Auszeit von Thomas Bareiß
: Wahlkreis wäre bei Rücktritt unbesetzt – muss er deshalb weitermachen?

Aussitzen ist neuerdings bei der CDU angesichts der schlechten Umfragewerte keine Option mehr. Das könnte Thomas Bareiß den Job kosten. Wenn da nicht der Wahlkreis wäre: Einen Nachrücker gibt es nicht vor Ort.
Kommentar von
Ernst Klett
Zollernalbkreis
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CDU-Politiker Thomas Bareiß: ARCHIV - 20.10.2023, Berlin: Thomas Bareiß (CDU/CSU), Mitglied des Deutschen Bundestags, spricht im Plenum des Deutschen Bundestages. (zu dpa: «Erklärung des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß im Wortlaut») Foto: Serhat Kocak/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen, Thomas Bareiß, im Bundestag. Wird er nach seiner Auszeit jetzt in der Sommerpause weitermachen?

Serhat Kocak/dpa

Haben Sie es gemerkt? Ein enormes Aufatmen ist durch die Region gegangen. Und das nicht allein bei Menschen mit einem CDU-Parteibuch. Auch der Rest der Bevölkerung dürfte erleichtert sein, dass sich der Fall Bareiß nicht noch mehr in die Länge zieht. Der Unfallfahrer mit der Substanz im Blut nimmt eine Auszeit während der Sommerpause. Wenn diese in einen Rücktritt mündet, würde einen das nicht wundern.

Auswege aus der Misere blockiert

Egal, ob es der Bundestagsabgeordnete hätte versuchen wollen: Die Staatsanwaltschaft hat spätestens mit der Mengenangabe der synthetischen Droge, die nach dem Verkehrsunfall am 12. Juli im Bareiß-Blut festgestellt worden ist, alle Fluchtwege raus aus der Misere blockiert. Eine „relevante Menge“, die ist kein Zufall, und die wird einem auch nicht unwissentlich untergejubelt. In seiner Erklärung vom Mittwoch räumt der 51-Jährige das auch mehr oder weniger offen ein. Hätte er es weniger verklausuliert gemacht, man hätte ihm die Hand schütteln mögen. Vielleicht mit dem Zusatz: „Beim nächsten Mal nicht so lange warten.“

Aber für Bareiß dürfte es dieses nächste Mal eher nicht geben. Er kann dem Wahlvolk nur noch schwer vermittelt werden. Dass die Partei sich von ihm distanzieren dürfte, zeigt die Reaktion des CDU-Bezirksvorstands Württemberg-Hohenzollern. Dem sitzt Bareiß bislang vor.

Zur Auszeit-Ankündigung hat er gleich noch wissen lassen, dass er nicht mehr für den Bezirksvorsitz kandidiert. Gefühlt drei Wimpernschläge später kam von seinen Bezirksstellvertretern die Meldung, dass der Vorstand gleich (!) nach der Sommerpause tagen und einen Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin für den Parteitag im Oktober vorschlagen wird. Ein Schelm, der behauptet, diese Pressemeldung sei schon vor einigen Tagen vorbereitet worden.

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Bei der CDU will man neuerdings Problemfälle rasch erledigen. Die Umfragewerte sind einfach zu schlecht. Dem Ex-Fraktionschef Jens Spahn wurde der Versuch barsch verwehrt, seinen Leihmutter-Skandal bis nach der Sommerpause auszusitzen. Für Thomas Bareiß spricht, dass er erst gar keinen Versuch unternommen hat.

Aufgeben – oder den Wahlreis retten

Ob er nach der Auszeit wieder zurückkommt? Wenn nicht, hätte der Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen keinen Bundestagsabgeordneten mehr. Das könnte ein starkes Argument sein, dass er weitermacht. Wenn er das selbst überhaupt will und kann.

Die CDU plagt sich derweil auch an der Basis: Kaum ist der Wahlkreis Tübingen-Hechingen nachträglich doch noch besetzt, droht der Verlust in der direkten Nachbarschaft.