Weihnachten im Hospiz in VS
: „Hier wird gelebt bis zum Schluss“

Ein leckeres Menü, bekannte Melodien und kleine Geschenke: Auch im Hospiz Via Luce in Schwenningen wird Weihnachten gefeiert – im Bewusstsein, dass es das letzte sein wird.
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Freuen sich auf ein harmonisches und lebendiges Weihnachtsfest im Hospiz Via Luce in Schwenningen: Mechtild Wohnhaas-Ziegler, Maria Noce, Melanie Rebenschütz sowie Elke Zimmermann.

Mareike Kratt

Schon wer in der Vorweihnachtszeit das Hospiz Via Luce am Virchowweg betritt, bekommt die besondere Atmosphäre zu spüren, die in diesen Wochen hier herrscht. Mit viel Liebe zum Detail ist an vielen Ort hübsch dekoriert, weht ein Hauch von Plätzchenduft durchs Haus, wird hier und da gewerkelt und gezaubert. Auch ein Weihnachtsbaum erstrahlt in voller Pracht im Aufenthaltsraum.

Es ist diese Mischung aus alljährlichem regen Vorbereitungstreiben auf der einen und Ruhe und Harmonie auf der anderen Seite, die sich auch bei den Mitarbeiterinnen bemerkbar macht.

Die Adventsfeier für alle acht Gäste – so werden die Bewohner im Hospiz genannt – und ihre Angehörigen liegt noch nicht lange zurück, da wird schon eifrig Richtung Weihnachtsfeiertage geblickt. Und auch, wenn es feste Rituale und Abläufe gibt, sei Weihnachten im Hospiz jedes Jahr anders, erzählt die Pflegedienstleiterin Mechtild Wohnhaas-Ziegler. „Und das ist auch gut so.“

Jedes Jahr anders

Denn: Jedes Jahr seien es andere Menschen und deren Angehörige, mit denen die diensthabenden Hospiz-Mitarbeiter Weihachten feierten, macht Wohnhaas-Ziegler deutlich. Alle Gäste wissen, dass sie unheilbar krank sind – und haben sich das Hospiz bewusst als würdevolle Begleitung in ihrer letzten Lebensphase ausgesucht.

Weihnachten sei auch deswegen jedes Jahr anders, weil die Gäste in unterschiedlicher Verfassung seien. Und genau darauf werde das Rahmenprogramm entsprechend zugeschnitten. Da gebe es Gäste, die noch richtig aktiv seien und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten.

Alles ist mit viel Liebe zum Detail entstanden: Mechtild Wohnhaas-Ziegler zeigt den Adventskalender, der für die Hospiz-Gäste jeden Tag eine Überraschung bereithält.

Foto: Mareike Kratt

Da gebe es aber auch Gäste, die bettlägerig sind. Diese versuche man so gut es geht in die Weihnachtsfeier, die an Heiligabend am späteren Nachmittag beginnt, zu integrieren und sie mit Bett in den Aufenthaltsraum zu fahren, berichtet die stellvertretende Pflegedienstleiterin Melanie Rebenschütz. Sie wird an Heiligabend im Einsatz sein.

Ein Familienersatz

Und da gebe es Gäste, die keine Angehörigen haben, mit denen sie zusammen an der Feier teilnehmen könnten und die sich in vielfältiger Weise darin einbringen. „Das versuchen wir abzufangen, da sind wir quasi ein Familienersatz“, beschreibt Melanie Rebenschütz.

Emotionen stehen also an den Weihnachtsfeiertagen im Hospiz also mehr im Raum als sonst – allen voran aber die positiven. Was dem Team von Hospiz-Gründerin und Geschäftsführerin Maria Noce wichtig zum Betonen ist: „Wir feiern hier richtig Weihnachten. Und dafür schaffen wir das richtige Umfeld“, sagt Krankenschwester Elke Zimmermann, die an den Feiertagen ebenso im Dienst sein wird.

Einmaliges Fest

Einmalig – das wird das Weihnachtsfest für die Gäste im doppelten Sinn sein. Auch wenn sie und ihre Angehörigen wissen, dass es das letzte Weihnachten sein wird, ist an den Feiertagen aber kein Platz für Traurigkeit.

Bei der Adventsfeier im Hospiz Via Luce wird der Gang mit zahlreichen Lichtern geschmückt.

Foto: Mareike Kratt

Einmalig soll vor allem das leckere Menü sein, das mit viel Liebe vorgekocht wird und die Wünsche der Gäste berücksichtigt. Dazu passend werde der Tisch festlich eingedeckt, beschreibt Melanie Rebenschütz den groben Ablauf der Feierlichkeiten an Heiligabend. Dann werde erzählt, gesungen und Geschenke übergeben, vielleicht komme spontan noch ein Chor für einen kleinen Einsatz vorbei.

„Man wird zum Kind“

„Man wird hier selber wieder zum Kind“, sagt Elke Zimmermann mit einem Strahlen in den Augen – mit Blick sowohl auf die Gäste als auch auf die Mitarbeiter. Dass sie an Heiligabend Spätdienst hat, macht ihr überhaupt nichts aus. In Bezug auf ihre eigene Familie sei das alles eine Frage der Organisation.

Dass es im Hospiz so persönlich und heimelig zugehe, vor allem an Weihnachten, und dass eine durchweg harmonische Stimmung herrsche, fange vieles andere wieder auf. Das ist auch Maria Noce das Hauptanliegen. Wie jedes Jahr wird die Geschäftsführerin, die zudem Bereitschaftsdienst hat, an Heiligabend für einige Stunden ins Via Luce, aber auch nebenan ins Haus Lebensquelle sowie in den Kinderhospiz-Wohnbereich Sternschnuppenbande kommen, um ein bisschen mitzufeiern und allen Mitarbeitern Präsente als Anerkennung mitzubringen.

Eine Anerkennung

Anerkennung nicht nur für ihre Dienstbereitschaft an Weihnachten, sondern auch für den grundsätzlichen Elan, die Motivation und das „bunte, individuelle Einbringen ins Hospizleben“, betont Maria Noce. Das Ziel: „Jeden Tag mit Leben zu füllen, besonders an den Feiertagen“. Und Mechtild Wohnhaas-Ziegler fügt hinzu: „Hier wird gelebt bis zum Schluss.“

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.