Antikriegstag in Schwenningen: Wie sie sich für den Frieden einsetzen

Den Antikriegstag auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Schwenningen gestalteten Manuel Mandel Gewerkschaftssekretär des DGB Südbaden (von links), Andreas Merz Verdi-Kreisvorsitzender Schwarzwald-Baar, VS-Bürgermeister Detlev Bührer, VS-Jugendgemeinderat Tim Dippong, vom Regionalen Friedensbündnis VS Renate Zelzer, SPD-Fraktionsvorsitzender Nicola Schurr, Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun und der stellvertretende DGB-Kreisvorsitzende Fabian Braun. Schwillo
Jochen Schwillo- Antikriegstag in VS-Schwenningen: DGB fordert Diplomatie statt militärischer Logik.
- Redner betonen: Frieden bleibt fragil, internationale Regeln und Dialog sind zentral.
- Kritik an Aufrüstung und Waffenlieferungen, Ablehnung von US‑Mittelstreckenraketen.
- Jugendrat lehnt Pflichtdienste ab – Investitionen in Bildung, Klima und Soziales gefordert.
- Beispiele aus Alltag und Abschiebung zeigen, dass Frieden vor Ort beginnt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der stellvertretende DGB‑Kreisvorsitzende Fabian Braun zeichnete ein eindringliches Bild der weltweiten Kriegsfolgen und nutzte die Endzeitwelt der Videospielreihe „Fallout“, um zu zeigen, dass Muster von Leid und Gewalt überall gleich bleiben – ob in Europa oder im Sudan.
Politik müsse Wege zum Frieden öffnen, statt Sicherheit allein militärisch zu definieren. Der DGB verlangt eine Abkehr von militärischer Logik, starke Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sowie eine streng kontrollierte, transparente Rüstungsexportpolitik.
Waffenlieferungen, die Konflikte verschärfen könnten, lehne man ebenso ab wie die Stationierung von US‑Mittelstreckenraketen in Deutschland. Verteidigungsfähigkeit entstehe durch gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung – nicht durch Zwang. Dauerhafter Frieden brauche eine Politik, die Demokratie stärkt und soziale Gerechtigkeit sichert.
„Frieden bleibt fragil“
VS‑Bürgermeister Detlev Bühre betonte, dass Frieden das Ergebnis eines langen Weges der Versöhnung ist – und täglich neu behauptet werden muss. Der 1. September zeige, wohin Nationalsozialismus, Ausgrenzung und militärische Gewalt führen. Vor 87 Jahren begann mit dem Überfall auf Polen ein Krieg, der Europa verwüstete und Millionen Menschen das Leben kostete.
Angesichts aktueller Konflikte – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bis zu Krisen im Nahen Osten – werde sichtbar, wie fragil Frieden bleibt. Friedensfähigkeit bedeute, Konflikte früh durch Diplomatie zu entschärfen, internationale Regeln zu achten und Gesprächsfähigkeit zu bewahren.
Frieden wachse im Alltag: in Schulen, Vereinen, Betrieben und Nachbarschaften. Eine gerechte Gesellschaft sei Grundlage für Zusammenhalt, weshalb Gewerkschaften mit ihrem Einsatz für gute Arbeit und soziale Sicherheit eine zentrale Rolle spielten.
Für Villingen‑Schwenningen gelte es, Vielfalt zu schützen, Ausgrenzung zu verhindern und sich klar gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu stellen. Aus Erinnerung müsse Verantwortung entstehen – und aus Verantwortung Zukunft.
Mahnung sehr aktuell
Die Grünen‑Landtagsabgeordnete Martina Braun unterstrich, dass die Mahnung „Nie wieder Krieg“ heute bedrückend aktuell sei. Gleichzeitig habe sich die Kriegsführung verändert: Drohnen, Cyberangriffe, Sabotage und gezielte Desinformation bedrohten Staaten und Gesellschaften, künstliche Intelligenz stelle neue ethische Fragen.
Dennoch bleibe das Völkerrecht auch im digitalen Zeitalter verbindlich. Friedenspolitik umfasse heute Abrüstung ebenso wie den Schutz kritischer Infrastruktur, widerstandsfähige Demokratien, freie Presse, politische Bildung und eine starke Zivilgesellschaft. Dazu gehöre, angegriffenen Staaten das Recht auf Selbstverteidigung nicht abzusprechen.
Ziel müsse eine Welt sein, in der Konflikte am Verhandlungstisch gelöst werden und internationale Zusammenarbeit stärker ist als Nationalismus. Friedensfähig zu sein, bleibe wichtiger als kriegstüchtig zu werden.
Nach Nigeria abgeschoben
SPD‑Fraktionsvorsitzender Nicola Schurr schilderte das Schicksal eines Kollegen aus dem Schwarzwald‑Baar‑Klinikum, der trotz Integration und Arbeit nach Nigeria abgeschoben wurde – in ein Land, in dem er wegen der Ermordung seiner Eltern nicht frei sprechen könne. Dieses Beispiel zeige, dass Frieden im Alltag entstehe: am Küchentisch, im Garten, am Arbeitsplatz, auf dem Sportplatz.
Demokratie bedeute, Unmut äußern zu dürfen, aber auch Verantwortung für Sprache und Verhalten zu übernehmen. Schurr rief dazu auf, trotz aller Unterschiede zusammenzustehen – auf Grundlage von Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und gegenseitigem Respekt. Die Geschichte zeige, wohin Ausgrenzung und Feindbilder führen. Frieden beginne hier, heute und jeden Tag.
15-Jährige aus der Ukraine
Tim Dippong, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, machte deutlich, wie brutal Krieg das Leben junger Menschen zerstört. Er erzählte von der 15‑jährigen Irina aus der Ukraine, die statt zur Schule in einen Krieg erwachte – ein Schicksal, das Millionen Jugendliche weltweit teilen.
Dippong kritisierte, dass jeder Euro für Rüstung bei Schulen, Jugendarbeit, Digitalisierung, Klimaschutz und sozialer Sicherheit fehle. Pflichtdienste oder eine Wiedereinführung der Wehrpflicht lehne der Jugendgemeinderat entschieden ab: Nach den Belastungen der Pandemie sei ein weiterer Eingriff in Lebensläufe junger Menschen nicht hinnehmbar. Verteidigungsfähigkeit entstehe durch gute Arbeitsbedingungen und eine starke freiwillige Armee, nicht durch Zwang.
Sein Appell: In eine Welt investieren, in der Jugendliche wieder vom Wecker geweckt werden – und nicht von Bomben.
„Keine jungen Leute an Waffen„
Renate Zelzer vom regionalen Friedensbündnis VS sagte, dass 1939 mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen ein Krieg begann, der ein bis dahin unvorstellbares Ausmaß an Leid brachte. Rund 70 Millionen Menschen starben, zusätzlich zu den systematischen Verbrechen des NS‑Regimes gegen Andersdenkende, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Heute erlebe die Welt statt Abrüstung eine massive Aufrüstungswelle, während Mittel für Klimaschutz, Bildung, Demokratie und Gesundheit fehlten.
Besonders kritisierte Zelzer Pläne, junge Menschen wieder „Töten und Sterben lernen“ zu lassen, während Kommunen finanziell am Limit seien. Das Friedensbündnis lehne Hochrüstung und die Ideologie der Kriegsfähigkeit ab und setze auf Vertrauen, Dialog und Abrüstung als politischen Leitgedanken.
Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von Stefan D. Weisser an der Gitarre und der Sängerin Elisa Peixota von der Musikakademie Villingen‑Schwenningen.