In nicht mal zwei Wochen hat Horb noch einen Kinderarzt weniger für die gesetzlich Versicherten. Das sagen OB Peter Rosenberger (CDU) und Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP).
Das ist das Megathema, was jeden angeht: Die ärztliche Versorgung. In Horb ploppte die Frage wieder auf, als Kinderarzt Michael Nagel im Oktober ankündigte, seinen Kassensitz aufzugeben. Er hat diese Versorgung noch einmal um vier Woche bis Ende Januar verlängert. Unsere Redaktion fragte beide Stadtoberhäupter.
Die Kinderarzt-Krise – man hat das Gefühl, dass die Stadt sauer auf Michael Nagel ist…
Man sollte den Kinderarzt aus dem Feuer nehmen. Ein selbstständiger Arzt darf selbstverständlich auch über seine eigene berufliche Zukunft entscheiden und somit auch die kassenärztliche Zulassung zurückgeben. Mit dieser Entscheidung wird jetzt offenkundig, dass über Jahrzehnte künstliche Hürden aufgebaut wurde. Über Planwirtschaft und über Gremien. Und offensichtlich scheint es sich auch wirtschaftlich für engagierte Ärzte kaum mehr zu rentieren, ohne selbstausbeuterisch die eigene Work-Life-Balance völlig zu vernachlässigen. Dramatisch ist, dass niemand die Verantwortung zu tragen scheint und somit sich auch niemand verantwortlich fühlt, das System zu verbessern. Daran krankt das ganze System. Zimmermann: „Das ganze System aus kassenärztlichen Vereinigung und Ärzteschaft versteht sich anders, als die Versorgungssicherheit vor Ort sicher zu stellen.“
Empfingens Bürgermeister, der die Xundmacher-Kampagne angestoßen hat, hat aktuell keine Räume für einen neuen Kinderarzt. Wie ist die Lage in Horb?
Wir haben einen ehemaligen Hausarzt, der eine Praxis hat, die zur Verfügung stünde. Wir haben Immobilien in der Stadt, die man in kürzester Zeit ertüchtigen könnte. Dazu kommt: Frau Dr. Schmid vom Ärztehaus in Dettingen würde sofort einen Kinderarzt anstellen. Die vorhandenen Kapazitäten sind in Horb nicht das Problem.
Hat die Xundmacher-Kampagne inzwischen etwas gebracht?
Bisher leider zu wenig. Bei Truffner hat sich wohl ein Arzt gemeldet – aber daraus hat sich noch nichts Ernsthaftes ergeben. Wir wollen uns nicht vorwerfen lassen, nicht alles versucht zu haben. Wichtig ist auch das Signal aus dieser Kampagne: Die Politik bekommt es mit. Und alle, die Entscheidungen treffen sollten.