Bärensichtung in Österreich
: Das führt einen Braunbären ins Brandnertal

Vergangene Woche sorgte ein überraschender Besucher in Vorarlberg für Aufsehen: Ein Bär wurde unweit der Grenze zu Baden-Württemberg gesichtet. Nun liegen neue Details zu der Begegnung vor.
Von
Anna-Sophie Zepf
Brandnertal
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Bär im Westen Österreichs gesichtet: HANDOUT - 08.06.2026, Österreich, Bludenz: Ein Braunbär wird in Vorarlberg von einer Wildkamera erfasst. Die Bevölkerung im betroffenen Gebiet wurde zur Aufmerksamkeit aufgerufen. Foto: -/Koordinationsgruppe Großraubwild Land Vorarlberg/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Braunbär wurde in Vorarlberg von einer Wildkamera erfasst. Die Bevölkerung im betroffenen Gebiet wurde zur Aufmerksamkeit aufgerufen.

Koordinationsgruppe Großraubwild/Land Vorarlberg
  • In Vorarlberg wurde bei Brand ein junger Braunbär von einer Wildkamera erfasst.
  • Der Bär stammt wohl aus dem Trentino und ist auf Erkundungstour, so der Landeswildökologe.
  • Kurz darauf gab es Fotos aus dem Silbertal – wahrscheinlich dasselbe Tier, aber nicht sicher.
  • Behörde sieht keinen Anlass zur Beunruhigung, da das Tier unauffällig wirkt.
  • Empfehlungen: auf Wegen bleiben, Dämmerung meiden, laut sein, Hunde anleinen und keine Essensreste.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er stützt sich auf seine mächtigen Pranken und schaut sich neugierig in der Gegend um. Dabei wird er von einer Wildkamera abgelichtet. Ein junger Braunbär überrascht mit seinem Auftauchen in den frühen Morgenstunden am vergangenen Dienstag das Gemeindegebiet von Brand in der österreichischen Region Vorarlberg und wirft einige Fragen auf.

Auf Anfrage unserer Redaktion erhalten wir weitere Informationen vom zuständigen Landeswildökologen Hubert Schatz zu der ungewöhnlichen Sichtung des Bären, der keine 100 Kilometer entfernt von der baden-württembergischen Grenze durch die Wälder in den Alpen streift.

Der Nachweis des Braunbären im Brandnertal stelle natürlich etwas Besonderes dar, stellt Schatz fest. Seit der Rückkehr des Bären im mitteleuropäischen Raum handele es sich bei der aktuellen Bärensichtung insgesamt erst um den dritten fachlich bestätigten Bärenhinweis in Vorarlberg.

Nach Einschätzung des Wildökologen dürfte der Bär ein jüngeres Männchen sein. „Diese Aussage ist eine Mutmaßung und beruht auf dem typischen Verhalten von Bären, wonach junge Bärenmännchen, am Anfang ihres Erwachsenenalters ihr Heimatgebiet verlassen, um ein eigenes zu finden“, führt Schatz aus.

Dies täten sie in der Hoffnung, auf eine Bärin zu stoßen und sich mit dieser zu vermehren. Der Wildökologe erläutert, dass junge weibliche Tiere in der Regel erst später abwanderten beziehungsweise wenn es im Heimatgebiet schon eine große Anzahl Bären gebe.

Der Bär befindet sich auf Erkundungstour in Vorarlberg

Doch woher kommt dieser junge Bär? „Ursprünglich kommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Trentino, weil es dort in unserem Einflussbereich die einzige Bärenpopulation mit circa 100 Tieren gibt“, erläutert Schatz.

Es bestehe die Möglichkeit, dass sich dieser Bär bereits länger in der Schweiz oder Tirol aufgehalten habe und sich derzeit auf Erkundungstour in Vorarlberg befinde. Inzwischen seien auch  Bärennachweise aus dem Schweizer Nationalpark im Kanton Graubünden und dem Bezirk Landeck  in Tirol bekannt. „Es ist leicht möglich, dass es sich um eines dieser Tiere handelt“, mutmaßt Schatz.

