Autokennzeichen Zollernalbkreis: Sind mehr HCH einfach nicht mehr drin? Und was ist denn mit ALB?

Zwei Silberlinge mit verschiedenen Kennzeichen, aber beide daheim im Zollernalbkreis. Wer mit HCH am Auto herumfährt, findet das prima. Der übergroßen BL-Mehrheit dürfte das einerlei sein.
Ernst Klett- Streit um Kennzeichen im Zollernalbkreis: BL dominiert, HCH bleibt Minderheit.
- Anfang August waren 166.296 Fahrzeuge mit BL zugelassen – 16.714 mit HCH.
- HCH-Boom ebbte ab. Landratsamt meldet: Die Nachfrage stagniert trotz mehr Zulassungen.
- HCH kehrte am 25. Februar 2013 zurück, ausgelöst durch die Hochschule Heilbronn.
- Bundesrat will Kennzeichen für Städte über 20.000 Einwohner – Berlin setzt die Empfehlung nicht um.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn das mal keine klaren Verhältnisse sind: Aktuell sind im Landkreis Zollernalb knapp 166.300 Fahrzeuge mit BL am Kennzeichen unterwegs. HCH haben dagegen nur etwas über 16.700 Fahrzeughalter gewählt. Und ALB? Der Vorstoß, dass Städte mit über 20.000 Einwohnern ein eigenes Kfz-Kennzeichen bekommen sollen, setzt bei der Bundesregierung Staub an.
Bürgermeisterin Bachmann ist Erste in der Zulassungsstelle
Dem Landrat war’s gar nicht recht. Sein Landkreis sollte doch nach Jahrzehnten endlich zusammengewachsen sein. Günther-Martin Pauli (CDU) kam aber nicht an gegen die sogenannte Kennzeichenliberalisierung in Deutschland. Der Vorstoß der Hochschule Heilbronn hat dem Zollernalbkreis ab dem 25. Februar 2013 das einstige HCH wiedergebracht. Man erinnere sich: Die damalige Hechinger Bürgermeisterin Dorothea Bachmann holte gleich an Tag 1 und öffentlichkeitswirksam das geänderte Kennzeichen für ihren Dienstwagen ab.
Bachmann war, wie zu erwarten gewesen war, nicht allein in der Zulassungsstelle. Es gab einen regelrechten Ansturm aufs Wahlkennzeichen. Das war es, was der Landrat befürchtet hatte. Aber wenn die Leute so ticken, dass sie an Hohenzollern oder dem Altkreis hängen oder vielleicht auch nur nicht mit BL herumfahren wollen, dann war das damals halt nicht zu verhindern. Gut, daran hat sich bis heute wohl kaum etwas geändert. Über 13 Jahre später dürfte sich der Landrat vielleicht auch mit den zwei Kennzeichen in seinem Landkreis abgefunden haben. Oder etwa noch immer nicht?
Das dank eines hartnäckigen Vorstoßes der Hochschule Heilbronn unter Regie des „Auto-Professors“ Ralf Bochert wiederbelebte Autokennzeichen konnte ab 1973 nicht mehr geordert werden. Mit jedem Auto, Lastwagen, Omnibus oder Traktor, die auf dem Schrott landeten, wurden die HCH-Kennzeichen weniger. Damals ging der vergleichsweise kleine hohenzollerische Landkreis Hechingen im Zuge der baden-württembergischen Landkreisreform im Zollernalbkreis auf. Balingen, also Württemberg, hatte zusammen mit Albstadt und dem großen Umland fortan immer die Mehrheiten bei sich, und Hechingen verlor mit den Jahren eine Behörde nach der anderen an die Kreisstadt. Freilich gab es etliche Kompensationen. Das unter lautem Wehgeschrei geschlossene Krankenhaus ist längst zu einem Gesundheitszentrum geworden, das der Zollernstadt großen Zulauf aus der ganzen Region bringt.
Nicht ganz Hohenzollern will HCH
Aber trotzdem wurde sofort, als die Möglichkeit wieder da war, an auffallend vielen Fahrzeugen im sogenannten „Mittelbereich“ Hechingen trotz einiger Kosten das BL gegen ein HCH getauscht. Es herrscht Wahlfreiheit. Wer neu oder wieder zulässt, hat die Wahl und dieselben Kosten. Die HCH-Vorliebe gilt nicht unbedingt flächendeckend für den gesamten hohenzollerischen Bereich im Zollernalbkreis. In Burladingen, Bisingen oder Haigerloch scheint das offizielle Landkreiskennzeichen, also BL für Zollernalbkreis, nicht gar so unbeliebt zu sein, wie es vor allem in Hechingen sein könnte.

