Von Camping bis Wellness: Was Touristen im Nordschwarzwald suchen und finden können

Natur und Action: Das sind zwei Stärken der Schwarzwald-Tourismus-Region. (Archivbild)
Tourismus GmbHZu einem Gespräch, wie es um den Campingtourismus und den Tourismus im Nordschwarzwald steht, hat Matthias Gastel auf den Campingplatz Carpe Diem geladen.
Erstmal hinkommen
Der Grünen-Abgeordnete im Bundestag genießt dort selbst zwei Tage Ferien im Tiny-House. Angereist ist er mit den Öffentlichen und dem Fahrrad über Herrenberg. „Ab dem Kreis Calw ist die Radinfrastruktur auch dann relativ gut“, meint er. Denn bevor jemand Urlaub machen kann, muss er erst einmal ans Ziel kommen.
Vor allem der Radtourismus werde zunehmend interessant. „Wir haben ganz neue Zielgruppen erschlossen durch E-Bikes“. Momentan sei der Schwarzwald eher noch für ältere Leute ein Reiseziel. Doch Stern meint auch: Fahrradtrails würden etwa nachgefragt – das sei eine eher junge Zielgruppe.
„Wir würden gerne mit der Deutschen Bahn mehr zusammenarbeiten“, erklärt Corinna David von der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald. Allerdings seien die Züge – zu unzuverlässig.
Gäste aus Südeuropa
Wer kommt auf den Campingplatz? Ein wenig klischeehaft, aber Stern kann bestätigen: Es sind sehr viele Niederländer. Doch in der vergangenen Zeit werden es auch mehr Urlauber aus Italien und Spanien.

Sprachen über Tourismus und Camping: Martin Fritz (von links), Anne Much (Sprecherin der Grünen im Kreis Calw), Sophie Kraul (Landwirtin aus Wildberg), Fynn Rubehn (Landtagskandidat der Grünen im Kreis Calw), Elke Schönborn (IHK), Holger Stern (Inhaber Campingplatz Wildberg), Matthias Gastel (Bundestagsabgeordneter der Grünen), Regina Schröder (Gemeinderätin der Grünen in Wildberg), Corinna David (Schwarzwald-Tourismus)
Foto: JansenMartin Fritz vom Grünen-Ortsverband erklärt: Im Schwarzwald sind Sportarten wie Mountainbiken möglich. Sogar Deutsche, die erst nach Italien gefahren sind, kommen spontan auf seinen Campingplatz – nachdem sie ihren Südurlaub wegen den hohen Temperaturen abbrechen, erklärt Stern.
Vielseitiger Urlaub
Einig sind sich alle: Im Nordschwarzwald steckt Tourismuspotenzial. Aber das braucht vor allem auch: Information. Elke Schönborn von der IHK lobt: der Nordschwarzwald hat immerhin eine Camping-Broschüre. „Wenn wir so auf Landesebene schauen, dann ist der Campingtourismus ein Stiefkind“, bedauert sie. Ein Thema, das sehr im Kommen sei, sei etwa auch der Wellnessaspekt. In diesen würden auch viele Campingplätze investieren, erklärt Stern. Allerdings: Im Außenbereich, in der Natur, Baugenehmigungen zu bekommen, sei alles andere als einfach. Und das Geld für die Um- und Anbauten muss man erst einmal haben – das geht auch mal in die hunderttausende.
Wellness ist aber ein Punkt, an dem der Nordschwarzwald gut anknüpfen könne. „Ich gehe im Winter auf Wellness“, erklärt David. „Wir haben eine starke Thermenregion.“ Schneesport werde hingegen weniger. „Es sind immer weniger Schneetage“, sagt Schönborn. David findet es „dem Gast gegenüber fies, das zu bewerben“, mit einladenden Fotos, die an den wenigen Schneetagen geschossen wurden. Bei Anreise sei dann kein Schnee da – und der Gast schwer enttäuscht. Wandern hingehen – eine Stärke des Schwarzwalds – sei das ganze Jahr über möglich.
Füllendes Programm
Auch sollte man daran arbeiten, dass die Menschen länger bleiben – und nicht nur auf der Durchreise. Dazu gehöre auch, dass die Besucher niederschwellig sehen, was alles in der Region an Ausflügen möglich sei. Digitalisierung sei ein wesentliches Thema, an dem noch gearbeitet werde, geben David und Schönborn zu. Dafür gebe es die „Frag Schwarzwald-Marie“-App, in der etwa Ausflugsziele, Routen und Gastronomie verzeichnet sind und mit dem Standort passgenau abgerufen werden können.
Kostenlos unterwegs
Für Touristen gibt es außerdem die „Konus-Gästekarte“. Mit dieser können die öffentlichen Verkehrsmittel in der Tourismusregion Schwarzwald genutzt werden. Die gibt es kostenlos – aber nicht in allen Gemeinden, auch Wildberg ist nicht dabei. Nagold und Calw fehlen ebenfalls.
„Das liegt an der Kurtaxe. Es gibt Städte, die die nicht erheben und die Konus-Gästekarte damit nicht decken können“, meint Schönborn.