Schwarzwald-Baar-Verkehr: Taxi statt Bus? Der Kreis probiert’s aus

Auf manchen Strecken im Schwarzwald-Baar-Kreis könnten künftig Taxen statt Busse zum Einsatz kommen.
© cameris - stock.adobe.comIm Schwarzwald-Baar-Kreis werden einige Buslinien künftig weniger oft oder gleich ganz anders bedient als bisher.
Im Zuge der Fortschreibung des Nahverkehrsplans werden die Linien neu eingeteilt. Der Kreistagsausschuss für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit befasste sich jetzt erneut mit der Thematik.
Dabei wurde deutlich: Was die sogenannten Hauptachsen betrifft, bleibt vieles, wie es ist. Allerdings werden die Linien 700, 770 und 950 künftig zu Nebenachsen abgestuft werden.
Die Grenze zwischen Nebenachsen und Erschließungslinien soll künftig bei 40 sogenannten Jedermannfahrgästen an Schul- oder Ferientagen gezogen werden; gemeint sind damit alle außer Schülerinnen und Schüler. Wenn es auf einer Linie weniger Fahrgäste gibt, gelten diese als Erschließungslinien. Auf diesen soll dann das „On-Demand“-Angebot zum Einsatz kommen. Wörtlich übersetzt bedeutet der englische Begriff soviel wie „Auf Anfrage“.
Es entsteht ein Dilemma
Sprich: Auf diesen Linien gibt es abgesehen vom Schulbusverkehr keinen regulären Fahrplan mehr, sondern es verkehren Fahrzeuge, die man als Fahrgast vorher telefonisch bestellen muss. Hier ergeben sich laut Verwaltung voraussichtlich nennenswerte Einsparungen, so lange das On-Demand-Angebot nur in geringem Umfang in Anspruch genommen wird. Bei steigender Nachfrage würden sich die potenziellen Einsparungen für den Landkreis entsprechend reduzieren.
Frank Fetzer, Leiter des Straßenverkehrsamtes, erläuterte in der Ausschusssitzung das Dilemma: Einspareffekte bei On-Demand-Angeboten treten nur dann ein, „wenn die neuen Instrumente nicht übertrieben stark genutzt werden.“
Neue Einteilung der Linien
Künftig soll es elf Hauptachsen geben. Außerdem sind 18 Nebenachsen vorgesehen. Sie werden einen regulären Tagesfahrplan habe. Abends und nachts wird auf 15 dieser Nebenlinien mit fahrplanbasierten Rufbusoption gearbeitet und und auf dreien mit On-Demand-Verkehr. Hinzu kommen 17 Erschließungslinien.
Für die konkrete Ausgestaltung des Bedarfsverkehrs kommen entweder ein gemeinwirtschaftlich bestellter Verkehr mit fix zur Verfügung stehenden Fahrzeugkontingent oder das Modell „ÖPNV-Taxi“ in Betracht. In diesem Fall würden Fahrgäste über eine Telefonnummer des Landkreises (und ab Juni auch noch über eine eigene App) eine Fahrt auf ihrer Strecke bei einem Taxiunternehmen bestellen und dafür den Busfahrpreis bezahlen.
Bei der künftigen Neuvergabe des Linienverkehrs bei einzelnen Linienbündeln soll nun jeweils geprüft und entschieden werden, welches dieser beiden Modelle besser passt. Das Modell ÖPNV-Taxi soll in einem Pilotprojekt im Bereich Südbaar ausprobiert werden.
„Ein Qualitätsverlust“
Laut Landrat Sven Hinterseh mache man sich mit der neuen Einteilung und Regelung „auch ein bisschen ehrlicher”, denn man reduziere Angebote, weil die Nachfrage in Teilen nicht mehr so groß sei. Natürlich komme es auch einem „Qualitätsverlust“ gleich, wenn man auf manchen der Strecken keinen Fahrplan mehr vorhalte.
So wie zum Beispiel Erik Pauly (CDU) empfand die Mehrheit des Gremiums die Änderungen „tolerabel“. Schließlich müsse man die Finanzen mit im Blick behalten und habe alles in allem dennoch „weiterhin einen tollen ÖPNV.” Nur Armin Schott (Grüne) votierte dagegen. Ihm sind die Änderungen zu radikal und er sorgt sich sehr: „Den Kunden, den wir in den nächsten Monaten verlieren, kriegen wir nicht wieder“, meint er.
