Tarifverhandlungen
: Streik an Freiburger Uniklinik – 450 Operationen werden verschoben

Erneut wird in dieser Woche am Freiburger Uniklinikum gestreikt – die Beschäftigten fordern mehr Geld. Im Gespräch mit zwei Politikerinnen geht es zudem um den geplanten Personalabbau. Den Klinikbetrieb trifft der Streik hart.
Von
Felix Paschke
Freiburg
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Noch bis Mittwoch wird an der Freiburger Uniklinik gestreikt.

Noch bis Mittwoch wird an der Freiburger Uniklinik gestreikt – mit teilweise großen Einschränkungen für den Betrieb des Krankenhauses.

Felix Paschke
  • An der Freiburger Uniklinik wird bis Mittwoch gestreikt – teils mit starken Einschränkungen.
  • Verdi fordert 7,5 % mehr Lohn, mindestens 320 Euro; Azubis und Praktikanten plus 250 Euro.
  • AGU bot 400 Euro Einmalzahlung und 4,75 % in drei Schritten an, Laufzeit bis Ende 2028.
  • Über 450 geplante Eingriffe werden verschoben, Nachholtermine brauchen Zeit.
  • Geplanter Personalabbau von rund 350 Stellen bis 2028 sorgt für Proteste und Kritik.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Montagvormittag in einem Hörsaal in der Freiburger Uniklinik. Hier, wo normalerweise der medizinische Nachwuchs ausgebildet wird, prägen Anfang der Woche gelbe Westen das Bild. Bereits zum dritten Mal in dieser Tarifrunde hat die Gewerkschaft Verdi zum Streik an vier Uniklinika im Land aufgerufen – unter anderem in Freiburg.

Bevor am Mittwoch in Stuttgart die Verhandlungsführer von Verdi und dem Arbeitgeberverband der Universitätsklinika Baden-Württemberg (AGU) zusammenkommen, wollen die Beschäftigten in Freiburg, Heidelberg, Ulm und Tübingen Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben.

In Freiburg ist der Hörsaal voll, zum Ende der Veranstaltung spricht eine der zwei Moderatorinnen von 400 Streikenden. Von der Uniklinik heißt es, dass Verdi gemeldet habe, dass sich rund 300 Personen streikend gemeldet haben. „Das entspricht auch unserer Wahrnehmung bei der Streikkundgebung“, sagt Johannes Faber, Pressesprecher der Freiburger Uniklinik.

Zwei Politikerinnen sind in Freiburg zu Gast

Mit Viviane Sigg (SPD) und Nadyne Saint-Cast (Grüne) haben auch zwei Landtagsabgeordnete am Montag den Weg in die Uniklinik gefunden, die letzte halbe Stunde des Gesprächs zwischen den Streikenden und den beiden Politikerinnen ist auch für die Presse zugänglich.

Die Landtagsabgeordneten Nadyne Saint-Cast (Bündnis 90/Die Grünen, vorne links) und Viviane Sigg (SPD) stellten sich am Montag den Fragen der Streikenden.

Die Landtagsabgeordneten Nadyne Saint-Cast (Bündnis 90/Die Grünen, vorne links) und Viviane Sigg (SPD) stellten sich am Montag den Fragen der Streikenden.

Felix Paschke

Den Streikenden geht es dabei jedoch nicht nur um die von Verdi geforderte Tariferhöhung. Denn an der Uniklinik in Freiburg steht auch ein Personalabbau im Raum, bis 2028 sollen rund 350 Stellen wegfallen. Grund ist ein Finanzloch in Höhe von 56 Millionen Euro.

„Wir werden das Defizit nicht allein aus dem Landeshaushalt stemmen können“, erklärt Saint-Cast, die mit ihrer Partei Teil der von Cem Özdemir geführten Landesregierung ist. Man kämpfe für mehr Mittel für die Modernisierung, ganz ohne „Konsolidierung“ werde es aber nicht gehen, so die Grünen-Politikerin.

