DRK probt rund um Nagold: Was tun, wenn das Erdbeben zuschlägt?

Die Retter vom DRK probten auch in der Nacht.
K. ReetzEin starkes Erdbeben im Zollern-Graben erschüttert Süddeutschland: Gebäude stürzen ein, die Infrastruktur ist massiv beschädigt, Rettungskräfte sind überlastet – und das Ehrenamt spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Katastrophe. So lautete das übergeordnete Szenario des Übungswochenendes des DRK-Ortsvereins Nagold/Wildberg und der Malteser Rettungshundestaffel Rottenburg.
Von Samstag, 3 Uhr morgens, bis Sonntag, 15 Uhr, stellten sich die Helferinnen und Helfer herausfordernden Rettungseinsätzen – realistisch nachgestellt und mit großer Detailtreue organisiert.
Erste Rettungseinsätze unter schwierigen Bedingungen
Noch in tiefer Dunkelheit begann der erste Einsatz im Schotterwerk Mast in Wildberg-Sulz. Sechs Personen galten nach dem Erdbeben als vermisst. Eine unwegsame Trümmerlandschaft machte die Suche für die Rettungshunde schwierig, doch mit beeindruckender Präzision spürten sie nach und nach die Verletzten auf. Einige waren unter Geröll eingeschlossen, andere litten unter Schock und mussten beruhigt und medizinisch erstversorgt werden.
Nachdem die Sanitätskräfte des DRK die Patienten stabilisiert hatten, übernahm der DRK-Ortsverein Neubulach/Neuweiler den Weitertransport. Mit zwei Notfallkrankenwagen des Katastrophenschutzes wurden die Verletzten ins Klinikum Nagold gebracht, wo das in die Übung eingebundene Notaufnahmepersonal bereitstand.
Hunde können vermisste Person bald lokalisieren
Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Einsatzes im Schotterwerk Mast führte die nächste Alarmierung die Malteser Rettungshundestaffel in den Steinbruch nach Mötzingen. Dort galt es, eine vermisste Person in unwegsamem Gelände aufzuspüren. Die Hunde arbeiteten sich durch das unübersichtliche Areal und konnten die Person zügig lokalisieren. Nach der medizinischen Erstversorgung durch die Einsatzkräfte wurde sie in Sicherheit gebracht.
Währenddessen nutzte die DRK-Bereitschaft die Zeit für eine Plenumsdiskussion zum Thema Zivil- und Katastrophenschutz. Dabei wurde auch die aktuelle weltpolitische Lage und deren Auswirkungen auf die ehrenamtlichen Strukturen im Bevölkerungsschutz thematisiert. Die Teilnehmer tauschten sich über Herausforderungen und Lösungsansätze aus, um die Einsatzbereitschaft auch in Krisenzeiten sicherzustellen.
Explosionsunglück bei einer Feier im Bauwagen
Nach einer kurzen Verschnaufpause und Zeit zur Kameradschaftspflege führte der nächste Einsatz die DRK-Bereitschaften Nagold/Wildberg, Rohrdorf/Ebhausen und Neubulach/Neuweiler nach Vollmaringen. Dort hatte es infolge eines Stromausfalls während einer Feier im Bauwagen eine Verpuffung gegeben. Ein Ofen, der zur Beheizung des Raumes genutzt wurde, war fehlerhaft belüftet, wodurch sich eine gefährliche Gasansammlung entzündete.
16 Übungsdarsteller der Narrenzunft Vollmaringen, realitätsnah geschminkt mit Brandverletzungen, Platzwunden und Rauchgasvergiftungen, simulierten die Opfer. Das Szenario stellte die Einsatzkräfte vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Patienten mussten kategorisiert und nach Dringlichkeit behandelt werden, während die Lage vor Ort chaotisch und emotional angespannt war. Die Helfer bewiesen hohe Professionalität, beruhigten Verletzte und Angehörige, während sie parallel lebensrettende Maßnahmen durchführten. Besonders schwer verletzte Patienten wurden priorisiert ins Klinikum Nagold transportiert.
Währenddessen trainierte die Malteser Rettungshundestaffel in einem alten Fabrikgebäude in Dillweißenstein eine der anspruchsvollsten Disziplinen der Rettungshundeausbildung: die Trümmersuche und das Abseilen von Hund und Hundeführer. Dies sind entscheidende Fähigkeiten, wenn Gebäude einstürzen und herkömmliche Zugänge unpassierbar werden. Die Hunde bewiesen dabei eindrucksvoll ihre Gelassenheit und Präzision in schwierigen Situationen.