Steinen: Was den Radfahrern unter den Nägeln brennt

Auf der Wiesebrücke kommen sich Rad- und Autofahrer manchmal in die Quere.
Christoph SchennenEin Resultat: Viele Radfahrer fühlen sich noch nicht sicher genug im Straßenverkehr.
Die Gemeinde Steinen durfte im vergangenen Jahr zum ersten Mal beim bundesweiten ADFC Fahrradklima-Test mitmachen. Wolfram Uhl, Vorsitzender des Vereins IG Velo Landkreis Lörrach, hat im Bauausschuss die Ergebnisse für Steinen vorgestellt. Die Wiesentalgemeinde hat bei dem Test Platz 272 erreicht, es gibt also noch Potenzial, den Radverkehr in der Gemeinde zu optimieren. Besonders wichtig ist den Steinenern, dass Rad- und Autoverkehr konfliktfrei miteinander auskommen. Sie wünschen sich, dass Radfahrer als Verkehrsteilnehmer besser akzeptiert werden. Am wichtigsten ist den Umfrageteilnehmern jedoch, dass die Radfahrer sicher unterwegs sind. Die Sicherheit im Radverkehr wurde mit 4,4 im Durchschnitt relativ schlecht bewertet. Schlechte Noten gab es auch für den Überholabstand (4,5), das Fahren im Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen (4,6), das Fahren aus Radwegen und Radfahrerstreifen (4,6) und die Falschparkerkontrolle auf Radwegen (4,8). Dass es keinen Fahrradverleih in Steinen gibt, wurde bemängelt, gleichzeitig aber auch nicht als so wichtig empfunden. Die Bürger haben auch Angst, dass ihr Fahrrad gestohlen wird. „Fahrraddiebstähle sind ein Problem, dass wir im gesamten Landkreis haben“, sagte Uhl.
Aggressive Fahrradfahrer
Die Umfrageteilnehmer durften auch Verbesserungsvorschläge machen. Kritisiert wurde, dass an der Wiesebrücke der Schutzstreifen nicht respektiert und der Sicherheitsabstand nicht beachtet wird. Geäußert wurde auch, dass sich in Steinen überproportional viele Fahrradfahrer aggressiv verhalten und den Gehweg als Radstrecke nutzen. Andere Bürger kritisierten die mangelnde Fahrradweganbindung an die Teilorte, mangelnde Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, zu kurze und zu schmale Radwege, das Fehlen von gegenseitiger Rücksichtnahme und die Sperrung der Landesstraße für den Radverkehr zwischen Steinen und Hauingen.
Was die Räte sagen
Reiner Eiche (SPD) plädierte für ein gesundes Miteinander auf beiden Seiten. Stefan Glaser (CDU) forderte die Verwaltung auf, einfache Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs umzusetzen und zu schauen, wo man noch Fördermittel bekomme, um auch größere Projekte umzusetzen. Er plädierte auch an die Vernunft von Auto- und Radfahrern, sich im Straßenverkehr rücksichtsvoll zu verhalten. Sabine Glaser (CDU) hat beobachtet, dass fahrradfahrende Kinder, die beispielsweise am Steinenbach unterwegs sind, unsicher sind, wenn ein Traktor ihnen folgt. Bürgermeister Gunther Braun schwebt vor, dort die Verkehrsfläche aufzuteilen; auf einem Streifen dürfen sich dann nur die Radfahrer, auf dem anderen Streifen nur die Fußgänger bewegen. Unerhört sei es, wenn die Leine des Hundes über den gesamten Weg gespannt sei.
Almut Steyer (SPD) kritisierte den Zustand des Fahrrad- und Fußgängerweges, der von der L 135 abbiegt und nach Steinen führt. Es gebe dort Schlaglöcher. Der Weg dort sei im Privatbesitz, teilte ihr der Bürgermeister mit.
Die IG Velo wünscht sich, dass der Radschnellweg zwischen Wiesebrücke Steinen und der Wiese bei Brombach als erster Bauabschnitt realisiert wird. Radanbindungen müssten allwettertauglich sein. „Sand in der Kette macht das Rad kaputt“, sagte Uhl.
Die Anbindung ans Klinikum erfolge im Idealfall mit einer kombinierten Fuß- und Velounterführung. Gewünscht wird auch eine Querungshilfe nahe der Auffahrt von Brombach zur B 317. Die Verwaltung sollte ebenfalls ein Augenmerk auf verkehrslenkende Maßnahmen an der Landesstraße nach Steinen werfen.
Auch die Einmündung des Velowegs an der Wiesebrücke müsste unbedingt verbessert werden, hieß es in der Sitzung des Bauausschusses.
Uhl will nun im Amtsblatt regelmäßig Texte zu Verkehrsthemen veröffentlichen. Er will die Autofahrer unter anderem über den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand, über das Halten auf Fahrradstreifen und den Umgang mit Fahrradschutzstreifen unterrichten.