Mobilität im Schwarzwald-Baar-Kreis
: Grünes Licht für nächsten Schritt im ÖPNV-Plan

Jetzt geht es in die Umsetzung: Der Schwarzwald-Baar-Kreis bringt seinen Nahverkehrsplan auf den Weg – mit Rufangeboten, Taxi-Pilotprojekt und weiteren Veränderungen.
Von
Daniela Schneider
Oberndorf
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Auf den Busverkehr im Schwarzwald-Baar-Kreis wirkt sich die Fortschreibung des Nahverkehrsplans unmittelbar aus.

Daniela Schneider

Der Kreistag hat für den Entwurf der Fortschreibung des Nahverkehrsplans den weiteren Weg frei gemacht. Die Verwaltung soll diesen Entwurf nun öffentlich vorstellen und Stellungnahmen von Gemeinden, Behörden und weiteren Beteiligten einholen.

Wesentliche Bestandteile des Plans sind eine in Teilen geänderte Einteilung der Buslinien in Hauptachsen, Nebenachsen und Erschließungslinien, mehr Abruf-Verkehr und die Nutzung von ÖPNV-Taxis auf bestimmten Strecken in den Randzeiten, versuchsweise in einem Pilotprojekt auf der Südbaar.

Außerdem sind im neuen Plan längere Vertragslaufzeiten mit den Verkehrsunternehmen und eine neue, automatisierte Fahrgastzählung vorgesehen, und es sollen Mobilitätsstationen und der Radverkehr einbezogen werden.

Landrat Sven Hinterseh meinte in der Kreistagssitzung: „Es ist gut, dass wir uns damit intensiv beschäftigen“, während Straßenverkehrsamtsleiter Frank Fetzer betonte, dass ein Großteil des Angebots auch künftig bestehen bleibe und man sich vor anderen Landkreisen keineswegs verstecken müsse.

Gegensteuern ist möglich

Klar sei aber auch: Es gebe künftig mancherorts durch den Einsatz kleinerer Fahrzeuge eine Einschränkung, was die Kapazität anbelange. „Wir müssen sehen, wie es angenommen wird“, meinte er mit Blick auf das Taxi-Vorhaben. Dieser Abruf-Verkehr ist auf Erschließungslinien vorgesehen, wohlgemerkt nur in den Tagesrandzeiten und an den Wochenende außerhalb des Schulbusverkehrs. Je nachdem, wie sich dieser Bedarf entwickle, könne man von diesem Verkehr auch auf Rufbusangebote umstellen, falls das wirtschaftlicher wäre. Und auch, wenn etwas gar nicht angenommen werde, müsse man reagieren können. Insgesamt habe man sehr schnell die Möglichkeit, gegenzusteuern.

Detlev Bührer (CDU) sprach von einem guten Nahverkehrsplan im Entwurf. Man habe damit die Wirtschaftlichkeit im Blick. Zur Linieneinteilung und zum On-Demand-Versuch meinte er: „Wir begrüßen es sehr, dass wir es einfach mal ausprobieren.“ Was die Nutzerzahlen des ÖPNV-Taxis angehe, seien diese allerdings risikobehaftet, hier könne man nicht wissen, wie es angenommen werden. „Da müssen wir wach bleiben“, meinte Bührer.

Evaluierung nach einem Jahr

„Effektiver, flexibler” – so nannte Jörg Frey (Freie Wähler), was man mit dem neuen Nahverkehrsplan erreichen könne. Es gelte, an die Wirtschaftlichkeit zu denken. Seine Fraktion bitte um eine Evaluierung nach einem Jahr.

Vera Buddeberg (AfD) fand das Vorgeschlagene „in Anbetracht der finanziellen Situation die beste Lösung“. Ihr gefiel besonders, dass die Mobilstationen weiterentwickelt werden sollen. Diese sollen künftig eine größere Rolle spielen, um verschiedene Verkehrsangebote – Bus, Fahrrad, aber auch Abrufangebote oder Carsharing – besser zu vernetzen.

„Ein guter Kompromiss“

Martina Braun (Grüne) fand generell: „Unser Ziel sollte es sein, dass die Menschen den ÖPNV nutzen.“ Und Oliver Freischlader (SPD) sprach von einem „guten Kompromiss zwischen möglichst viel Verkehr und wirtschaftlichen Gesichtspunkten“. Er war sich aber auch sicher: „Wir werden doch ein bisschen mehr investieren müssen, um das zu erklären.“ Und: Jung und Alt sollten zu den Erklärungen Zugang haben. Roland Erndle (FDP) fand die „Anpassungen folgerichtig“, und zwar aus ökologischer as auch ökonomischer Sicht.

Armin Schott (Grüne) blieb hingegen bei seiner Ablehnung: „Es werden uns Leute verloren gehen. Es wird ein Einschnitt passieren“, wiederholte er seine Kritik. Auch er wolle keine leeren Bussen, aber er wolle einen funktionierenden Verkehr.

Landrat Sven Hinterseh war es in diesem Zusammenhang angesichts des veränderten und auch reduzierten Angebots wichtig, zu betonen: „ Es wird Probleme geben, das ist doch logisch.“ Die neuen Pläne seien ein „Versuch,einen Mittelweg zu finden“. Wenn man versuchen wolle, ein agileres System zu installieren, könne man diesen Versuch wagen.

Planung mit Taxiunternehmern

Kontakt im Vorfeld
Kreisrat Willy Storz (CDU) wollte in der Sitzung wissen, ob man denn Taxiunternehmer grundsätzlich angefragt habe, ob diese überhaupt bereit wären, bei den Abruf-Angeboten auf Erschließungslinien mit ihren Fahrzeugen mitzumachen. Diese würden vom Landkreis für einzelne angeforderte Fahrten gebucht. Landrat Sven Hinterseh bejahte das und berichtete von einer Infoveranstaltung mit den Taxianbietern. Dabei habe man „ein differenziertes Meinungsbild wahrgenommen“. Manche hatten demnach Interesse, andere nicht; Amtsleiter Frank Fetzer berichtete, dass aktuell etwas mehr als 100 Taxen im Landkreis im Einsatz seien. Dass diese abends und am Wochenende immer ausgelastet seien, „das kann mir niemand erzählen“, meinte er. Da sei es doch legitim, die Kapazitäten für die Zwecke des Landkreises in Anspruch zu nehmen oder es zumindest zu versuchen.

Auch VS will Taxen nutzen
Auch die Stadt Villingen-Schwenningen will beim Abrufverkehr in ihrem Stadtverkehr auf Taxen zurückgreifen. Ob und wie man sich hier angesichts einer begrenzten Anzahl von Taxiunternehmen in die Quere kommen könnte beziehungsweise das Angebot knapp werden könnte, ist derzeit offenbar noch unklar.

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