Die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere Bären diesem Exemplar folgen und somit für weitere überraschende Auftritte im Brandertal sorgen, schätzt der Landeswildökologe allerdings als sehr gering ein. Das liege unter anderem auch daran, dass es in den Nachbarregionen keine beziehungsweise kaum Bären gebe.

Keine weiteren Hinweise auf den Verbleib des Bären

Aber wie sieht es inzwischen mit diesem bärischen Zeitgenossen aus? Hat er sich seit seinem Erscheinen bei Brand noch einmal vor die Kamera gewagt? „Seit der Ablichtung durch die Wildkamera gibt es aus dem Brandnertal keine weiteren Hinweise auf den Verbleib des Tieres“, sagt Schatz.

Aber an anderer Stelle: Nur zwei Nächte später sei ein Bär im Silbertal von einer Wildkamera fotografiert worden. „Es ist naheliegend, dass es sich um dasselbe Tier handelt, jedoch nicht zwingend“, meint der Landeswildökologe.

Wie lange ein Bär wo bleibt, sei zudem von den Lebensraumbedingungen und Erfahrungen des Tieres sowie dessen individuellen Verhaltensweisen abhängig. „In einem touristisch intensiv genutzten Gebiet, wie dem Brandnertal mit wenig großen, ruhigen Rückzugsgebieten ist eher nur von sehr kurzen Aufenthalten auszugehen“, so Schatz.

Kein Anlass zur Beunruhigung

Anlass zur Beunruhigung bestehe daher nicht, versichert der vorarlbergische Landesrat Christian Gantner in einer Pressemitteilung anlässlich der Bärensichtung im Brandnertal. Schatz ergänzt diese Einschätzung: Nach derzeitigem Kenntnisstand gehe er davon aus, dass es sich bei diesem Bären um ein unauffälliges Tier handele, das keine besonderen Probleme verursachen werde und daher keine außergewöhnliche Gefahr darstelle.

Trotzdem empfehle es sich, bestimmte Verhaltensweisen an den Tag zu legen: „Auf vielbegangenen Wegen ist die Wahrscheinlichkeit, einem Bären zu begegnen, wesentlich kleiner als auf selten begangenen oder abseits von Wegen“, meint der Wildökologe. Abgelegene Gebiete sollten bewusst gemieden werden.

ARCHIV - 30.08.2024, Berlin: Braunbär Lillebror steht in seinem Gehege im Berliner Zoo.  (zu dpa: «Braunbär tötet in Russland zwei Menschen») Foto: Monika Skolimowska/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bei einer Wanderung in einem Bärengebiet beziehungsweise bei Bärenvorkommen gilt es einiges zu beachten. (Symbolbild)

dpa

Dämmerungs- und Nachtwanderungen erhöhen bei einem Vorkommen eines Bären die Begegnungswahrscheinlichkeit, daher sollten diese Zeiten ebenfalls gemieden werden. Zudem sollte nicht leise geschlichen, sondern etwa durch Reden und Singen auf sich aufmerksam gemacht werden. „Hunde müssen an die Leine genommen werden“, sagt Schatz.

Verfolgung für einen Social-Media-Post

Um den Bären nicht anzulocken, sollten außerdem keine Essensrückstände liegen gelassen werden, und keine Komposthaufen oder zugänglichen Müll vor den Unterkünften oder Hütten platziert werden. Dies könnte das Verhalten des Bären durch Futterkonditionierung beeinflussen, erklärt der Landeswildökologe. Dasselbe gelte in Bärengebieten beziehungsweise bei Bärenvorkommen für Siedlungen und Bauernhöfe.

In Zeiten von Social Media hebt Schatz zudem hervor, dass beobachtete Bären niemals verfolgt werden sollten, um etwa ein Foto zu machen. Überdies solle man sich an die Informationen und Anweisungen von Überwachungsorganen wie der Polizei, der Gemeinde und der Jägerschaft halten und die Sichtung eines Bärs umgehend der nächstgelegenen Polizeidienststelle melden.