Ärzte rund um den Kreis Rottweil
: Eine Kündigung, neue Sprechstunden und neue Praxen

In Zeiten des Ärztemangels blicken immer mehr Patienten im Kreis Rottweil über die Kreisgrenzen hinweg. Was tut sich in den Kliniken im Umland? Wo gibt es neue Praxen? Wir haben die Neuigkeiten - samt ernster Warnsignale.
Von
Corinne Otto
Oberndorf
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Ein exponiertes Projekt direkt in Rottweil ist das neu eröffnete Ärztehaus mit chirurgischer Praxisklinik und weiteren Praxen in der Königstraße. Auch im Umland tut sich einiges.

Otto

Im Gesundheitswesen herrscht zumindest gefühlt stetiger Alarmzustand. Viele Patienten suchen verzweifelt nach Praxen und Terminen, über allem schwebt die bevorstehende Schließung der Notfallpraxen – was im Kreis Rottweil Oberndorf und grenzübergreifend Wolfach betrifft. Und die Schließung des gynäkologischen MVZ in Rottweil, das vom Zollernalb-Klinikum betrieben wurde, hatte im Dezember für Entsetzen gesorgt.

Immerhin gibt es aus dem Zollernalb-Klinikum nun andere Neuigkeiten: Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Zollernalb Klinikum bietet ab sofort laut einer Pressemitteilung eine speziell auf junge Mädchen zugeschnittene „Teenie-Sprechstunde“ an.

Maren Mohl (links) und Anna Leinweber sind Ärztinnen der Gynäkologie & Geburtshilfe und bieten die Sprechstunden an.

Foto: Klinikum

Schülerinnen im Alter von 11 bis 14 Jahren haben laut Pressemitteilung die Möglichkeit, in einer sicheren und vertrauensvollen Umgebung mehr über den weiblichen Körper zu erfahren. „Die Teenie-Sprechstunde ist ein wichtiger Schritt, um jungen Mädchen frühzeitig und altersgerecht Wissen über ihren Körper zu vermitteln. Uns liegt besonders am Herzen, dass sie sich sicher und aufgeklärt fühlen, um selbstbewusst mit den Veränderungen ihres Körpers umzugehen“, wird Assistenzärztin Anna Leinweber zitiert.

Ein Angebot, das womöglich auch im Grenzgebiet des Kreises Rottweil auf Interesse stoßen könnte.

Kündigung an der Klinik Freudenstadt

Bewegung gibt es auch im Norden, am Klinikum Freudenstadt – allerdings ist die Nachricht zumindest für den dortigen Standort keine gute: Benjamin König, Chefarzt der Unfallchirurgie und orthopädischen Chirurgie im Freudenstädter Krankenhaus, hat gekündigt. Das gab Landrat Klaus Michael Rückert am Montagnachmittag im Kreistag bekannt.

Bekannte Köpfe

König bleibt allerdings in Reichweite: Er wechselt an das Zollernalb-Klinikum. Dort wird er der neue Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und tritt damit in Balingen die Nachfolge des bisherigen Chefarztes Christian Friz an. Der wiederum ist im Kreis Rottweil gut bekannt: von 2001 bis 2011 war Friz Chefarzt der Chirurgischen Klinik am Kreiskrankenhaus Schramberg; nach dessen Schließung praktizierte er in einer chirurgischen Gemeinschaftspraxis in Schramberg. 2014 ging er ans Zollernalb-Klinikum, dort hört er nun aus persönlichen Gründen auf, wie es heißt.

Neuigkeiten gibt es außerdem aus Trossingen. Dort hat im bislang leerstehenden Erdgeschoss der Reha-Klinik „Bethel“ eine neue Praxis eröffnet. Mohammed Jardawi, der aus Syrien stammt, hat in den leerstehenden Räumen eine Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis eröffnet.

Herzstück der neuen Praxis von Mohammed Jardawi ist der OP-Raum

Foto: Hochheuser

Jardawi hatte zuvor ein halbes Jahr mit dem Orthopäden Badii Khalil in dessen Praxis an der Bahnhofstraße gearbeitet. Nun übernimmt der 41-Jährige die Praxis von Khalil und zieht mit ihr ins Bethel um. Die Praxis ist seit Mitte Februar geöffnet – in den ersten Tagen seien viele Patienten aus dem Umland, darunter auch aus Rottweil, gekommen, berichtet er.

Ärztehaus mit großem Einzugsgebiet

Ein großes Einzugsgebiet hat auch das neue Ärztehaus mit Chirurgischer Praxisklinik in der Königstraße in Rottweil, das im Dezember eröffnet wurde. Bernhard Schönemann, Max Simon und die weiteren sechs Fachärzte der Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) sowie das 41-köpfige Team der Praxis haben hier einen wahren Kraftakt gemeistert. Die überörtliche BAG hat Standorte in Rottweil und Schramberg.

Von einer regelrechten „Arztkrise“ ist derweil in Horb die Rede. Dort sind gleich mehrere Kinderärzte weggefallen – einer hat seine Praxis in eine Privatklinik umgewandelt. Eine Lösung ist hier noch nicht in Sicht.

Warnrufe zur Krankenhausreform

Und dann gibt es – auch das leider keine gute Nachricht – auch erste Warnrufe aus dem Klinikum in Villingen-Schwenningen bezüglich der Krankenhausreform. Diese will es, dass nicht mehr jede Klinik, wie es bislang mehr oder weniger der Fall ist, alle Leistungen anbieten kann und darf.

Und Matthias Geiser, Geschäftsführer des Schwarzwald-Baar-Klinikums in Villingen-Schwenningen, bestätigt bei einem Pressegespräch: 2026 werden die Umwälzungen der Gesundheitsbranche auch die Patienten zu spüren bekommen. Für spezielle Eingriffe weite Wege in Kauf nehmen? Das kann künftig eintreffen. Wenn Kliniken nicht mehr finanziell gesichert werden, werde es zu „Insolvenzen, Fusionen, Verkäufen und Notmaßnahmen“ kommen, warnt Geiser aus Villingen-Schwenningen.

Die Helios Klinik in Rottweil hat sich dazu bislang noch nicht geäußert. Helios hatte zuletzt mit der Bildung eines so genannten „Klinikclusters“ mit dem Standort Überlingen auf die sich verändernden Herausforderungen reagiert.

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