Klare Ansage beim Sommersound VS: „Dann geh doch?“ – Howard Carpendale denkt gar nicht daran

Howard Carpendale denkt noch lange nicht ans Aufhören. Beim Sommersound VS verkündet er, dass er noch 40 Jahre weiter machen wolle.
Marc Eich- Howard Carpendale spielte beim Sommersound VS ein rund zweistündiges Konzert in Villingen.
- Er witzelte über sein Alter und betonte, dass er nicht ans Aufhören denkt – „noch 40 Jahre“.
- Live-Musik ohne Playback stand im Fokus, dazu Cover wie „Simply the Best“ und eigene Hits.
- Enge Publikumsnähe prägte den Abend: viel Gespräch, gemeinsames Singen und ein emotionaler Moment.
- Zur Rivalität Villingen-Schwenningen sagte er: Heute gehen alle „als Familie“ nach Hause.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schon Minuten vor dem Konzert von Howard Carpendale ertönen langsam die ersten Pfiffe. Die Leute sind gekommen, um ihrem Idol aus ihrer Jugend noch einmal zuzujubeln. Schließlich steht Carpendales Abschied von der Bühne an. Oder etwa doch nicht? Die Spekulationen lagen jedenfalls schon früh in der Luft. Dann ist es endlich soweit. Unter tosendem Applaus betritt Howard Carpendale die Bühne. Tausende Hände klatschen, aus der Menge schallen erste Rufe – und schnell wird deutlich: Die rund 3700 Besucher beim Abschluss des Sommersounds VS sind gekommen, um zu feiern und Spaß zu haben. Sie wollen mitsingen, tanzen und gemeinsam mit ihm in Erinnerungen schwelgen.
Ein Saxophonsolo heizt die Stimmung weiter an. Hinter Carpendale steht eine große Band, vier Backgroundsänger verstärken den mächtigen Klang. „Hi, hier ist Howard Carpendale, und wir freuen uns. Seid ihr dabei? Seid ihr wirklich dabei?“, ruft der Sänger seinen Fans zu. Die Antwort kommt laut und unmissverständlich.
Dann startet der Schlagerstar sein rund zweistündiges Konzert auf dem Gelände des Druckzentrums Südwest in Villingen. Mit Songs wie „We built this city“ von Starship und „Simply the Best“, einer Hommage an Tina Turner, nimmt der Abend schnell Fahrt auf. Doch Carpendale wäre nicht Carpendale, wenn er zwischen seinen Liedern nicht auch immer wieder das Gespräch mit seinem Publikum suchen würde.
Kein Abschied in Sicht
„Ich hoffe, ihr seid nicht nur da, weil ihr denkt: Den Typen sehe ich nie wieder“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Dann beruhigt er seine Fans: „Keine Sorge, ich singe noch ein paar Jahre.“
Es sollte an diesem Abend nicht das letzte Mal sein, dass der 80-Jährige mit seinem Alter und den Spekulationen über sein mögliches Karriereende spielt. Die runde Zahl selbst wolle er gar nicht erwähnen. „Ich bin ein junger Mensch, der sehr lange gelebt hat“, erklärt er. Er sei schließlich gerade einmal rund 4200 Wochen alt. „Das klingt jung, oder?“
Ohnehin hat Carpendale an diesem Abend viel zu erzählen. „Open Air ist für mich etwas ganz Besonderes. Das ist einfach eine andere, lockere Stimmung“, sagt er. Er rede übrigens gerne, warnt er seine Fans.
Andere Künstler würden ihre 25 Lieder singen und anschließend wieder gehen. Er dagegen wolle Geschichten erzählen, gemeinsam mit seinem Publikum lachen und die Menschen vor der Bühne kennenlernen. So berichtet er etwa von einer Frau, die er vor dem Konzert mit einem Shirt gesehen habe, auf dem stand, dass alle Männer Lügner seien. „Dann bin ich einfach zu ihr hingegangen und hab gesagt, dass sie sehr hübsch ist“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.
Aus Villingen-Schwenningen soll eine Familie werden
Auch mit seinem Auftrittsort hat sich Carpendale beschäftigt. Er habe an diesem Tag einiges über Villingen-Schwenningen gelesen, erzählt er. Schon die Schweden hätten vor Hunderten Jahren versucht, in die Stadt reinzukommen. Später hätten es auch die Franzosen probiert. „Die haben es nicht geschafft, aber wir sind da und haben es geschafft“, sagt er grinsend und erntet dafür lautes Gelächter.
