MVZ-Studie abgesegnet: Damit soll die Versorgung verbessert werden

Auf diesem Areal soll das neue MVZ entstehen – im Hintergrund das ehemalige Krankenhaus.
Uwe ThomesZur von Rheinfeldens Oberbürgermeister Klaus Eberhardt postulierten nachhaltigen Gesundheitsversorgung der Stadt soll die Eröffnung eines neuen MVZ beitragen, welches durch die Städtische Wohnbaugesellschaft mbH zwischen Römerstraße und Müßmattstraße und den Gebäuden des DRK und der Feuerwehr erbaut und danach von ihr an die Stadt vermietet werden soll. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie war Hauptthema der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vom Donnerstag.
Not in Versorgung
Die Einrichtung dieses MVZ wird nicht nur von der Stadtverwaltung gepusht, sondern auch von den Gemeinderäten unisono begrüßt, jedoch: „Die Not in der Gesundheitsversorgung ist damit nicht aufgefangen und macht dem Förderverein für Gesundheitspflege sowie der Ärzteschaft nach wie vor große Sorgen.“ So äußerte sich SPD-Gemeinderätin Hannelore Nuß kürzlich im Namen des Vorstands des Fördervereins.
Dies wird grundsätzlich von Nicole Riße-Hasenkamp, Leiterin der kommunalen Gesundheitsförderung, bestätigt: „Im Mittelbereich Rheinfelden fehlen momentan unter anderem acht Hausärzte.“ Rheinfeldens OB gab Bernd Birlin von den Freien Wählern grundsätzlich Recht auf die Frage, ob dieses Problem nicht in den Aufgabenbereich der Kassenärztlichen Vereinigung falle und die Stadt nun deren Aufgabe übernehme. „Es gibt einen Paradigmenwechsel. Die Stadt wird sich der Gesundheitsversorgung der Bürger teilweise selbst annehmen müssen.“
Multifunktionale Nutzung
Riße-Hasenkamp gab am Donnerstagabend einen Überblick über den Verfahrensstand in Sachen neues MVZ. Die Lage sei von der Größe her und auch durch die unmittelbare Nähe zum dicht besiedelten Wohngebiet ideal; ein guter Anschluss an den öffentlichen Verkehr sei ebenfalls gegeben. Umstände, welche von Gemeinderätin Karin Paulsen-Zenke (SPD) begrüßt wurden.
Das multifunktional angelegte Konzept sieht im neuen MVZ-Gebäude nicht nur neue Arztpraxen vor, inklusive einer Notfallambulanz. Es sollen unter anderem eine Apotheke, ein Sanitätshaus, eine Anwaltskanzlei, ein Café, Beratungsstellen sowie Büroräume eingerichtet werden. Die Sozialstation soll in den Neubau ziehen und das Seniorenbüro der Stadt sowie das Case Management könnten ebenfalls dort einziehen. Die oberen Geschosse bestehen aus Wohneinheiten. Eine genaue Raumbedarfsermittlung soll noch in diesem Herbst erfolgen.
Transparenz sei wichtig
Danach wird es mit allen Beteiligten einen Runden Tisch geben mit und daraufhin sollen die Fördermittel beantragt werden. Das genaue Nutzungskonzept wird erneut in den Gremien diskutiert werden. OB Eberhardt versprach eine fortlaufende und transparente Orientierung über die Fortschritte des Projekts, das mit Anlagekosten von rund 20 Millionen Euro beziffert wurde.
Der aktuelle Stand sei, so berichtete Markus Schwamm von der Wohnbaugesellschaft, dass ein erstes Konzept erstellt und erste Untersuchungen wie Schallschutz vorgenommen wurden. Rechtliche Vorgaben, zum Beispiel zum Ausschreibungsverfahren, seien in der Abklärung.
„Die Städtische Wohnbau ist bisher noch nie durch verzögertes Handeln aufgefallen“, beruhigte Eberhardt entsprechende (nicht geäußerte) Bedenken. Potenzielle Interessenten, die dort einziehen könnten, seien vorhanden, beantwortete die Gesundheitsbeauftragte die Frage von Markus Hiltensberger (CDU). Einige könnten die Fertigstellung abwarten, mit anderen müsse eine Interimslösung gefunden werden.
Sieben Geschosse geplant
Architekt Hans Jakel vom Karlsruher Architekturbüro GJL+ Freie Architekten, welches mit der Planung ähnlicher Projekte wie dem neuen MVZ bereits Erfahrungen hat, stellte den Mitgliedern des Ausschusses das projektierte Vorhaben aus baulicher Sicht näher vor. „Das Grundstück ist sehr gut planbar.“ Vom Kreisel entlang der Römerstraße soll ein langes und schlankes siebengeschossiges Gebäude mit zwanzig Metern Gebäudetiefe entstehen, das eine resiliente Struktur mit festen Kernen aufweist und neben der Einrichtung mit Arztpraxen eine flexible Nutzung mit Büroräumen und Wohneinheiten zulässt. „Auf individuelle Bedürfnisse kann eingegangen werden.“ Weil der Bau mit seiner Schmalseite in Richtung Dinkelberg errichtet werde, sollte er keinen Riegel für die von dort hereinströmende wichtige Kaltluft sein, begegneten Jakel und Eberhardt entsprechenden Bedenken, welche von Rainer Vierbaum (CDU) und Jörg Moritz-Reinbach (Grüne) in Bezug auf die Stadtklimaanalyse geäußert wurden.
78 oberirdische Parkplätze sollen dem Komplex zur Verfügung stehen. „Die modulare Bauweise ermöglicht Erweiterungen und verspricht ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit“, kommentierte Eberhardt.
Hausärzte fehlen weiterhin
Ob nach der Fertigstellung des Gebäudes das Manko in Form acht fehlender Hausärzte behoben sein wird, scheint eher fraglich – aufgrund der Altersstruktur der noch aktiven Hausärzte ist eine Korrektur des Fehlbestands nach oben möglich. Auch die Zielsetzung, bis Herbstende einen genauen Raumbedarf zu ermitteln, dürfe als durchaus sportlich bezeichnet werden. Wichtig ist es jedoch sowohl der Stadtverwaltung als auch dem Gemeinderat, den Rheinfelder Bürgern zu signalisieren, dass Schritte unternommen werden, den desaströsen Zustand des örtlichen Gesundheitsstandortes zu verbessern.
Im Anschluss wurde die Bebauungsplanänderung, beinhaltend den Änderungsbeschluss für ein Gesundheitszentrum, mit einstimmiger Befürwortung der Gemeinderäte auf den Weg gebracht, ebenso wie die Aufstellung des Bebauungsplans „Nollinger Berg“ mit Aufhebung der Veränderungssperre sowie einer Änderung des Flächennutzungsplans für eine zukünftige Nutzung des Krankenhausareals als Wohnfläche.
Auf dem Grundstück soll nun eine Wohnüberbauung mit rund 500 Wohneinheiten entstehen, welche ebenfalls durch die Städtische Wohnbaugesellschaft realisiert wird.
Eine Zustimmung des kompletten Gemeinderats in seiner Sitzung am Donnerstag, 25. September, gilt als Formsache.