Antikriegstag Schwenningen: Sie geben starkes Zeichen gegen Krieg

Am Mahnmal für die Opfer der Gewalt in Schwenningen legten der DGB-Kreisvorsitzende Andreas Merz (von links), die Landtagsabgeordnete Martina Braun, die Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur, der VS-Bürgermeister Detlev Bührer, der Unterkirnacher Bürgermeister Andreas Braun und der SPD-Gemeinderat Nicola Schurr ein Blumengebinde nieder.
Jochen SchwilloDas Gebinde mit den Nationalfarben der Ukraine zeigte auch nach außen die Solidarität mit den von Russland überfallenen Land.
Dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Für eine Politik der Friedensfähigkeit! Nie wieder Krieg – in Deutschland, Europa und weltweit“, waren am Montagabend viele Vertreter der Gewerkschaften und einiger Parteien gefolgt.
Andreas Merz, DGB
„Gerade in einer Zeit, in der weltweit wieder zahlreiche bewaffnete Konflikte wüten, stehen wir als Gewerkschaften für eine Politik der Friedensfähigkeit“, sagte DGB-Kreisvorsitzender Andreas Merz. Die Gedenkstunde zum Antikriegstag richte sich an alle Menschen, die gemeinsam ein Zeichen des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit setzen möchten , betonte Merz. „Wir setzen uns gemeinsam ein, für Frieden, Menschenrechte und für eine starke Demokratie“, so der Schwenninger.
Für ihn heißt aber auch Frieden, dass man anspricht, was zur Zeit im Gaza-Streifen passiert. „Hier kann man nicht hinwegsehen und an die israelische Regierung appellieren, dass sie innehält und Maß und Mitte kennenlernt“, bezog Merz klar Stellung. Das größte Problem sei jedoch der Krieg in der Ukraine. Hier gibt es verschiedene Ansichten: Die einen sagen, man soll Waffen liefern, die andern sagen, dass man keine Waffen liefern soll. „Es darf jedoch nicht sein, dass die Rüstung gegen den Sozialstaat ausgespielt wird“, so Andreas Merz.
Detlev Bührer, Bürgermeister
VS-Bürgermeister Detlev Bührer stellte fest, dass der Antikriegstag am 1. September ein Tag des Erinnerns und der Mahnung und der Verantwortung sei. „Vor 86 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg“, sagte Bührer und bemerkte, dass es ein Krieg war, der Millionen Menschen das Leben kostete und unfassbares Leid über Europa und die Welt brachte. „Nie mehr Krieg, dass ist was wir alle wollen“, betonte Bührer. Doch leider sei die Realität, Jahr für Jahr eine andere. „Dieser Tag erinnert uns zurecht daran, dass Frieden nicht vom Himmel fällt“, sagte der Bürgermeister. „Frieden muss gewollt, gestaltet und verteidigt werden, tagtäglich vor Ort und im Denken“, so die Botschaft von Detlev Bührer. Man müsse aufpassen, dass man nicht zwischen den Blöcken, USA, Russland und China aufgerieben wird.
„Aber auch in Villingen-Schwenningen trage man Verantwortung, für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben. „Das erleben wir an vielen Stellen“, so Bührer. Hierzu gehören das „Haus der Vielfalt“ in Schwenningen, in dem Integration gelebt wird, auch gibt es die Initiative Pro-Stolpersteine, die an Menschen erinnert, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Außerdem helfen viele Schulklassen mit, die Geschichte lebendig zu halten.
Nicola Schurr, SPD
SPD-Gemeinderat-Fraktionsvorsitzender Nicola Schurr berichtete, dass er durch seine Arbeit viel mit Kindern zu tun habe, die Krieg erlebten und diese Angst in sich tragen. Er erinnerte an ein kleines ukrainisches Mädchen, das einmal sagte: „Wenn bei mir Frieden ist, baue ich einen großen Spielplatz, wo alle miteinander spielen, auch russische Kinder. Dann sind wir Freunde, wenn wir miteinander spielen und keine Feinde und müssen uns nicht weh tun“. Für Schurr ein wunderbares Bild, der dabei an Herbert Grönemeyer und dessen Lied „Kinder an die Macht“ erinnerte.
Auch erinnerte er an einen Ausspruch des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt, der einmal sagte, „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts“. Für Schurr haben diese Worte nichts an ihrer Aktualität verloren. „Sie machen deutlich, dass es ohne Frieden keine Freiheit, keine Demokratie und keine Zukunft gibt“, so Schurr. Für ihn ist Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg. Natürlich brauche man auch Sicherheit. „Aber wenn nur Waffen mehren und Mauern bauen, verlieren wir den Blick auf das Wesentliche, das Vertrauen zwischen den Völkern und Respekt vor den Menschenrechten“, so der Kommunalpolitiker.
Martina Braun, Grüne
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun betonte, dass der 1. September ein Tag sei, der in aller Deutlichkeit mahnt. „Es ist unsere Verantwortung heute diese Geschichte nicht zu vergessen und ihre Lehren ernst zu nehmen“, so Martina Braun. Zum Motto des DGB, das für eine Politik der Friedensfähigkeit steht, betonte die Landespolitikerin, dass man nicht erst dann über Frieden reden dürfe, wenn der Krieg schon da ist. Vielmehr gelte es Strukturen zu schaffen, die den Frieden möglich waren. Hierzu zählten für Martina Braun Stichworte wie Diplomatie, Abrüstung und Völkerrecht. „Das sind die stärksten Antworten die wir haben, um Gewalt zu verhindern“, sagte die Grünen-Abgeordnete. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, die Gewalt im Nahen Osten und die vielen vergessenen Konflikte zeigen, das man eine internationale Politik brauche, die Menschenrechte schützt, erklärte Martina Braun. Für sie gehöre auch der Klimaschutz zur Friedenspolitik, so die Abgeordnete. Denn die Klimakrise verschärfe Konflikte weltweit, durch Dürren, Hunger, Ressourcenknappheit und Flucht.
Andreas Braun, CDU, Bürgermeister
Aus Unterkirnach war Bürgermeister Andreas Braun (CDU) nach Schwenningen gekommen. Dass man sich auf dem Geschwister-Scholl-Platz versammle, gebe dem Antikriegstag einen besonderen Bezug, so Braun, der an Sophie und Hans Scholl und die Weiße Rose erinnerte, die für Mut, Gewissensstärke und für den Widerstand gegen ein unmenschliches Regime stehen.
„Ihr Vermächtnis verpflichtet uns bis heute“, stellte Andreas Braun fest. Der Antikriegstag ist für ihn kein Blick zurück, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart.
Die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernahm Stefan D. Weisser mit seiner Gitarre, es sang Elisa Peixota.