Geschichte in Tuningen
: Darum bleibt die „Blaue Grotte“ in Erinnerung

Karl-Heinz Braunschweigers Ahnenforschung offenbart die Geschichte der „Blauen Grotte“ – ein Tanzlokal in Tuningen, das damals große Erfolge feierte und bis heute nachklingt.
Von
Karl-Heinz Braunschweiger und Anna-Sophie Zepf
Oberndorf
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Tanzlokal „Blaue Grotte“ in Tuningen

Karl-Heinz Braunschweiger

Karl-Heinz Braunschweiger hat seine Familiengeschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt und dabei faszinierende Einblicke in regionale Traditionen gewonnen – darunter das legendäre Tanzlokal „Blaue Grotte“.

Seit seinem Ruhestand betreibt der Tuninger Braunschweiger intensiv Ahnenforschung. Er konnte seine Ahnentafel bis ins Jahr 1632 zurückverfolgen und stieß dabei auf faszinierende Persönlichkeiten und Geschichten.

So, zum Beispiel, auch Verwandte von Braunschweiger, die in die USA, genauer gesagt nach New Jersey, ausgewandert sind und dort ein Juweliergeschäft eröffneten, das auch heute noch den „Schwenninger Schwan“ als Firmenlogo trägt.

Diese und viele weitere Geschichten hält Braunschweiger in seiner persönlichen Heimatchronik, seinem Ahnentafelheft, fest. Darin findet sich auch die Geschichte des Wirtshauses „Adler“ in Tuningen, das mit dem angrenzenden Tanzlokal „Blaue Grotte“ große Bekanntheit erlangte.

Das Wirtshaus „Adler“ in Tuningen

Das Restaurant „Adler“ in Tuningen, Auf dem Platz, konnte schon auf eine lange Tradition als Wirtshaus zurückblicken, als Johannes und Christina Lydia Braunschweiger das Lokal 1938 erwarben. „Wir sind sehr weitläufig verwandt – fünf bis sechs Generationen geht das zurück“, fügt der Tuninger hinzu.

Das Ehepaar, allen voran Christina Lydia Braunschweiger, führten die Gaststätte als solche sowie als Café mit dem Namen „Adler“ weiter.

Nach einem Umbau, bei dem der ehemalige Scheunentrakt in ein Tanzlokal verwandelt wurde, eröffnete im Januar 1950 die wagemutige Geschäftsfrau Braunschweiger die „Blaue Grotte“ – ein Lokal mit südländischem Flair.

Der Beginn einer Ära

Unter diesem Namen erreichte das Lokal einen Bekanntheitsgrad weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus, und es begann die Ära der „Blauen Grotte“ – vor einem Dreivierteljahrhundert.

Das außergewöhnliche Ambiente, der Blauen Grotte von Capri nachempfunden, und dreimal wöchentlich Tanz mit Livemusik wurden zum Erfolgsrezept.

In der ehemaligen Wirtschaft befindet sich nun die Gaststätte „Martins Pilsbar“ und „Curry 14“.

Foto: Anna-Sophie Zepf

Immer mittwochs, samstags und sonntags gab es hier gepflegte Tanzmusik. Die Tanzkapellen bestanden meist aus Studenten, die tagsüber an der Hochschule für Musik in Trossingen studierten.

Das schimmernde Ambiente mit nachgebildeten Gesteinsformationen war einmalig in jener Zeit. Auch das Bedürfnis nach Vergnügungen nach dem Krieg war damals ausgeprägt.

Erfolgskonzept „Blaue Grotte“

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs kaufte die geschäftstüchtige Tuningerin 1953 auch eine alte Getreidemühle aus dem Jahr 1686 in Kappel bei Villingen. Mit hohem finanziellem Aufwand führte sie auch die „Mühlenklause“ zum Publikumsmagnet.

Danach verpachteten die Braunschweigers das Lokal. Noch etliche Jahre, insgesamt etwa zwei Jahrzehnte lang, hatte das Konzept der „Blauen Grotte“, auch unter den späteren Pächtern, großen Erfolg.

Erfolg der Gaststätte geht verloren

Ab den 1970er-Jahren wechselten mehrfach die Pächter und auch der Name des Lokals. Umbauten und neue Ausstattungen brachten aber nicht mehr den Erfolg der 1950er- und 1960er-Jahre.

Das Wirtsehepaar Braunschweiger war bereits verstorben als ihre Tochter Lydia Sophie Gass, geborene Braunschweiger, das Gebäude schließlich verkaufte. Bis heute befindet sich dort eine Gaststätte.

Der Teil des ehemaligen Restaurants „Adler“ ist inzwischen als „Martins Pilsbar“ bekannt, auch „MP Bar“ genannt, und der ehemalige Tanzsaal trägt nun den Namen „Curry 14“.

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