Goodbye Balingen?: Entwarnung - Abenteuer der Sengs ist befristet

Familie Seng im Urlaub
SengSophie Seng ist Lehrerin und Gemeinderätin, Ehemann Christopher leitet die Zehntscheuer, ist aktiv beim THW in Ostdorf engagiert, beide sind in Elternbeiräten vertreten. Die Kinder sind ebenfalls gut vernetzt und Mitglieder in diversen Vereinen.
Unerwartet traf daher viele Balinger die Nachricht, dass die doch so gut in der Eyachstadt integrierte Familie plane, schon bald nach Portugal auszuwandern. Das Reiseziel stimmte schon mal, es fehlte eine wichtige Zusatzinfo: Der Auslandsaufenthalt ist auf drei Jahre begrenzt.
„Es ist kein weg, sonder ein hin“, versucht Sophie Send etwas Klarheit in die Sache zu bringen. Die Familie fliehe nicht aus Balingen, sondern nutze eine Chance für ein spannendes Familienabenteuer. „Dass wir hier eng vernetzt sind ermöglicht es uns überhaupt, dass wir gehen und wieder zurück kommen können.“
Wohin führt die Reise und wann geht’s los? An einer deutschen Schule in Porto wird Sophie Seng als Lehrkraft und für die Entwicklung des digitalen Unterrichts angestellt sein. Dafür wird sie vom Land Baden-Württemberg für drei Jahre von einer Landes- zu einer Bundesbeamten „befördert“. Daher auch die zeitliche Befristung. Los geht die Reise Mitte August.
Ehemann Christopher Seng wird sich erstmal um die Organisation und die drei gemeinsamen Kinder kümmern. „Wenn das dann mal alles läuft, werde ich aber sicher nicht untätig zuhause rumhocken, das liegt mir nicht“, sagt er. Er wolle sich etwas suchen, was ihn weiter bringt, auch nach seiner Rückkehr nach Balingen.
Das Eigenheim in Ostdorf wollen sie während ihres Abenteuers zwischenvermieten, eine Bleibe in Porto haben sie bereits organisiert. Sie freuen sich bereits, „plötzlich Großstädter“ zu sein, auch wenn es sicherlich anfangs ungewohnt sein werde.
Was sagen die Kids dazu? Mutig nennen viele ihre Entscheidung, aber was sagen die Kinder dazu? „Die sind Feuer und Flamme“, erzählen die Eltern. Sieben, zehn und zwölf sind die drei: „Das ist eigentlich ein ganz gutes Alter für so ein Abenteuer“, findet ihre Mutter.„Wir haben sie da auch von Anfang an miteinbezogen und alles gemeinsam durchgesprochen.“ In Porto werden alle drei die Deutschschule besuchen und sechs Stunden in der Woche auch Portugiesisch lernen. „Das finde ich besonders toll“, freut sich Vater Christopher Seng.
Was sagen Freunde und Familie? „Wir werden von allen dabei unterstützt“, berichtet Sophie Seng. „Trotzdem fällt der Abschied natürlich schwer“, fügt Christopher hinzu. Deshalb sind die Urlaube auch bereits mit Besuchen in der Heimat verplant. Zu den großen Veranstaltungen nächstes Jahr kommen wir auf jeden Fall zurück, die wollen wir nicht verpassen“, erzählt Sophie Seng.
Wer übernimmt die Leitung der Zehntscheuer? Diese Frage ist bisweilen ungeklärt. „Ich hoffe aber, dass sich jemand findet, der das weitertreibt, was ich angestoßen habe“, sagt Christopher Seng. „In der Zehntscheuer habe ich eine Arbeit gefunden, die mir von morgens bis abends Spaß macht. Das ist schon schwer das zurückzulassen.“ Aber er findet: „Jetzt oder nie. Das ist für uns ein absoluter Lebenstraum, der damit wahr wird.“
Wer rückt im Gemeinderat nach? Wegen des Wegzugs muss Sophie Seng ihren Platz im Gemeinderat aufgeben. Auch deswegen haben die Sengs sich die Entschiedung nicht leicht gemacht. „Irgendwas spricht aber immer dagegen“, begründen sie ihre Entscheidung. „Und wer weiß, ob wir diese Chance überhaupt noch mal bekämen.“ Nachrücker ist Mohammad Sankr, der nach Seng die meisten Stimmen bei der Kommunalwahl erhalten hat. Bis zum Juli will sich die Gemeinderätin aber weiterhin mit dem gleichen Engagement wie bisher für Balingen einsetzen.
Wie könnte die Rückkehr in drei Jahren aussehen? Kein „weiter so“ aber ein „wieder einbringen“ soll es werden. Nun verabschiedet sich die Familie aber erst mal von der Eyachstadt. „Auch mit einem weinenden Auge“, wie beide beteuern.
Deutsch im Ausland
Die deutschen Auslandsschulen
verstehen sich als Orte der Begegnung, des gemeinsamen und demokratischen Lernens, der schulischen Persönlichkeitsbildung, der Bikulturalität und des interkulturellen Austausches zwischen Deutschland und dem Partnerland. Sie sollen dazu beitragen, einen positiven Eindruck von Deutschland zu vermitteln. Sie fördern die deutsche Sprache und Kultur im Ausland und helfen, hoch qualifizierte Studierende und Fachkräfte für Deutschland zu gewinnen.