Leben bis zuletzt
: Im Hospiz in Schwenningen werden noch einmal Glücksmomente wahr

Ein italienisches Essen, frisch lackierte Nägel, endlich Zeit für die Familie: Im Hospiz Via Luce werden letzte Wünsche wahr. Hier regiert nicht die Trauer, sondern das Leben.
Von
Cornelia Spitz
Villingen-Schwenningen
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Früher gehörten "gemachte Nägel" für die modebewusste Dame zum Alltag. Heute sind sie etwas Besonderes. Im Hospiz Via Luce werden alltägliche Glücksmomente wieder wahr.

Früher gehörten "gemachte Nägel" für die modebewusste Dame zum Alltag. Heute sind sie etwas Besonderes. Im Hospiz Via Luce werden alltägliche Glücksmomente wieder wahr.

Hospiz Via Luce
  • Im Hospiz Via Luce in Schwenningen steht das Leben bis zuletzt im Mittelpunkt.
  • Gäste erhalten Zeit, Zuwendung und kleine Wünsche – etwa italienisch kochen.
  • Eine Bewohnerin bekam eine Maniküre mit Sekt und freute sich über lackierte Nägel.
  • 19 Pflegekräfte und vier Hauswirtschafter betreuen bis zu acht Gäste.
  • Gespräche prägen den Alltag, Traurigkeit ist keine Grundstimmung – ein Lichterfest ist geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der größte Unterschied für die Pflegekräfte bei der Arbeit in einem Hospiz im Vergleich zu einer Klinik? „Dass wir Zeit haben für unsere Menschen – ich glaube, das ist der wichtigste Aspekt“, sagt Mechthild Wohnhaas-Ziegler. Sie ist Pflegedienstleitung im Hospiz Via Luce in Schwenningen. Von Patienten spricht hier keiner. Im Austausch mit ihr und Hospizchefin Maria Noce sowie der betriebswirtschaftlichen Geschäftsführerin Maria Hanßmann wird das schnell klar. Wer hier die letzten Wochen seines Lebens verbringt, ist hauptsächlich eines: Gast. „Daher kommt ja auch das Wort Hospiz“, ruft Mechthild Wohnhaas-Ziegler in Erinnerung.

Und wenn Maria Noce erzählt, was am gleichen Nachmittag noch im Hospiz in Schwenningen geplant, ist, wird genauso deutlich: Diesen Gästen liest man jeden Wunsch von den Lippen ab.

Noch einmal echt italienisch essen – im Hospiz wird so etwas möglich gemacht.

Noch einmal echt italienisch essen – im Hospiz wird so etwas möglich gemacht.

Hospiz Via Luce

„Heute kochen wir italienisch“, erzählt Maria Noce und strahlt. Sie hat dafür extra ein raffiniertes Familienrezept ausgegraben, „Spaghetti Cartocco“, mit Erbsen, Hackfleisch, Champignons und Schinken, im Alufolien-Bonbon gegart. Gut möglich, dass bei der Vorbereitung des Festmahls sogar aus einem Pflegebett heraus mitgeholfen oder zumindest direkt an der Küche zugeschaut wird.

„Wir sind heute die Köche“, macht Schwester Maria deutlich. Aber eigentlich ist sie mit ihrem Team gerade vielmehr eine Art gute Fee, die Wünsche wahrmacht. Wie so oft.

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Leben bis zuletzt

„Mal wieder italienisch kochen“ – den Wunsch einer älteren Dame, die gerade im Hospiz verweilt, erfüllt das Team im Via Luce mit Herzblut. Schon tags zuvor machte man sie glücklich – sie hatte Maria Noces gepflegte und lackierte Fingernägel bewundert und gedacht, dieser Luxus sei für sie, die sich immer so gerne modisch gekleidet und mit Hingabe gerichtet hat, nun passé. Doch weit gefehlt: Eine kleine Beautyrunde mit professioneller Maniküre bei Sekt und guter Stimmung später, blickte sie strahlend auf frisch lackierte Fingerspitzen.

„Natürlich machen wir medizinisch ganz, ganz viel, aber es ist nicht der Schwerpunkt unserer Arbeit“, stellt Mechthilde Wohnhaas-Ziegler klar. Hinter vielen ihrer Gäste lägen zahlreiche Therapien. Hier solle die Krankheit nicht mehr das Zentrale sein, „sondern das Leben bis zuletzt“. „Da darf die Tochter wieder Tochter, eine Mutter wieder Mutter und der Sohn wieder Sohn sein.“ Auch die Angehörigen dürften, wenn ihr Angehöriger im Hospiz ist, alle Sorgen fallen lassen und endlich wieder gemeinsam mit ihm leben.

