Stromausfall-Schock hält an: Nach Blackout bangt VS erneut

Wie sicher ist die Stromversorgung? Das fragt man sich seit dem großen Blackout verstärkt auch in VS.
© hxdyl – stock.adobe.comBange Sekunden in VS am Montagnachmittag des Tages nach dem großen Blackout, der am Sonntag weite Teile des Schwarzwald-Baar-Kreises lahmgelegt hatte. Ein Anlagenfehler im Umspannwerk Villingen in einer vorgelagerten Leitung soll in einer Art Dominoeffekt sieben weitere Umspannwerke der Region in Mitleidenschaft gezogen haben.
Und am Montag schon wieder: Für mehrere Minuten war die Stromversorgung in Teilen der Doppelstadt und weiteren Gemeinden unterbrochen.
Riesig war die Erleichterung, als festgestellt werden konnte, dass es an diesem Montag bei einer kurzen Flaute bleiben sollte – weitere Schwankungen, so informierte die Stadt Villingen-Schwenningen, nicht ausgeschlossen. Vorsichtshalber waren sogar die Feuerwehren in Obereschach, Weilersbach und Dauchingen nach Informationen unserer Redaktion am Montag voralarmiert worden.
Über 600 Notrufe
Der Vortag steckte vielen Doppelstädtern noch in den Knochen.
Das dürfte auch bei den Mitarbeitern der Integrierten Rettungsleitstelle der Fall gewesen sein, denn die hatten am Sonntag ganz besonders viel zu tun: Obwohl alles planmäßig funktionierte, die Einsatzbereitschaft bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz dank Netzersatzanlage durchgehend sichergestellt war und der Ernstfall bestens erprobt ist, gab es „erhebliche Probleme“. Denn: In der kurzen Zeit des Stromausfalls sind am Sonntag über 600 Notrufe über die Notrufnummer 112 eingegangen.
Darunter waren nach Informationen unserer Redaktion beispielsweise auch besorgte pflegende Angehörige, deren Familienmitglied über ein Gerät Beatmungsunterstützung bekommt, das nur über einen begrenzten Akku zur Überbrückung der stromlosen Zeit verfügt.
Aber es gingen auch viele nicht dringliche Anrufe ein: „Viele Anruferinnen und Anrufer wollten sich lediglich nach dem Stromausfall erkundigen oder allgemeine Hinweise erhalten“, informierte die Leitstelle.
Die 112 sei jedoch, auch bei Stromausfall, ausschließlich bei „Bränden, Unglücksfällen, lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen sowie akuten medizinischen Notfällen“ zu wählen. Für allgemeine Auskünfte sei der Notruf nicht vorgesehen.
Klinikum ein sicherer Ort
Auch dem Ablauf am Schwarzwald-Baar-Klinikum konnte der Blackout am Sonntag nichts anhaben. Auf Nachfrage erklärte Kliniksprecherin Sandra Adams, es habe keine kritischen Ausfälle gegeben. Das Schwarzwald-Baar-Klinikum sei „zum Schutz von Patienten, Mitarbeitern und Besuchern gut auf etwaige Stromausfälle vorbereitet, es werden beispielsweise regelmäßig so genannte Black-Building-Tests vorgenommen“. Das Krankenhaus verfüge über eine Sicherheitsstromversorgung durch stationäre Notstromaggregate, damit werden Geräte und technische Anlagen im Falle eines Stromausfalls nach wenigen Sekunden Unterbrechung wieder mit Spannung versorgt.
Für kritische Geräte, zum Beispiel in den Operationssälen oder auf den Intensivstationen, werden zusätzlich unterbrechungsfreie Spannungsversorgungen vorgehalten.
Was man Privatleuten rät
Privatpersonen legt man seitens der Integrierten Rettungsleitstelle die eigenverantwortliche Vorsorge ans Herz: „Szenarien wie der gestrige Stromausfall – insbesondere wenn sie mehrere Stunden oder sogar Tage andauern – machen deutlich, wie wichtig eine persönliche Vorbereitung ist“, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und die Katastrophenhilfe BBK geben im Internet unter www.bkk.bund.de weitergehende Infos und konkrete Checklisten.
Dass diese Frage die Doppelstädter tatsächlich umtreibt, zeigte der Blick in eine örtliche Facebook-Gruppe. Dort wurde am Montag gefragt, was man alles im Haus haben müsse für den Fall eines längeren Blackouts. Die Folge war eine lange Liste von profanen Dingen von Kerzen über Toilettenpapier bis hin zum Campingkocher.
An anderer Stelle hingegen sorgt man sich tiefergehend, denn der Blackout am Sonntag hat auch vor Augen geführt: Die Alarmierung über die Warn-App Nina scheint nicht flächendeckend zu funktionieren. Zahlreiche Leser meldeten ähnliches wie dieser: „Uns in Mönchweiler hat jedenfalls niemand per Nina oder sonst irgendwie gewarnt oder informiert und die Mobilfunknetze sind auch sofort und vollständig ausgefallen.“ Fällt das Mobilfunknetz, wie in Teilen am Sonntag geschehen, bei einem Stromausfall ebenso aus, werden auch die Meldungen der Warn-App Nina nicht mehr in Echtzeit empfangen.