Der geplante Personalabbau beschäftigt die Mitarbeiter

Gegen den geplanten Personalabbau hatte es bereits Anfang des Jahres Proteste gegeben – bis heute ist das Thema in der Belegschaft präsent. Worte wie „Schweinerei“, „fahrlässig“ und „patientengefährdend“ sind die Gedanken der Mitglieder, die am Montag im Hörsaal an die Wand projiziert werden. „Die Hitze zeigt, dass das System am Limit ist“, sagte eine der beiden Moderatorinnen.

So ist der Stand in der aktuellen Tarifrunde

Der AGU hatte bei den Verhandlungen Mitte Juni ein Angebot vorgelegt. Dieses sah unter anderem eine Einmalzahlung von 400 Euro und eine Gehaltssteigerung von 4,75 Prozent in drei Schritten vor. Die Arbeitgeber verweisen auf die schwierige Finanzlage der Kliniken und auf erwartete Auswirkungen der Gesundheitsreform der Bundesregierung.

„Die Arbeitgeber haben alles getan, damit die Leute sauer sind. Wir gehen davon aus, dass wir mehr Streikende haben werden als bei den Streiktagen davor“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jakob Becker in der vergangenen Woche.

Verdi dagegen fordert in der aktuellen Verhandlungsrunde, die am Mittwoch in Stuttgart stattfindet, 7,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 320 Euro pro Monat. Zudem sollen Auszubildende und Praktikanten 250 Euro mehr bekommen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der AGU-Vorschlag hatte Verdi-Angaben zufolge eine Laufzeit von 32 Monaten bis Ende 2028.

Auf der anderen Seite steht das Problem der Finanzierung. Eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung durch den Bund soll helfen. Auch aus Baden-Württemberg kam zu den Plänen jedoch Kritik, der Bundesrat hat zahlreiche Nachbesserungen und Änderungen an den Spar- und Reformplänen der Bundesregierung gefordert.

Diese Auswirkungen hat der Streik auf den Klinikbetrieb

Unterdessen lief der Klinikbetrieb abseits des Hörsaals weiter, allerdings mit erheblichen Einschränkungen für die Patienten. „Der Streik führt dazu, dass mehr als 450, zum Teil lange geplante Eingriffe verschoben werden müssen“, teilte Pressesprecher Faber auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Bereits Mitte Juni musste die Uniklinik Operationen verschieben. „Das ist natürlich in erster Linie eine große Belastung für die betroffenen Patientinnen und Patienten. Bei einem Streik über drei Tage wird es auch einige Zeit dauern, um alle Operationen und ambulanten Termine nachholen zu können“, so Faber weiter.

Streik läuft noch bis Mittwoch

Denn der Streik an der Freiburger Uniklinik geht noch bis Mittwoch weiter. Am Dienstag zieht eine Demo ab dem Hörsaal Killianstraße in die Innenstadt zum Augustinerplatz. Dort ist gegen 12.30 Uhr eine Kundgebung mit Verdi-Verhandlungsführer Jakob Becker geplant. Am Mittwoch fährt eine Delegation aus Freiburg nach Stuttgart. Dort ist eine letzte Kundgebung geplant, bevor dann Arbeitnehmer und Gewerkschaft über den Tarifvertrag für rund 26.000 Beschäftigte verhandeln.

An der Uniklinik Freiburg wird noch bis Mittwoch gestreikt. Am Montag versammelten sich die Streikenden in einem Hörsaal.

Am Montag versammelten sich die Streikenden in einem Hörsaal der Freiburger Uniklinik.

Felix Paschke

„Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei den Tarifverhandlungen“, sagte SPD-Politikerin Sigg, als sie gefragt wurde, ob sie die Forderungen richtig oder noch zu wenig finde. Aber: „Die Politik mischt sich nicht in Tarifverhandlungen ein.“ Am Ende der Veranstaltung ließen sie und ihre Kollegin der Grünen sich vor einem Banner fotografieren. Die Botschaft: „Ich setze mich im Landtag für die Belange der Beschäftigten der UKF ein.“