Innenhof-Festival in Villingen
: Balkanbeats treffen auf Beatles

Stray Colors brauchen keine große Show, um ihr Publikum zu gewinnen. Mit treibenden Gitarren, mehrsprachigem Gesang und einer gehörigen Portion Spielfreude sorgen die Nürnberger für einen bewegten Abend beim Villinger Innenhof-Festival.
Von
Sabine Krümmer
VS-Villingen
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Stray Colours hatten mit ihrer mitreißenden Musik mit Balkaneinflüssen sofort alle Tänzer auf ihrer Seite.

Stray Colors hatten mit ihrer mitreißenden Musik mit Balkaneinflüssen sofort alle Tänzer auf ihrer Seite.

Sabine Krümmer
  • Stray Colors begeisterten beim Villinger Innenhof-Festival mit Balkanbeats und Beatles-Anklängen.
  • Die Nürnberger spielten mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug – schnörkellos und energiegeladen.
  • Mehrsprachiger Gesang und präzise Taktwechsel rissen das Publikum mit, viele tanzten früh mit.
  • Nach der Pause war es lauter im Publikum, ein leiser Simon-&-Garfunkel-Moment ging dadurch verloren.
  • Zugaben, Beatles-Cover und Stücke der letzten CD prägten den Abend, am Ende dankte die Band Villingen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ehrliche handgemachte Musik ohne Schnickschnack: Dies erlebte der Besucher beim Villinger Innenhof-Festival am Donnerstag beim Auftritt von Stray Colors.

In Zeiten der anonymen Plattformen für Musik bilden die Musiker von Stray Colors den krassen Gegenentwurf. In Jeans und T-Shirt und mit geliehenem Schlagzeug eroberten die vier Sympathieträger aus Nürnberg die Bühne bei der Scheuer und die Herzen der Zuschauer. Zwei Gitarren, ein Bass, das schon erwähnte Schlagzeug – das erinnert an die 60er, als die Beatles für Furore sorgten. Schon die ersten auf der Akustikgitarre gezupften Akkorde lassen aufhorchen, denn immer wieder sind Einflüsse vom Balkan zu hören. Kein Wunder, stammt doch Zlatko Pasalic aus Bosnien. Dessen Stimme und die von Rüdiger Sinn harmonieren wunderbar.

Ohne viel Erklärungen und sonstige Pausen hauen die Musiker ein Stück nach dem anderen raus. Die schnörkellosen Taktwechsel, das exakte und zugleich feinfühlige Spiel der Gitarren reißt jeden mit. Nach drei, vier Liedern tanzen die ersten Frauen auf dem Platz direkt vor der Bühne. Nur wenig später hält es immer weniger auf den Sitzen und Bänken. Dass die Zuhörer deshalb in den ersten Reihen tanzende Leiber im gefühlten Abstand von nur 20 Zentimeter vor sich hatten, damit konnte man leben.

Im temporeichen Programm blitzt auch mal Melancholie auf

Stray Colors bedient sich beim temporeichen Programm von ihrer letzten CD „Atomic bombs & Pirouettes“ und spielt Stücke wie „The things we love“ oder „Spaceman cemetery“. Neben Englisch singen Pasalic und Sinn ihre Werke auch in Deutsch und Serbo-Kroatisch. Die oft mit „Balkan, Folk und Indie“ umschriebene Musik driftet manchmal in Melancholische ab, um dann um so mehr Fahrt aufzunehmen.

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„Wir bleiben optimistisch mit Futures“ wird kurz ein Stück angekündigt, ein weiteres mit der Hiobsbotschaft, dass sich der eigentlich eingeplante Trompeter das Schlüsselbeim gebrochen hatte. So übernahm Pasalic mit der E-Gitarre den Part des Blechbläsers, was dann „santanamäßig“ rüberkommt.

Franken entführen auch nach Südamerika oder ins Weltall

Die Franken entführen musikalisch nicht nur auf den Balkan, sondern auch nach Südamerika oder ins Weltall. Nach der Pause ging leider ein wenig der Faden verloren. Das Publikum entwickelte wohl in der Spielpause eine Eigendynamik. Sogar als die beiden Sänger mit ihren Gitarren und ohne die Begleitung des Bassisten Gregor „Amadeus“ Böhm und des Schlagzeugers Andreas Papelitzky den Welthit „Sounds of silence“ von Simon & Garfunkel zu Gehör brachten, blieb die Geräuschkulisse sehr hoch. Das ist jammerschade, denn die beiden Sänger harmonieren so himmlisch. Die Quasselstrippen im Publikum verhinderten leider einen Gänsehautmoment. Vielleicht tritt bei Wiederholungstätern nach einer Woche Innenhof-Festival eine Sättigung ein, die eine uneingeschränkte Aufmerksamkeit gegenüber den Künstlern schwieriger macht. Noch beim Auftritt von To Athena wurde es im Innenhof mucksmäuschenstill.

Nach den ruhigen Stücken hatten die Musiker aber mit ihren lauteren und fetzigen Beiträgen wieder die Oberhand. Sie huldigten mit „I wanna hold your hand“ von den Beatles den 60ern. Sie spielen „No use for Rock ’n’ Roll“ und laden alle zum Schunkeln ein. Stray Colors übernehmen auch Liedgut von der Münchner Schwesterband Farbfilter, von der die Drums ausgeliehen wurden, und spielen beispielsweise „Eins zu eins“.

Musiker schätzen Atmosphäre beim Innenhof-Festival

Als es zum Ende des Konzerts geht, laden die bescheidenen Musiker nach dem Konzert ein: „Wir treffen uns cool am Merch-Stand“. Und wie schon einige Bands zuvor loben auch die Vollblutmusiker das kleine, aber feine Innenhof-Festival: „Danke Villingen!“ Auch in der Pause war das Quartett bereits am Verkaufsstand zu finden. Dort erzählte die Band, dass Stray Colors nach Gigs in Murrhardt erst zum zweiten Mal in Baden-Württemberg auftrat. Nach einigen Zugaben und ausgepowerten Tänzern vor der Bühne ging ein weiterer gelungener Auftritt im Innenhof zu Ende.