Auch die bekannte Rivalität zwischen Villingen und Schwenningen bleibt nicht unerwähnt. Ob das hier so sei wie zwischen Köln und Düsseldorf, möchte Carpendale wissen. Das Publikum beantwortet die Frage mit einem schnellen und lauten „Ja!“. Zumindest für diesen Abend hat er eine einfache Lösung: „Das beenden wir heute. Wir gehen als Familie nach Hause.“
Tatsächlich entsteht zwischen Bühne und Publikum schnell eine besondere Verbindung. Carpendale spricht viel, scherzt und erzählt, doch im Mittelpunkt bleibt seine Musik. Dabei macht er eines unmissverständlich klar: „Diese Band und ich glauben nicht an Playback. Falls das jemand denkt: Wir spielen hier jeden Ton live. Wenn Konzert, dann richtig.“
Dass bei einem Livekonzert nicht immer alles perfekt laufen kann, gehört für ihn gerade dazu. Gleich zu Beginn habe er einen kleinen Fehler gemacht. Doch genau das sei eben live. „Davor haben viele Kollegen Angst“, sagt er.
Ebenso wichtig sind ihm seine Texte. Carpendale erzählt, dass er das Glück gehabt habe, dass er zwei der größten Texte in Deutschland geschrieben hat. Gerade in Zeiten einfacher „Ballermann-Texte“ seien ihm Inhalt und Emotion besonders wichtig. „Musik bedeutet Emotionen, gerade, wenn man auf Deutsch singt.“
„Forever in Blue Jeans“ als neuer Hit
Doch Carpendale blickt nicht nur auf seine eigenen Lieder zurück. Auch seinen musikalischen Vorbildern räumt er an diesem Abend Platz ein. Dazu gehört Neil Diamond, dessen „Forever in Blue Jeans“ er vor einiger Zeit auf Deutsch aufgenommen hat. Ebenso erinnert er an Elvis Presley, den er in seinen Anfangsjahren selbst imitierte.
Dann folgen wieder die Songs, deretwegen viele Besucher seit Jahrzehnten zu seinen Konzerten kommen. Bei „Alice“ steigt das Publikum lautstark ein. Lauthals wird ihm ein „Alice, who the f... is Alice“, entgegen geworfen.
Und Carpendale hört genau hin. Immer wieder lässt er seine Fans das Konzert übernehmen. Als die Menge „...dann geh doch...“ Wort für Wort mitsingt, wirkt selbst der erfahrene Sänger beeindruckt. „Dass ihr nach so vielen Jahren den Text noch kennt, Wahnsinn“, sagt er.
Ein besonderer Moment vor der Bühne
Einer dieser emotionalen Momente entsteht abseits der Show. Carpendale entdeckt einen Mann mit körperlicher Behinderung, der ausgelassen zu seiner Musik tanzt. Der Sänger hält kurz inne und richtet seine Worte direkt an ihn.
„Als ich dich gerade tanzen gesehen habe, ist irgendetwas mit mir passiert“, sagt Carpendale. „Mir ist wirklich warm ums Herz geworden. Im Ernst: Danke dafür.“
Es sind solche Augenblicke, die zeigen, warum seine Konzerte für viele Besucher weit mehr als eine Aneinanderreihung bekannter Hits sind. Die Musik erinnert an die eigene Jugend, an erste Lieben und an Menschen, mit denen man die Lieder früher gehört hat. Für einige Fans begleitet Howard Carpendale längst einen Großteil ihres Lebens.
Spätestens zum Finale hält es dann alle anderen Besucher auch nicht mehr auf ihren Plätzen. Mit Begeisterung strömen zahlreiche Fans nach vorne an die Bühne. „Ich habe ganz genau gewusst, was mich hier erwartet“, sagt er. „Und ihr habt abgeliefert. Es war wunderschön mit euch. Ihr wart von Anfang an dabei.“
Viele Menschen würden ihn immer wieder fragen, wann er endlich aufhöre. Doch wenn er auf dieses Publikum blicke, habe er dazu überhaupt keine Lust. „Das könnte ich noch 40 Jahre weitermachen“, sagt er.
Auch das übliche Spiel um die Zugabe spart er sich. Es sei doch ohnehin Quatsch, erklärt Carpendale: Die Musiker gingen hinter die Bühne, das Publikum rufe „Zugabe“, und dabei wüsste doch eh jeder, dass der Abend noch nicht vorbei sei. „Deshalb singen wir einfach noch zwei Lieder für euch.“
Mit „Ti amo“ setzt Carpendale schließlich einen emotionalen Schlusspunkt. Noch einmal singt das gesamte Publikum lautstark mit. Im Anschluss gibt der 80-Jährige seinen Fans noch einen Gedanken mit auf den Heimweg: „Die längste Beziehung, die ihr in eurem Leben haben werdet, ist die mit euch selbst. Also habt Spaß.“





































