Restaurant in Weil am Rhein: Der Altweiler „Adler“ fliegt wieder

Ein Restaurant, dessen Glanz weit über Weil am Rhein hinaus strahlte, war der „Adler“ zu Zeiten von Sternekoch Hansjörg Wöhrle. Der neue Pächter ruft diesen guten Ruf bei den Restaurantbesuchern in Erinnerung.
Beatrice EhrlichKurz vor Weihnachten kann Caner Cavdar, seit März dieses Jahres neuer Wirt im „Adler“ in Alt-Weil, ein Strahlen nicht verbergen.
An den Weihnachtsfeiertagen und an Silvester ist der „Adler“ so gut wie ausgebucht.
Dass das Hotel, in dem er die Zahl der Zimmer durch die Umwandlung von Personalwohnungen in Suiten und Hotelzimmer von 26 auf 30 erhöht hat, gut laufen würde, hatte er schon gewusst.
Der Restaurantbetrieb habe sich indessen positiver entwickelt, als er es sich zuvor vorgestellt hat. „Ich hätte nicht erwartet, dass das von den Weilern so gut angenommen wird“, sagt er.
Der „Spatz“ könnte bald wieder eröffnen
Es läuft über die Maßen gut im „Adler“, so gut, dass Cavdar mittlerweile auch über die Wiedereröffnung des Kellerlokals „Spatz“ gleich nebenan nachdenkt.

Umgeben von geschichtsträchtigen Bildern: Caner Cavdar im Gastraum des „Adler“, den er seit Anfang März gepachtet hat.
Foto: Beatrice EhrlichNicht, dass dort derzeit nichts liefe: Hochzeiten und Geburtstage werden im „Spatz“, gewissermaßen dem kleinen Bruder des „Adlers“ auch jetzt schon gefeiert, zuletzt gab es in der vergangenen Woche einen Fondue-Abend mit 50 Gästen. Doch dafür muss das Lokal eigens reserviert werden, feste Öffnungszeiten gibt es bisher nicht.
Konzepte der Vorgänger schlugen nicht an
Doch zurück zum „Adler“: Inhaber Wolfgang Würzburger machte zunächst keine Aussagen über einen Nachfolger, als Sarah und Christian Habeck nach eineinhalb Jahren im Dezember 2024 die Segel strichen.
Es war den beiden erfahrenen Gastronomen mit Schwerpunkten im VitraHaus-Café und dem Personalrestaurant der Binzener Firma Glatt nicht gelungen, einen festen Personalstamm für das Weiler Traditionsgasthaus aufzubauen. Sie waren mit ihren Kräften am Ende.
Dabei hatte der „Adler“ in Alt-Weil einen ausgezeichneten Ruf. Ein Michelin-Stern prangte viele Jahre über dem Haus, als Hansjörg Wöhrle dort in der Küche das Szepter schwang. Viele bedeutende Gäste, unter ihnen etwa der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau, fanden sich in der holzverkleidetem Stube zum Tafeln ein.
Würzburgers Wahl unter mehreren Nachfolger-Kandidaten fiel auf Caner Cavdar, Textil- und Tourismusunternehmer sowie Gastronom, der die „Tanne“ in Fischingen gekauft und innerhalb weniger Jahre wieder flott und zu einem Vorzeigeobjekt gemacht hatte. Seit März ist er der neue Pächter des Weiler Restaurant-Flaggschiffs.
Cavdar ist kein Koch, wie rund ein dreiviertel Jahr später beim Besuch in seinem Gasthaus selbst sagt. In Antalya in der Türkei hat er Tourismus mit Schwerpunkt Hotel- und Reisemanagement studiert und in bedeutenden Hotels gearbeitet.
Vielleicht nicht die schlechteste Basis für einen Neuanfang: Wie man erfolgreich Personal rekrutiert, dass wisse er, sagt Cavdar. Er verweist stolz auf seine jüngste Ausschreibung, auf die die sich um die 30 Personen gemeldet hätten.
Sein Team sei nun schon fast komplett, einige stabile und gute Vollzeitkräfte mehr im Service würde er sich aber noch wünschen.
Drei gelernte Köche waren bislang im „Adler“ fest angestellt, teilweise haben sie in namhaften Häusern in der Region gearbeitet. Ein vierter, der in einem Fünf-Sterne-Hotel in der Türkei gearbeitet hat, ist am Montag hinzugekommen.
Gekocht werde im „Adler“ deutsche, gutbürgerliche Küche, mit regionalen badischen und saisonalen Schwerpunkten, wie Cavdar betont. Kalbsleberli und Rehrücken sind auf der Karte ebenso zu finden wie Schnitzel mit Pommes frites oder Wurstsalat mit Brot.
Nachdem er es von Beginn an etwas langsamer habe angehen lassen, um erst einen verlässlichen Stamm an Personal aufzubauen und quasi mit der Nachfrage zu wachsen, habe diese nach der Einführung eines Mittagstischs Mitte Oktober stark angezogen.
Dort gibt es jede Woche eine neue Karte, jeweils vier verschiedene Gerichte stehen zur Wahl, mit Fisch, Fleisch oder vegetarisch , „so dass jeder etwas findet“.
Alte Bilder wurden wieder aufgehängt
Den Weilern sei das wichtig, sagt er, sie kommen gern mittags zum Essen. Oft melden sie sich bald darauf mit einer größeren Gruppe an. „Für uns ist das gut.“
Dass er die alten Bilder wieder im Gastraum habe aufhängen lassen, komme bei den Gästen gut an, sagt Cavdar. Darunter befinden sich Fotos und Bilder aus dem Familienbesitz der Wöhrles. Im Eingangsbereich, wenn man vom Hof aus kommt, hängen Fotocollagen mit berühmten Gästen Wöhrles. „Das Haus lebt auch vom guten Ruf von damals.“
Da das Geschäft antizyklisch zum Jahresende so angezogen habe, rechnet Cavdar für den kommenden Sommer, wenn die Hotelgäste wieder kommen, mit weiterem Zuwachs. Spätestens dann werde es Zeit, dass auch der „Spatz“ wieder in die Lüfte steigt.
Info: Das Gasthaus „Adler“, Hauptstraße 139, Weil am Rhein, ist täglich von 11.30 bis 14 Uhr und abends von 17 bis 21.30 Uhr geöffnet. Kontakt per E-Mail an hotel@adler-weil.de oder unter Tel. 7621/98230.