Tag 2 nach Sachsen-Anhalt
: CDU-MdB Christoph Naser: Gemeinsam mit Herzblut für die Mitte kämpfen

Während der Kanzler sich selbst besser rüberbringen will, erneuert der Tübinger-Hechinger Christdemokrat Christoph Naser seine Forderung, dass sich die Partei inhaltlich und personell wieder breiter aufstellen müsse. Auf die Höhe der Zeit müsse die CDU auch wieder kommen.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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War da die Welt noch in Ordnung? Der Tübinger-Hechinger Bundestagsabgeordnete Christoph Naser (vorn, Mitte) Ende Juli bei einer Stippvisite mit Parteifreunden auf dem Hechinger Marktplatz. Man wusste damals schon, dass es die CDU in Sachsen-Anhalt nicht packen würde.

War da die Welt noch in Ordnung? Der Tübinger-Hechinger Bundestagsabgeordnete Christoph Naser (vorn, Mitte) Ende Juli bei einer Stippvisite mit Parteifreunden auf dem Hechinger Marktplatz. Man wusste damals schon, dass es die CDU in Sachsen-Anhalt nicht packen würde.

Ernst Klett
  • CDU-MdB Christoph Naser fordert eine inhaltlich und personell breitere Aufstellung.
  • Er sieht veraltete Strukturen: Die CDU müsse „auf der Höhe der Zeit“ sein.
  • Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt spricht er von „Eruption der Unzufriedenheit“.
  • Ein Anti-AfD-Kurs reiche nicht – überzeugende Politik für die Mitte sei nötig.
  • Naser bekennt sich zum Reformkurs der Bundesregierung und kritisiert die AfD-Agenda.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ganz Europa und Teile der Welt schauen auf ein deutsches Bundesland mit knapp 2,1 Millionen Einwohnern. Mit gemischten Reaktionen. Während andere Rechte über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD jubeln, kommen bei den Polen die Erinnerungen an den deutschen Überfall am 1. September 1939 wieder hoch. Und die Parteienlandschaft in Deutschland? Man übt sich, so könnte man an Tag 2 nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt meinen, vorzugsweise in Parolen. Gefordert wird viel, aber das Patentrezept, wie noch mehr Rechtsruck verhindert werden kann, hat niemand.

MdB Naser ist in Berlin längst angekommen

Christoph Naser, vor knapp über 100 Tagen als Nachrücker und eigentlich direkt gewählter Bundestagskandidat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen doch noch in Berlin gelandet, scheint in der Bundespolitik und seiner Partei durchaus angekommen. Vor wenigen Tagen hat er als einer von bislang drei Bewerbern seinen Hut in den Ring geworfen für die Nachfolge des CDU-Bezirksvorsitzes Württemberg-Hohenzollern, den sein Partei- und Abgeordnetenkollege Thomas Bareiß nach seinem Unfall unter Drogeneinfluss freigemacht hat.

Und auch mit Kommentaren zu Sachsen-Anhalt hält sich der evangelische Pfarrer mit Pfarrstelle in Bodelshausen (bis vor knapp über 100 Tagen) nicht zurück. Naser liest der Union zwar vorsichtig, aber vergleichsweise direkt die Leviten: Grundsätzlich müsse die CDU inhaltlich und personell wieder breiter aufgestellt werden. Das hatte er bereits in einem Kommentar zu Thomas Bareiß verlangt, bevor er dann seine Kandidatur öffentlich gemacht hat.

Wie das breitere Aufstellen konkret funktionieren soll, dazu sollte Naser allerdings noch liefern. Immerhin bescheinigt er seiner Partei, hinterher zu sein. So könnte man  seinen Ruf verstehen: „Unsere Organisationsstrukturen müssen wieder auf der Höhe der Zeit sein.“ Empathie scheint den Christdemokraten ebenfalls zu fehlen. Denn Naser will sie „mit Herzblut für die Mitte kämpfen“ sehen.

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Das Wahlergebnis ist für ihn eine Eruption

Im Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag erkennt der Tübinger-Hechinger Abgeordnete „eine Eruption der politischen Unzufriedenheit mit dem Status quo“. Wir wagen eine Übersetzung: Die Bundesregierung muss noch mehr tun. Mit einem „bloßen Anti-AfD-Wahlkampf“ sei der Kampf für die politische Mitte nicht zu gewinnen. Das Programm der AfD mit Abschaffung der Schulpflicht, Euro-Austritt und Ausländerfeindlichkeit nennt Christoph Naser ein schlechtes Programm für Deutschland. Aber die bloße Warnung davor reicht seiner Überzeugung nach nicht aus. Naser: „Nicht die AfD zu sein, ist kein hinreichendes Wahlargument.“

Bekenntnis zum schwarz-roten Reformkurs

Der Tipp für den Rest der Republik aus dem Schwäbischen: Selbstbestimmt und selbstbewusst gelte es, die Frage zu beantworten, „wie dieses Land in Zukunft aussehen soll, nicht nur für die Dauer einer Legislatur, sondern für die nächsten Jahrzehnte“. Der Bundestagsabgeordnete bekennt sich zum Reformkurs der Bundesregierung. Eben dafür müssten die AfD-Wählenden wieder gewonnen werden. Und das „mit überzeugenden Argumenten und guter Politik“. Das liest sich so leicht, aber wieso geschieht dann nichts, fragt man sich an dieser Stelle.

„Den Souverän darauf hinweisen“

Konsequenzen und Verbesserungsvorschläge zur Genüge liefert der direkt gewählte und einzige Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Tübingen-Hechingen, Christoph Naser (CDU). In seinem von der Redaktion erbetenen Statement zur Wahl im Osten vermeidet der Politiker jeden Kommentar zu seinem Parteivorsitzenden und Kanzler. Die AfD-Wählerinnen und -Wähler im Osten bekommen aber ihren Teil ab: Der „Souverän“, also der Wähler, sei darauf hinzuweisen, „dass er einer gesichert rechtsextremen Partei zur Machtoption verholfen hat“.