt es an der Menge
Auffällig war aber, dass die schlecht riechenden Maschinen an allen drei Untersuchungsstellen einen Trend zu höheren Mengen bakterieller DNA zeigten als die unauffälligen Maschinen. „Vielleicht ist einfach die pure Menge an Bakterien dafür verantwortlich, dass eine Maschine für ihren Besitzer müffelt und eine andere halt nicht“, spekuliert Egert.
Die bekannten Maßnahmen gegen Geruch von Waschmaschinen, wie beispielsweise regelmäßiges Waschen bei mindestens 60 Grad mit bleichhaltigem Vollwaschmittel, Maschinen zwischen Wäschen gut austrocken lassen und regelmäßiges Reinigen aller zugänglichen Oberflächen mit Neutralreiniger, sind daher immer noch empfehlenswert. „Geruch ist allerdings auch eine sehr subjektive Angelegenheit“, merkt Egert zum Schluss an.
Folgestudien für Geruchsanalytik
Folgestudien sollten daher nicht nur mehr Waschmaschinen untersuchen, sondern auch eine objektivere Geruchsanalytik einschließen. Die neue Studie wurde durch ein Forscherteam der Hochschule Furtwangen und der Henkel AG erstellt und durch das BMFTR (Bundesministerium für Forschung, Transfer und Raumfahrt) im Rahmen der Förderlinie FH Kooperativ unterstützt. Erschienen ist sie in der Zeitschrift „Applied Microbiology and Biotechnology“ unter dem Titel „Bacterial communities in domestic washing machines associated with user-perceived odours”.
