Bärenspur im Allgäu entdeckt: Streifen Bären demnächst auch durch den Schwarzwald?

Ein Bär im Brandnertal in Österreich sorgt für Aufsehen, keine 100 Kilometer von der Baden-Württembergischen Grenze entfernt. Bedeutet das, dass Bären bald auch rund um den Schwarzwald heimisch werden könnten? (Symbolfoto)
dpa- Nahe der österreichischen Grenze wurde ein junger Braunbär mehrfach per Kamera erfasst.
- Laut Stiftung für Bären ist die Region ein Bärenerwartungsland – Distanzen überbrückt ein Bär leicht.
- Gefahr für Menschen gilt als gering, wenn Regeln beachtet werden; Wildschweine seien riskanter.
- Ansiedlung hängt von Nahrung, Revier, Artgenossen, Menschen und Infrastruktur ab.
- Für eine Rückkehr braucht es Akzeptanz und Herdenschutz, problematisch ist vor allem menschliches Verhalten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Während sich die Wolfspopulation in Baden-Württemberg weiterentwickelt, sorgt eine mögliche Bärenspur in Bayern für Aufsehen: Im südlichen Oberallgäu wurden Exkremente gefunden, die möglicherweise von einem Bären stammen, teilte das Bayerische Landesamt für Umwelt mit. Eine genetische Auswertung sei in die Wege geleitet worden.
Anfang Juni erst war in Österreich ein Bär nahe der deutschen Landesgrenze entdeckt worden. Ein junger Braunbär wanderte durch das Brandnertal und wurde auf seinem Streifzug von einer Wildkamera abgelichtet. Nur zwei Nächte später sei ein Bär im Silbertal fotografiert worden, meint der zuständige Landeswildökologe Hubert Schatz und mutmaßt, dass es sich um dasselbe Tier handele. Danach wurde der Beutegreifer allerdings nicht mehr gesichtet.
Bedeuten Sichtungen wie diese, dass sich Bären bald zu den Wölfen im Schwarzwald gesellen könnten?
Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Christopher Schmidt, Pressesprecher der Stiftung für Bären – Wildtier- und Artenschutz, zu der auch der Alternative Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach gehört: Dass sich ein Bär nur rund 55 Kilometer von Baden-Württemberg entfernt aufgehalten habe, zeige, dass die Region grundsätzlich als Bärenerwartungsland einzustufen sei. „Für den Bären ist diese Entfernung eine Strecke, die er locker über Nacht zurücklegen kann.“
Wildschweine sind im Vergleich durchaus gefährlicher
Doch geht von einem einzelnen durchziehenden Bären eine Gefahr für Menschen aus? „In der Regel meiden Bären Menschen. Menschen sollten das Gleiche tun und die Tiere in Ruhe lassen“, erklärt Schmidt. Die tatsächliche Gefahr, die von einem Bären ausgehe, sei relativ gering – „richtiges Verhalten und Akzeptanz gegenüber den Tieren vorausgesetzt“. Wildschweine seien im Vergleich durchaus gefährlicher als ein einzelner männlicher Bär auf Wanderschaft.
Was die Sichtung im Allgäu angeht, riet das Landesamt Landwirten, ihre Tiere nachts in den Stall zu bringen und Herdenschutzmaßnahmen zu ergreifen. Anwohner, Wanderer und Ausflügler sollten Vorsicht walten lassen. So sei es etwa bei einer Wanderung wichtig, in der Natur keine Essensreste oder Müll zurückzulassen.
Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein frei lebender Bär in der Region niederlässt? Und wovon hängt das ab? Das hänge vom Nahrungsangebot, der Größe des Reviers, den Artgenossen, den Menschen und der Infrastruktur ab, meint Schmidt. Hinsichtlich Habitat und Nahrungsangebot biete Baden-Württemberg einige Möglichkeiten für Bären.
Kulturlandschaft erschwert das Zusammenleben
Ein harmonisches Zusammenleben mit Bären sei allerdings schwierig: „Der Fakt, dass wir in Deutschland stark von einer Kulturlandschaft geprägt sind, steigert das Konfliktpotenzial natürlich und erschwert das Zusammenleben“, erläutert Schmidt. Den Bären störe dies jedoch eher wenig.
Die Slowakei, Rumänien und nicht zuletzt die autonome Provinz Trentino im Norden Italiens, in der Bären leben, seien Beispiele für ähnliche Strukturen, erklärt der Pressesprecher. „Der Mensch beziehungsweise wir als Gesellschaft spielen hierbei die entscheidende Rolle.“ Natürlich könne sich ein Bär im Schwarzwald ansiedeln und heimisch fühlen. Die entscheidende Frage sei jedoch: „Sind wir bereit, Kompromisse einzugehen?“
Leider herrsche in Deutschland eine eher wenig tolerante Einstellung gegenüber Beutegreifern, hebt der Pressesprecher der Stiftung für Bären – Wildtier- und Artenschutz hervor. Die Bereitschaft der Gesellschaft, sich mit den Tieren zu arrangieren und auf ihre Rückkehr vorzubereiten, sei eine Grundvoraussetzung für die Niederlassung eines Bären.
Rückkehr von Bären in freier Wildbahn
Aus Sicht des Bärenparks sei die Rückkehr von Bären in die freie Wildbahn in Mitteleuropa grundsätzlich als positive Entwicklung zu betrachten, meint Schmidt. „Bären sind in Mitteleuropa heimisch und gehören definitiv hierher. Sie sind wichtig für das Ökosystem und eine Bereicherung für die Artenvielfalt. Die Natur profitiert sehr davon.“ Dies sei durchaus ein Lob für die Menschen in Mitteleuropa, denn es zeige eine positive Entwicklung.
Nach dem massiven Raubbau an der Natur, der in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden habe, sei dies ein absolut wünschenswerter Trend. „Wir Menschen haben so viele Tiere aktiv ausgerottet, auch Bären“, stellt er fest. Daher gebe es einiges wiedergutzumachen.
Bevor sich Bären ähnlich wie Wölfe wieder in der Umgebung niederlassen könnten, gebe es allerdings noch einige Herausforderungen zu meistern: „Denn wir müssten auf die Tiere eingehen, den Herdenschutz optimieren und grundlegend rücksichtsvoller mit der Umwelt umgehen, denn ein Wildbär verzeiht keine Fehler“, so Schmidt.

Ein Braunbär sitzt bei großer Hitze in seinem Gehege im Berliner Zoo auf einem Felsen. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch freilebende Bären sich in Zukunft in Deutschland oder auch Baden-Württemberg niederlassen könnten, schätzen Experten als hoch ein.
Sven Kaeuler/dpaEs gebe ganze Bärenfamilien, die aufgrund menschlichen Fehlverhaltens auffälliges Verhalten an den Tag legten, erläutert er das Problem. Die große Herausforderung beziehungsweise Gefahr bestehe daher weniger in der Anwesenheit der Bären als vielmehr im problematischen Verhalten der Menschen.
„Genau das sollte unser Ansatz sein, denn am eigenen Verhalten können wir arbeiten. Es liegt letztlich in unseren Händen“, hebt Schmidt hervor. Der Bär sei in Mitteleuropa heimisch – und auch in Deutschland habe er eine Chance verdient.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 23. Juni 2026 und wurde aufgrund der aktuellen Relevanz aktualisiert.