Alle wollen HCH? Bei weitem nicht. Die riesige Mehrheit im Zollernalbkreis fährt mit BL durch die Lande. Auch im hohenzollerischen Teil will man ausnahmslos die drei Buchstaben. Die Nachfrage stagniert derzeit, obwohl ja immer mehr Fahrzeuge zugelassen werden.
ArchivHCH stagniert bei der Häufigkeit
Der kleine HCH-Boom ist ohnehin längst abgeflaut. Die drei Buchstaben rangieren in unauffälligen Größenordnungen. Auf Anfrage unserer Redaktion hat sich die Pressestelle des Landratsamtes in Balingen sogar zu einer Kommentierung der Zulassungszahlen hinreißen lassen: „Die Nachfrage nach HCH-Kennzeichen stagniert aktuell etwas.“ Das lässt aufhorchen, wenn man die Zusammenhänge betrachtet. Denn in einem Flächenlandkreis weiter weg von den Metropolen werden nach wie vor immer mehr Fahrzeuge zugelassen. Anderswo stagnieren die Zahlen oder gehen sogar nach unten. Mehr Fahrzeuge, das müsste wiederum auch mehr HCH bedeuten. Das tut es aber nicht!
BL hat die absolute Mehrheit
Überhaupt ist das Größenverhältnis vollkommen eindeutig. Anfang August waren im Zollernalbkreis exakt 166.296 Fahrzeuge unterwegs, deren Kennzeichen mit BL beginnen. Nur 16.714 Fahrzeuge waren mit HCH versehen. In manchen Ecken des Landkreises ist HCH so selten vertreten, dass man sich beinahe grüßt, wenn sich zwei HCH begegnen.
Münsingen wollte nicht, aber Horb
Was wohl das Kennzeichen-Team der Hochschule Heilbronn dazu sagt? Dort ist die Wiedereinführung der alten Kennzeichen einst in Gang gebracht worden. Seit November 2012 konnten die Altkreise in ganz Deutschland wieder auf Nostalgie, oder, wenn’s nach der Hochschule geht, auf Identität machen. Viele, aber nicht alle, wollten. Insgesamt 336 Städte haben bislang mithilfe der Reform der Fahrzeugzulassungsverordnung zugegriffen. Das waren längst nicht alle, die gekonnt hätten. MÜN zum Beispiel blieb bei RT. HOR allerdings sieht man oft dem FDS Konkurrenz machen.
Berlin hat andere Themen als Kennzeichen
Eine aktuelle Studie aus Heilbronn preist erneut die Vorzüge der Altkennzeichen. Die reichen von der Gratis-Tourismuswerbung bis zur besagten Steigerung von Identität und Heimat. Das Papier, erst vor wenigen Tagen publiziert, steht im direkten Zusammenhang mit dem zweiten Vorstoß des Hochschulteams: Auch Städte über 20.000 Einwohner sollen ihr eigenes Kennzeichen bekommen können. Dazu hat es im März dieses Jahres die entsprechende Entschließung des Bundesrates an die Bundesregierung gegeben. Das ist in einem solchen Fall schon einmal die halbe Miete. Allerdings ist die Empfehlung der Länderkammer zeitlich nicht festzumachen. In Berlin liegt das Papier noch immer in irgendeinem Posteingang und setzt allmählich Staub an. Man könnte anfügen, dass die Koalition andere Themen hat. Geht es nach Ralf Bochert, heben neue Stadtkennzeichen insgesamt die Laune.
Albstadts OB zeigt sich offen
Würde er wirklich wollen? Noch stellt sich die Frage für das Albstädter Stadtoberhaupt nur theoretisch. Die größte Kommune im Zollernalbkreis ist unter den 320 bundesdeutschen Städten, die neue Kfz-Ortskennzeichen bekommen könnten, wenn der Wille des Bundesrates umgesetzt wird. Oberbürgermeister Roland Tralmer (CDU) hat sich bereits im März durchaus offen gegenüber dem Kennzeichen-Vorstoß gezeigt. Aber auch in der größten Stadt des Zollernalbkreises hat man ebenfalls noch ganz andere Themen.

