Spitzenkandidat in Empfingen
: Auch Cem Özdemir geht im Empfi-TV auf Sendung

Der Grünen-Spitzenkandidat diskutierte mit Bürgermeister Ferdinand Truffner im Schotterstüble über zentrale Themen für Baden-Württemberg und Empfingen.
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(red/pm)
Oberndorf
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Zum Abschluss überreichte Ferdinand Truffner seinem Gast Cem Özdemir ein symbolisches Päckchen für den „Rußigen“.

Christopher Heinz

Die „Epfenger Dorfgespräche“ gehen in die nächste Runde – und bleiben ihrem Anspruch treu, politische Bandbreite, kommunalpolitische Themen und Projekte offen zu diskutieren.

In Folge fünf empfing Bürgermeister Ferdinand Truffner nun den Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir im Schotterstüble, oberhalb der Burgruine Wehrstein.

Zweiter Spitzenkandidat zu Gast Nach dem CDU-Politiker und Truffners Parteifreund Manuel Hagel war damit auch der zweite aussichtsreiche Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten für Baden-Württemberg zu Gast im Format von „EmpfiTV“, dem YouTube-Kanal der Gemeinde Empfingen.

Im Dezember, vor Weihnachten, sprach Truffner mit Hagel, nun zur Fasnet mit Özdemir. Wer vor Weihnachten noch gemutmaßt hatte, das Hagel-Video sei verdeckte Wahlkampfunterstützung gewesen, dürfte sich nun korrigieren müssen: Truffner demonstriert Neutralität – allerdings mit klarem Auswahlkriterium. Eingeladen werden nicht alle, sondern jene mit realistischen Chancen auf das höchste Amt im Land, erklärt Truffner.

Özdemirs Zeit in Freudenstadt – Freunde im Raum Horb Mehr als 30 Minuten dauerte das Gespräch. Locker im Ton, dicht im Inhalt und getragen von spürbarer gegenseitiger Wertschätzung. Man duzte sich, spielte sich die Bälle zu – und bewies, dass parteiübergreifender Austausch auch im Wahlkampf möglich ist. Özdemir zeigte sich dabei mit der Region bestens vertraut: Zwei Jahre absolvierte er seine Erzieherausbildung an der Oberlinschule in Freudenstadt, zudem pflegt er persönliche Kontakte im Raum Horb. Auf die Bitte, Baden-Württemberg in drei Worten zu beschreiben, antwortete der 60-Jährige schmunzelnd: „Hier isch’s schön.“

Kommunale Themen im Fokus Auch das Setting war bewusst gewählt: Brezeln – das Ur-Gebäck aus Bad Urach, Özdemirs Heimat und regionale Getränke der Imnauer Fürstenquelle. Es gab humorvolle Spitzen gegen die CSU, kleine Neckereien untereinander – und dennoch klare Unterschiede in der Sache. Genau diese Mischung macht den Reiz des Formats aus.

Das sagt Özdemir zum interkommunalen Gewerbegebiet

Trotz der lockeren Atmosphäre setzte Truffner gezielt kommunalpolitische Akzente. Das interkommunale Gewerbegebiet mit Horb nannte Özdemir „klasse“. Die geplanten Projekte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt fanden ebenfalls positive Resonanz – während sie Hagel bereits aus vorherigen Gesprächen mit dem Bürgermeister kannte.

Truffner selbstbewusst: „Da kannst Du dir Empfingen merken, da gibt’s den ein oder anderen Spatenstich in der nächsten Zeit.“

Artenschutz und Ortsumfahrung Ein zentrales Thema war die seit Jahren diskutierte Ortsumfahrung. Truffner kritisierte die unterschiedlichen Bewertungen beim Artenschutz durch verschiedene Behörden. Özdemir stellte klar: Entscheidend sei der Schutz der Population – etwa der Feldlerche – insgesamt, nicht jedes einzelne Exemplar. Sonderregelungen müssten möglich sein, sofern der Bestand gesichert bleibe. Ein pragmatischer Ansatz, der im ländlichen Raum auf offene Ohren stoßen dürfte.

Bürokratieabbau ein zentrales Thema

Auch der Bürokratieabbau bekam breiten Raum. Sollte er Ministerpräsident werden, wolle er „ab dem ersten Tag“ Prozesse schneller, einfacher und digitaler gestalten. Mit einem Augenzwinkern brachte er sogar gemeinsame Reisen – oder gar eine Abwerbung Truffners nach Berlin oder Brüssel ins Spiel – um zu zeigen, dass Baden-Württemberg Reformen kann. Die Botschaft war klar: Verwaltung muss den Unternehmen dienen – nicht umgekehrt. Gleichzeitig forderte Özdemir eine Kultur des Vertrauens. Bürokratieabbau funktioniere nur, wenn Konflikte im Dialog gelöst würden – und nicht jeder kleine Nachbarschaftsstreit zum Politikum werde.

Zwei gebrochene Finger beim Handball Persönlich wurde es beim Thema Handball. Zwei gebrochene Finger im vergangenen Jahr – einer blieb krumm, „sonst aber alles paletti“. Für das Amt des Ministerpräsidenten brauche es Handball-Tugenden: „Hart in der Sache, aber immer fair und anständig.“ Zum Abschluss überreichte Truffner seinem Gast ein symbolisches Päckchen für den „Rußigen“ – den höchsten Feiertag der Empfinger Fasnet am 4. Februar 2027. Özdemir sagte mit einem Lächeln sein Kommen zu. Ob diese Zusage auch nach der Wahl Bestand hat? Die Sicherheitsbehörden tun sich am Rußigen bekanntlich immer wieder schwer mit der Kontrolle der Rußhexen – ein Termin also mit ganz eigenem Reiz für die Personenschützer von Özdemir.

Gespräch über Parteigrenzen hinweg Folge fünf der „Epfenger Dorfgespräche“ zeigt: Politische Gespräche jenseits von Schlagabtausch und Parteischablonen sind möglich. Ferdinand Truffner versteht sein Format sichtbar parteiunabhängig – und zugleich strategisch klug. Mit Hagel und Özdemir holte er politische Schwergewichte nach Empfingen, macht kommunale Anliegen sichtbar im Gespräch mit Alt- und Neu-Landrat des Landkreises und platziert seine Gemeinde selbstbewusst auf der Landkarte.

Auf die Frage, warum er beide Kandidaten eingeladen habe, antwortete er keck: „Beide Männer sind aussichtsreiche Kandidaten für das höchste Amt im Land. Deshalb ist es wichtig, dass beide wissen, was uns in Empfingen bewegt – und wo Empfingen überhaupt liegt.“ Netzwerken sei schon immer seine Stärke gewesen, geschadet habe es bekanntlich noch nie.

Das Fazit Am Ende präsentierte sich Cem Özdemir volksnah, humorvoll und programmatisch klar – mit Schwerpunkten bei Bürokratieabbau, Digitalisierung, Stärkung des Handwerks und pragmatischen Lösungen für den ländlichen Raum.

Die Gesprächsreihe erfülle damit weiterhin ihren Zweck: politische Prominenz nach Empfingen holen, kommunale Themen ins Rampenlicht rücken und die Attraktivität der Gemeinde steigern. Man darf gespannt sein, wen Truffner für Folge sechs ins Schotterstüble bittet.

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