Klarer Empfehlungsbeschluss
Die anderen Ausschussmitglieder trugen das Vorgeschlagene aber mit und stimmten auch allen weiteren Punkten der Fortschreibung des Nahverkehrsplans per Empfehlungsbeschluss an den den Kreistag zu. Demnach soll die Verwaltung nun das entsprechende Beteiligungsverfahren auf den Weg bringen.
Die Kategorien
Was ist eine Hauptachse?
Die regional als sehr wichtig eingestuften Buslinien im Schwarzwald-Baar-Kreis gelten als Hauptachsen. Hier wurde mit der Umsetzung des Nahverkehrsplans ein verlässlicher Stundentakt eingeführt. Die Hauptachsen bedienen bisher die Linien 500 (Villingen-Furtwangen), 640 (Villingen-Tannheim), 650 (Villingen-Fischbach), 750 (Schwenningen-Horgen), 760 (Schwenningen-Königsfeld), 770 (Schwenningen-Trossingen), 660 (Villingen-St. Georgen), 600 (Villingen-Tuningen), 700 (Schwenningen-Tuningen), 800 (Donaueschingen-Schwenningen), 550 (Triberg-Furtwangen), 900 (Donaueschingen-Blumberg), 950 (Döggingen-Mundelfingen) und die Linie 610 (Linienbündel Ostbaar), die aber ab Bad Dürrheim zur Nebenachse wird. 700, 750 und 950 sollen nun aber ebenfalls zu Nebenachsen werden.
Was ist eine Nebenachse?
Auch auf den Nebenachsen gilt laut Verwaltung „weitgehend“ ein Stundentakt. Hier fahren die Busse aber in Randzeiten mit kleineren Taktlücken und an Wochenenden und Abendzeiten werden Rufbusse eingesetzt. Als Nebenachsen gelten bisher die 655 (Niedereschach-Villingen), 680 (Fischbach-Königsfeld), 775 (Schwenningen-Trossingen), 530 (Hornberg-Triberg), 540 (St. Georgen-Triberg), 625 Ringlinie Brigachtal, 810 (Donaueschingen-Unterbaldingen), 820 (Donaueschingen-Guttmadingen), 850 (Donaueschingen-Vöhrenbach), 860 (Döggingen-Wolterdingen), 910 (Donaueschingen-Blumberg) und 913 (Blumberg-Fützen). Künftig soll die Linie 913 zur Erschließungslinie herabgestuft werden.
Was ist eine Erschließungslinie?
Betont wird stets seitens der Verwaltung, dass es auch auf Erschließungslinien – das sind örtliche Buslinien – immer noch Linienverkehr im Schülerverkehr geben wird. Sie sollen künftig aber noch konsequenter an eben diesem Schüler- und Ausbildungsverkehr ausgerichtet werden. Damit gibt es auf diesen Linien an Schultagen ein Angebot, das sich sehr stark an den wichtigsten Schulbeginn- und Schulendzeiten orientiert. Die übrigen Zeiten und insbesondere das Wochenende sollen dann über den On-Demand-Verkehr abgedeckt werden. Zu den Erschließungslinien gehören bislang die 590 (Unterkirnach-St. Georgen), 595 (Ortslinienverkehr Unterkirnach), 651 (Villingen-Dauchingen), 560 (bei St. Georgen), 620 (Wolterdingen-Bad Dürrheim), 501 (Furtwangen-Vöhrenbach), 502 (Furtwangen-Katzensteig), 503 (Furtwangen-Linach), 504 (Vöhrenbach-Furtwangen), 510 (Furtwangen-St. Georgen), 545 (Schönwald-St. Georgen), 556 (St. Georgen-Stockwald), 665 (Peterzell-Stockburg), 670 (Königsfeld-St. Georgen), 675 (bei Königsfeld), 855 (Donaueschingen-Mistelbrunn), 870 (Bräunlingen-Unterbränd), 911 (Blumberg-Leipferdingen), 912 (bei Blumberg) und 914 (Blumberg-Wutachmühle).