Mechthild Wohnhaas-Ziegler, Maria Noce und Maria Hanßmann (von links) schwelgen in Erinnerungen. Die Schatzkiste platzt aus allen Nähten, so viele Briefe und Karten erreichen die Pflegekräfte des Hospizes.

Mechthild Wohnhaas-Ziegler, Maria Noce und Maria Hanßmann (von links) schwelgen im Garten des Via Luce in Erinnerungen. Die Schatzkiste platzt aus allen Nähten, so viele Briefe und Karten erreichen die Pflegekräfte des Hospizes.

Cornelia Spitz

„Noch einmal Glücksmomente schaffen“, das ist Maria Noce und ihrem Team wichtig, wie sie erzählt. „Und oft sind es keine großen Wünsche“, sagt sie. So wie das italienische Essen oder zehn lackierte Fingernägel.

Trauer ist nicht die Grundstimmung

19 Pflegekräfte und vier Hauswirtschafter kümmern sich im Hospiz Via Luce um die maximal acht Gäste. „Gespräche werden hier sehr, sehr viel geführt“, sagt Mechthild Wohnhaas-Ziegler. „Das kommt sonst oft zu kurz“, sagt sie und weiß: „Pflege, das hat auch etwas mit Zuwendung zu tun“.

Hier, im Via Luce, laufe der Takt langsamer. Und ganz wichtig: „Hier herrscht keine Traurigkeit als Grundstimmung.“

Während des Gesprächs ist das direkt spürbar. Lachen dringt aus einem Raum im Hospiz. Geschirrklappern. Irgendwo ist auch kurz Musik zu hören. Und es ist hell – passend zum Namen: Via Luce – Weg des Lichts.

Und wenn dieser Weg zu Ende ist, dann kommt oft ganz viel zurück. Maria Noce, Maria Hanßmann und Mechthild Wohnhaas-Ziegler sitzen vor einer übervollen Schatzkiste mit Karten, blättern im Gästebuch und lassen den Blick dankbar an den vielen Erinnerungsstücken von Familien ehemaliger Gäste haften. Gerade bereiten sie das große Lichterfest vor und schwelgen dabei ein klein wenig in Erinnerungen. Gedenken, sich liebevoll erinnern, das ist auch am 27. September bei der Veranstaltung auf der Möglingshöhe wieder angesagt. Denn auch wenn dieses Mal tagsüber kein volksfestähnliches Treiben geboten wird, an einem hält man hier fest: An der wohl stimmungsvollsten Art des Gedenkens lieber Verstorbener mit einer Andacht und im Anschluss einem Meer aus Lichterblüten auf dem Möglingssee.

Das Hospiz Via Luce feiert sein Lichterfest

Am 27. September wird das jährliche Lichterfest des Hospiz Via Luce auf der Möglingshöhe in Schwenningen gefeiert, mit dem die Besucher auch die Hospizarbeit unterstützen können. Es konzentriert sich in diesem Jahr auf eine stille Andacht zum Gedenken. Doch nicht nur Hospiz-Betroffene, auch alle anderen sind willkommen. Einen Festbetrieb am Nachmittag gibt es dieses Mal nicht. Ein stimmungsvoller Akzent verspricht das Event aber dennoch zu werden. Zentrum der Veranstaltung steht die Andacht um 19 Uhr im Kirchenpavillon, welche in einem ergreifenden, zeremoniellen Rahmen stattfindet. Oberbürgermeister Jürgen Roth eröffnet den Abend, die Andacht gestalten Pastoralreferent Uli Viereck und das Team des Hospizes Via Luce. Im Anschluss werden Lichterblüten, die im Vorfeld erworben werden können, gemeinsam an den Möglingssee getragen und zu Wasser gelassen – in Erinnerung an Verstorbene. So soll das Lichterfest Raum geben, um Erinnerungen zu teilen und Hoffnung zu finden. Es wird ein kollektives Zeichen der Zuversicht und Verbundenheit geschaffen. Das Lichterfest macht die zentralen Werte des Lebens, welche im Hospiz gelebt werden, auf unverwechselbare Weise sicht- und spürbar: Licht, das verbindet – Trost, der bleibt. Es sind alle willkommen (nicht nur Hospiz-Betroffene). Die handgefertigten Lichterblüten können vor Ort erworben werden und kosten jeweils fünf Euro. Der Erlös kommt der Hospizarbeit zugute.