Nordschwarzwald: Nationalpark auf Weg in Richtung Ortenau?

Südachse im Suchraum für den Park mit den zusätzlichen Ergänzungsflächen im Kreis Freudenstadt, im Stadtkreis Baden-Baden und im Ortenaukreis: Hier könnte der Nationalpark entstehen.
sbBad Peterstal-Griesbach - Bei der Standortsuche für einen Nationalpark Schwarzwald bringen sich jetzt immer mehr Gemeinden aus dem Ortenaukreis ins Spiel. Der jüngste Flächenzuwachs kommt aus Bad Peterstal-Griesbach: Die Renchtal-Gemeinde bietet der Landesregierung Kommunalwald für das Projekt an.
Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald (CDU) und die Bürgermeister von Bad Rippoldsau-Schapbach und Bad Peterstal-Griesbach, Bernhard Waidele (CDU) und Meinrad Baumann (parteilos), haben nach Informationen unserer Zeitung ihre Pläne für einen möglichen Nationalparkstandort mit dem Fraktionsvorsitzenden der Landes-SPD, Claus Schmiedel, besprochen.
Dabei stützten sich die Kommunalpolitiker auf einen Vorschlag ihres Freudenstädter Kollegen: Osswald hatte der Landesregierung bereits rund 800 Hektar zusätzliche Staatswaldfläche vorgeschlagen, um die Suchkulisse für den Park zu erweitern und damit über die Schwarzwaldhochstraße hinweg eine Brücke Richtung Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt) schlagen zu können. Seine Vision für dieses Gebiet: ein großes Wildtierreservat, das thematisch und touristisch den bestehenden Wolf- und Bärenpark im Wolftal ergänzen könnte.
Ein Vorschlag, der auch im benachbarten Bad Peterstal-Griesbach (Ortenaukreis) gut ankam. 50 bis 70 Hektar angrenzenden Kommunalwald würde die Gemeinde hier zusätzlich einbringen, um diesen Teil eines Nationalparks gegebenenfalls zu arrondieren. Das wäre dann die Erweiterung der Erweiterung. "Wir möchten einen Nationalpark mit diesen Zusatzflächen ermöglichen", sagt der dortige Bürgermeister Meinrad Baumann und ist mit dieser Haltung nicht allein: Auch Achern, Sasbach, Sasbachwalden, Seebach und Bühl haben der Landesregierung bereits signalisiert, dass sie Waldflächen für einen Nationalpark zur Verfügung stellen würden.
Angebote, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Agrarminister Alexander Bonde (beide Grüne) wohl schätzen dürften, nachdem das Naturschutzprojekt bei Bürgerbefragungen in anderen Gemeinden des Suchraums mit deutlicher Mehrheit abgelehnt wurde. Denn die Zusatzflächen verschaffen Grün-Rot mehr Spielraum bei der Standortsuche für den mit 10 000 Hektar Größe geplanten Nationalpark, bei der neben naturschutzfachlichen Gesichtspunkten laut Landesregierung auch die Bürgerakzeptanz eine Rolle spielt.
Letztere hat auch Meinrad Baumann im Blick: "Wir sind verhandlungsbereit und kooperativ", schreibt er an Kretschmann, "auch, um forstliche Hochproduktionsflächen und sensible Bereiche in Baiersbronn zu entlasten". Denn die Murgtal-Feriengemeinde im Kreis Freudenstadt hat nicht nur die größten Flächenanteile im bisherigen Suchraum für den Park, sondern mit 78 Prozent Ablehnung bei der Bürgerbefragung auch den größten Widerstand gegen das Projekt vor Ort.
Zusätzliche Gebiete wären eine Entwarnung für Kaltenbronn
Nicht nur Entlastung, sondern gar Entwarnung könnten die zusätzlichen Ortenau-Gebiete für die Nationalparkgegner im bisherigen Park-Suchraum Kaltenbronn im Kreis Calw bedeuten: Bad Wildbad, Bad Herrenalb und Enzklösterle sind hier als mögliche Standorte im Spiel, haben den Nationalpark bei der Bürgerbefragung aber ebenfalls mehrheitlich abgelehnt. Sie könnten jetzt komplett aus dem Projekt herausfallen, wenn sich die Landesregierung für die sogenannte Südachse entlang der Schwarzwaldhochstraße als Nationalparkstandort entscheidet.
Bisher, so hieß es gestern im zuständigen Agrarministerium, würden alle ursprünglichen Suchgebiete aber noch als mögliche Varianten geprüft. Den genauen Standortvorschlag für den Nationalpark Schwarzwald werde die Landesregierung Anfang Juni auf den Tisch legen und dann mit den direkt betroffenen Gemeinden besprechen.
Nationalpark im Hunsrück
Während im Südwesten um die Errichtung des Nationalparks im Nordschwarzwald noch heftig gerungen wird, ist die Zuversicht in Rheinland-Pfalz groß, dass im Hunsrück bald ein Nationalpark öffnet. Das soll nach dem Willen des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums bereits im kommenden Jahr der Fall sein. »Man könnte 2014 damit rechnen, wenn die Region das will«, sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) gestern in Mainz. Zunächst müssten aber bis zum Herbst 2013 mehrere Orts- und Verbandsgemeinden und insgesamt vier Landkreise in Rheinland-Pfalz und dem Saarland grünes Licht geben.
Entscheidung 2014
Vor einem Jahr hatte das Ministerium begonnen, Bürger und Kommunen über den Nationalpark zu befragen. Die Ergebnisse würden jetzt ausgewertet und in ein Konzept für den über 10.000 Hektar großen Nationalpark gegossen, sagte Höfken. Sie hat die Kommunen nach eigener Einschätzung hinter sich. Eines der beiden Regionalparlamente allein könnte den Nationalpark nicht stoppen, sagte Projektleiter Harald Egidi. Die Landtage könnten den Nationalpark im Sommer 2014 beschließen. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es entschiedene Gegner des Projekts. Zu Kosten des Nationalparks wurden keine Angaben gemacht.