Internationaler Tag des Wasserfalls
: Dieser kleine Baumeister lässt eine verborgene Welt entstehen

Rund um das Naturschauspiel Wasserfall entsteht ein besonderes Mikroklima mit vielen Vorteilen für Tiere und Pflanzen. Doch nicht immer ist die Natur allein am Werk.
Von
Anna-Sophie Zepf
aus der Region
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Schlichemklamm bei Epfendorf

Im Schlichemtal bei Epfendorf findet sich ein Naturschauspiel – die Schlichemklamm – die nicht nur schön anzuschauen ist, sondern auch eine besondere Bedeutung für Tiere, Insekten und Pflanzen hat. (Archivbild)

Baur
  • Wasserfälle schaffen ein Mikroklima mit hoher Luftfeuchte, kühleren Temperaturen und mehr Sauerstoff.
  • Davon profitieren Moose, Farne, Wasseramseln, Feuersalamander sowie Libellen- und Fischarten.
  • Auch Biber formen durch Dämme neue Gewässerlandschaften – oft mit kleinen Kaskaden und Wasserfällen.
  • Biberdämme können meterbreit und bis zu zwei Meter hoch werden, Schäden repariert der Biber rasch.
  • Nabu rät zu Rücksicht: ausgewiesene Wege nutzen, keinen Lärm machen, keinen Müll, keine Nachtbesuche.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Naturspektakel, das immer wieder auf's Neue fasziniert: Wasserfälle. Doch nicht nur Menschen fühlen sich von dem rauschenden Wasser, wie magisch angezogen. Auch einigen Tieren und Pflanzen scheint es ganz ähnlich zu gehen. Denn sie profitieren von dem ganz speziellen Mikroklima, das rund um diese fallenden Gewässer entsteht. Warum dieses eine ökologische Besonderheit darstellt – zum Internationalen Tag des Wasserfalls, am 16. Juni, haben wir nachgefragt.

Mit jedem Schritt auf dem festgetretenen Pfad tritt das Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Insekten weiter in den Hintergrund. Stattdessen wird ein stetiges Rauschen lauter, das zwischen den Bäumen widerhallt. Statt klarer Waldluft steigt der Duft von feuchter Erde und Moos in die Nase. Noch verdecken die Fichten, Buchen und Eschen den Ursprung des Geräuschs – bis der Wald sich öffnet und ein Wasserfall sichtbar wird, dessen schäumende Kaskaden in die Tiefe stürzen.

Feuchtigkeitsliebende Pflanzen und Tiere

„Wasserfälle sind ein gern besuchtes Naturschauspiel“, erklärt der Gewässerbeauftragte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Markus Pagel. Es sei schon faszinierend, wie anziehend  tosende Wassermassen auf Menschen wirkten. Käme die gleiche Lautstärke, die durch einen Wasserfall entsteht, stattdessen von einem Presslufthammer, würde man sie als unangenehm empfinden, führt Pagel aus.

Doch nicht nur Menschen halten sich gern an Wasserfällen auf, auch Fauna und Flora fühlen sich rund um das aufgewühlte Gewässer besonders wohl. Denn Wasserfälle erzeugten durch die Verwirbelung von Wasser und Luft ein besonderes Mikroklima, meint der Nabu-Experte für Gewässer. Die Folge davon seien erhöhte Luftfeuchtigkeit, kühlere Temperaturen und vor allem ein erhöhter Sauerstoffgehalt im Wasser.

Davon profitieren feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Moose und Farne, Vögel wie die Wasseramsel oder Amphibien wie der Feuersalamander. Allgemein nehme der Artenreichtum rund um Wasserfälle zu, berichtet Pagel. Bei Libellen- sowie Fischpopulationen lasse sich das besonders deutlich erkennen.

Eine Leistung, die Menschen überhaupt nicht schaffen kann

Aber nicht immer entsteht das Mikroklima eines Wasserfalls auf natürlichem Weg. Auch ein wasseraffiner Nager mit einer Vorliebe für Holz erzeugt durch seine meterhohen Bauten eine dynamische Wasserlandschaft, die das Zuhause für unzählige Pflanzen- und Tierarten wird.

Biber, Europaeischer Biber (Castor fiber), frisst schwimmend frische Weidenzweige, Schweiz, Bodensee Eurasian beaver, European beaver (Castor fiber), feeds fresh willow twigs while swimming, Switzerland, Lake Constance BLWS399093

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Der Biber erbringt, mit der Errichtung eines Damms, in kürzester Zeit eine Leistung, die Menschen in diesem Maß überhaupt nicht schaffen können. (Symbolbild)

imago stock&people

Der Biber erbringe, mit der Errichtung eines Damms, in kürzester Zeit eine Leistung, die Menschen überhaupt nicht schaffen könnten, meint Pagel begeistert. Aus Gehölz, oftmals Weiden, baue der das pelzige Säugetier Konstruktionen, die schon einmal sechs Meter in die Breite und zwei Meter in die Höhe reichen könnten. „Es ist erstaunlich, wie groß und dicht dieses kleine Tier Dämme bauen kann“, erklärt er. Auch entstandene Schäden werden innerhalb von kürzester Zeit behoben.

Sowohl vor als auch nach dem Damm bilde sich zudem eine ganz andere Landschaft, die häufig durch kleine Kaskaden und Wasserfälle ergänzt werde und dasselbe Mikroklima eines natürlich entstandenen Wasserfalls mit sich bringen könne, so Pagel.

Neben den bereits genannten Pflanzen- und Tierarten, die auch um einen Biberdamm vermehrt vorkommen können, ziehen auch größere Säugetiere überraschende Vorteile aus der künstlich errichteten Wasserbarriere des tierischen Landschaftsbauers. Unter anderem sei beobachtet worden, wie ein Fuchs den Damm als eine Art Brücke verwendet habe, sagt der Gewässerexperte.

Auf ein erlebbares Naturschauspiel Acht geben

Doch um weiterhin ein erlebbares Naturschauspiel für Mensch und Tier sowohl an Biberdämmen als auch an Wasserfällen in allen Größenordnungen erhalten zu können, müsse vor allem Rücksicht genommen und Abstand gehalten werden, so Pagel. Es gelte, sich an die Regeln der Naturschutzgebiete zu halten und diese auch außerhalb dieser Gebiete zu beherzigen.

Um solche Orte und ihre Bewohner nicht zu belasten, sollten Besucher von Wasserfällen daher unter anderem immer auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, erläutert er. Zudem sollte kein Lärm, kein Müll und auch keine nächtlichen Ausflüge gemacht werden, um nachtaktive Tiere nicht zu stören.

Die schönsten Wasserfälle in der Region

Einen Besuch wert sind neben der Schlichemklamm bei Epfendorf, die Triberger Wasserfälle, die Schleifenbachwasserfälle, der Starzel-Wasserfall, der Wasserfall Zillhausen, die Lauterbacher Wasserfälle, der Burgbachwasserfall, der Rosshimmelwasserfall, die Allerheiligen Wasserfälle, der Tannegger Wasserfall und die Todtnauer Wasserfälle.