Innenhof-Festival in Villingen: Nessi Tausendschön wirbelt als Sportreporterin und Tänzerin über die Bühne

Nessi Tausendschön wirbelte bei ihrem Auftritt beim Villinger Innenhof-Festival auf der Bühne ohne Pause. Begleitet wurde sie vom Kanadier William Mackenzie.
Sabine Krümmer- Nessi Tausendschön begeisterte beim Villinger Innenhof-Festival mit „30 Jahre Zenit“.
- Sie wirbelte über die Bühne, sang stark und nutzte skurrile Instrumente wie die singende Säge.
- Begleitet wurde sie vom Kanadier William Mackenzie, der mehrere Gitarren und eine Spaten-Gitarre spielte.
- Pointenreiches Kabarett prägte den Abend – inklusive Sportreporterin-Nummer mit zweideutigen Anspielungen.
- Das Duo gab zwei Zugaben, der Abschluss fiel wie üblich ruhiger aus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für die Kabarettistin Nessi Tausendschön gab es am Mittwochabend eine große Ausnahme. Denn schon beim neunten Innenhof-Festival 1997 war das Energiebündel in Villingen aufgetreten. Normalerweise laden die Macher des beliebten Festivals einen Künstler oder Band nur ein Mal ein.
Die besondere Ehre, nochmals beim Innenhof-Festival zu gastieren, quittierte die Ulknudel und Musikerin prompt: „Ich möchte in 30 Jahren nochmal kommen“. Das aktuell präsentierte Programm heißt denn auch passenderweise „30 Jahre Zenit“. So hatte Tausendschön sofort alle Lacher auf ihrer Seite.
Es sollte ein Dauerangriff auf die Lachmuskeln werden. Die wirbelnde Frau auf der Bühne verbat sich dabei einen zu langen Applaus, da um 22 Uhr das Programm beendet sein müsse. Natürlich hielten sich die Besucher nicht daran, denn wenn die vielseitige Künstlerin ins Mikro brüllt „Ich hab' die Fresse so voll von der Krise“, spricht sie sicherlich allen aus der Seele.
William Mackenzie begleitet die Dampfplauderin und Sängerin
Zustimmung gibt es sicherlich auch dafür, dass die Welt immer unübersichtlicher geworden sei. Dass dann das angesagte Lied nicht gespielt, sondern fälschlicherweise ein anderes präsentiert wird, Schwamm drüber. William Mackenzie, der langjährige musikalische Begleiter der Dampfplauderin und Sängerin, bügelt das weg. Der Kanadier sei eine kleine Band, „nur billiger“. Aber nicht nur der Kollege auf der Bühne kriegt sein Fett weg, sondern auch der Veranstaltungsort: „Ihr habt doch Internet in Villingen?“
Den US-amerikanischen Präsidenten als „narzisstische Möhre“ zu bezeichnen, ist vielleicht nicht verkehrt. Man muss nicht immer der Meinung des weiblichen Hans-Dampf in allen Gassen sein. Doch wenn Nessi Tausendschön doziert, dass jeder Träume haben und Luftschlösser bauen sollte, herrscht Einigkeit im Innenhof. Im Originalton klingt das dann so: „Ich will Zuversicht in verschrumpelte Villinger Herzen träufeln“. Das gelingt an diesem Abend perfekt.
Künstlerin nimmt sich selbst auf die Schippe
Es wird dann immer sehr unterhaltsam, wenn sich die Künstlerin selber auf die Schippe nimmt. Sie bezeichnet sich selbst neben vielen anderen Ausdrücken als „Gagschlampe“, in Hamburg würde sie als „Lachmöse“ durchgehen und im modernen Unternehmens-Denglisch als „Joke account facility manager“. Eines ist Tausendschön aber gewiss: ein sehr vielseitiger Vollprofi.
Stimmgewaltig sind die Liedbeiträge, sie überrascht mit dem Spiel der singenden Säge und sehenswerten Tanzeinlagen. Kurz mimt sie die Figur Horst Schlämmer von Hape Kerkeling, sie modelliert ihre Stimme in höchsten Tönen bis hinunter zum Bass. Beim Ausdruckstanz verheddert sich die Allrounderin schließlich im Kabelgewirr auf dem Boden.
Schlag auf Schlag kommt Brüller auf Brüller.
Als kabarettistisches Kronjuwel präsentiert Tausendschön ihr nicht ganz jugendfreier Beitrag als Sportreporterin. Köstlich, wie sie die EM im Kunstvögeln rüberbringt, da bleibt kein Auge trocken. Herrlich zweideutig sagt die Künstlerin „da liegt die Latte hoch“. Schlag auf Schlag kommt Brüller auf Brüller. Wunderbar der Wortwitz, wunderbar die schlüpfrigen Anspielungen.
Nach der Pause wird dieses Niveau gehalten. Mit dem ersten Teil des Programms sei das Geld des Publikums eh „schon abgesungen“. Sie habe schließlich „im Irak die Ausbildung zur Extremsängerin absolviert und habe den Schwarzen Gürtel in Vergrämungstechnik“. Nein, das Publikum wurde nicht vergrämt, ganz im Gegenteil. Denn auch der Mackenzie überrascht mit außergewöhnlichen Instrumenten in seiner „Band“. Der Kanadier spielte nämlich neben Akustik- und E-Gitarren auch die Slight-Gitarre im Duett mit der singenden Säge. Mit einer selbstgebastelten Gitarre aus einem Spaten versetzt das Multitalent das Publikum in Staunen. Hat hier Alex Köberlein abgeschaut, als er am Festivalbeginn letzten Freitag vom aus einem Besenstiel selbstgebastelten Bass sprach?
Zurück zum Tausendschön-Auftritt. Natürlich lässt sich das Duo auf der Bühne nicht lumpen und spielt zwei Zugaben. Natürlich gerät der „Rauswerfer“ wie bei allen Band zu einem ruhigen Stück.

